"Poesie und Politik" - Die Ruhrfestspiele mit neuem Intendanten

Das Gesicht eines Mannes mit Bart

"Poesie und Politik" - Die Ruhrfestspiele mit neuem Intendanten

Von Christoph Ohrem

Olaf Kröck hat es trotz eines geschrumpften Budgets geschafft, unter dem Motto "Poesie und Politik" ein spannendes Programm zu kuratieren. Der neue Intendant und sein Team stellten am Donnerstag (30.01.2019) im Festspielhaus die über 90 Veranstaltungen der Ruhrfestspiele Recklinghausen vor.

Das Programm ist geprägt von den alten Stärken des traditionsreichen Festivals: hochkarätige internationale Inszenierungen und Künstler verschiedener Sparten ins Ruhrgebiet zu holen. Kröck setzt aber auch eigene Akzente. Besonders mit der expliziten Betonung des politischen Charakters von Bühnenkunst – und in der Stärkung junger Menschen und Talente.

Programm wieder politischer

Das Thema Migration greift die Uraufführung "Das Heerlager der Heiligen" auf. Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer setzt darin seine Arbeit fort, die sich immer wieder mit den Gefahren rechtspopulistischer Diskurse auseinandersetzt. Das Stück beschreibt den Ansturm des armen, hungrigen Südens auf den reichen Norden.

Szenenbild aus "Ein wenig Leben"

Szene aus "Ein wenig Leben"

Ein weiterer Höhepunkt wird die Deutschlandpremiere des Star-Regisseurs Ivo van Hove mit der Roman-Adaption von "Ein wenig Leben" nach dem internationalen Bestseller von Hanya Yanagihara. Darin durchleben vier Freunde Höhen und Tiefen miteinander und eröffnen sich erst gegen Ende ihres Lebens das alles bestimmende dunkle Geheimnis, das sie geprägt hat. "Ein wenig Leben" ist eine Koproduktion mit dem Theater internationaal Amsterdam und wird nach den Ruhrfestspielen Recklinghausen auch Paris und den Broadway in New York bespielen.

Spielt eine große Rolle: der Tanz

Dass die Eröffnungsaufführung der Ruhrfestspiele Recklinghausen kein Theaterstück ist, sondern eine Tanzaufführung, ist ein Zeichen für die Stärkung des Tanzes. In Omar Rajehs "Beytna" treffen fünf Choreografen aus ganz unterschiedlichen Kontexten auf der Bühne zusammen.

Omar Rajehs "Beytna"

Das große Haus fasst 1000 Zuschauer. Viel zu tun für die Köchin.

Sie versuchen sich über ihre verschiedenen Herkünfte in künstlerischer und kultureller Hinsicht hinweg zu verständigen. Während der Aufführung kocht Omar Rajehs Mutter gemeinsam mit den Tänzern ein traditionelles libanesisches Gericht für das Publikum. Beytna bezeichnet im Libanon die Einladung, als Gast zu jemandem nach Hause zu kommen.

Jugendtheater und die junge Szene stärken

Olaf Kröck und sein Team laden auch hochkarätige Jugendtheater ein, wie etwa "Grips" aus Berlin. Sie sollen Kindern und Jugendlichen helfen, schon früh das Wunder Theater zu entdecken. Mutig und konsequent ist es, in dem Projekt OWELA ein kleines Festival innerhalb des Festivals zu veranstalten, in dem Kröck dem deutsch-namibischen Kaleni Kollectiv für acht Arbeiten komplett freie Hand lässt.

Weniger Geld, kürzeres Festival

Erst Mitte Januar hatte Kröck angekündigt, dass die Ruhrfestspiele 2019 eine Woche kürzer werden. Grund seien sinkende Sponsorengelder. Für die kommende Spielzeit muss Kröck mit einer Million Euro weniger auskommen. Einer der Hauptsponsoren, der Essener Chemiekonzern Evonik, hatte bereits vor der Berufung von Olaf Kröck angekündigt, weniger Geld für das Festival bereitzustellen. Als Folge der Einsparungen kündigte der Intendant an, es werde nur ein Theaterzelt statt der bisher gewohnten zwei Zelte aufgebaut. Auch soll es keine Hollywood-Stars im Programm geben. Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen sind das älteste Theaterfestival in Europa. Sie beginnen traditionell am 1. Mai und dauern bis Mitte Juni.

Ruhrfestspiele-Intendant Olaf Kröck im Gespräch

WDR 3 Resonanzen 30.01.2019 07:32 Min. WDR 3

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Stand: 30.01.2019, 18:57