Ausstellung "Papierwelten" in Witten

Blick auf die Bühne eines historischen Papiertheaters

Ausstellung "Papierwelten" in Witten

Von Stefan Keim

Die Zeche Nachtigall zeigt liebevolle Nachbauten historischer Häuser und Schiffe aus Papier. Auch ein komplettes Papiertheater und ein Kruzifix von 1529, das erste Kartonmodell überhaupt, sind zu sehen.

Ausstellung "Papierwelten" in Witten

WDR 4 Gut zu wissen 29.07.2020 02:57 Min. Verfügbar bis 29.07.2021 WDR 4

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Die Kathedrale von Reims, ein historisches Haus aus dem Harz, große Segelschiffe und Autos – alles ist liebevoll bis in die kleinste Einzelheit nachgebaut. Und zwar aus Papier. Nicht nur die Ausstellungsstücke selbst beeindrucken. Sondern die Vorstellung, wie sorgfältig und genau die Hersteller gearbeitet haben. Kartonmodellbauer zeigen ihre Kunst in der Ausstellung "Papierwelten" in der Wittener Zeche Nachtigall.

Das Kruzifix von 1529 ist als erstes Kartonmodell bekannt

Das Kruzifix von 1529 ist als erstes Kartonmodell bekannt

Das große Modell einer Zeche diente früher im Schulunterricht, um die Arbeit unter Tage zu erklären. Der Modellbauer zog damit herum. Aus dem Jahr 1529 stammt ein schräg stehendes Kruzifix aus Papier. Natürlich hat nicht das Kreuz selbst die Jahrhunderte überlebt, aber der Entwurf ist schon so alt.

Im 19. Jahrhundert waren Papiertheater sehr beliebt. Die Bürgerinnen und Bürger spielten mit Papierfiguren Theaterstücke und Opern in ihren Wohnzimmern nach. Dafür hatten sie Bühnen, die wie echte Theater aufgebaut waren und in denen man die Kulissen hin und her schieben konnte. So ein Papiertheater ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Es war auch schon im Einsatz, ein Papiertheaterspieler hat ein orientalisches Märchen aufgeführt.

Das Modell einer Lloyd LP400 S. stammt aus den 50er Jahren

Das Modell einer Lloyd LP400 S. stammt aus den 50er Jahren

Gerade weil das Material Papier so leicht zerstörbar ist, begeistert die Ausstellung. Extra für die Schau wurde ein Modellbaubogen der Zeche Nachtigall entwickelt, genauer gesagt der Schachtanlage Hercules. Die Besucherinnen und Besucher können den Bogen mitnehmen und zu Hause nachbauen, wie es auf dem Gelände im Jahr 1840 aussah. Damals wurde in Witten Kohle abgebaut, es war eine der ersten Zechen im Ruhrgebiet. Neben der Ausstellung ist es sehr reizvoll, sich das Industriemuseum anzuschauen und in die frühe Zeit des Ruhrbergbaus einzutauchen. Nebenher zu sehr günstigen Preisen: Für Erwachsene kostet der Eintritt vier Euro für das ganze Gelände, Kinder zahlen die Hälfte.

Termine

Bis 3. Oktober, Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr

Adresse

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58425 Witten

Stand: 29.07.2020, 10:50