Kleine Bühne für große Operette. Jacques Offenbach in Köln

Kleine Bühne für große Operette. Jacques Offenbach in Köln

Von Thomas Köster

Unter dem Motto "Yes we Can Can" feiert Köln 2019 den 200. Geburtstag des Komponisten Jacques Offenbach - Begründer der modernen Operette und sicher einer der größten Söhne der Stadt. Den Auftakt macht die kleine Info-Schau "Von Köln über Paris in die Welt".

Yes We Cancan, Jacques Offenbach, Rathaus Köln 2018 (Ausstellungsansicht)

Als Jakob Offenbach wurde er 1819 in Köln geboren, als Jacques Offenbach wurde er mit Operetten und Opern wie "Orpheus in der Unterwelt" (1858) oder "Hoffmanns Erzählungen" (1881) von Paris aus weltberühmt. Diesen Werdegang erzählt die kleine, aber feine Informationsausstellung in Köln jetzt. Es ist die Eröffnung des Jubiläumsjahres, das die Kölner Offenbach-Gesellschaft, die Stadt Köln und das Kulturradio WDR 3 gemeinsam gestalten.

Als Jakob Offenbach wurde er 1819 in Köln geboren, als Jacques Offenbach wurde er mit Operetten und Opern wie "Orpheus in der Unterwelt" (1858) oder "Hoffmanns Erzählungen" (1881) von Paris aus weltberühmt. Diesen Werdegang erzählt die kleine, aber feine Informationsausstellung in Köln jetzt. Es ist die Eröffnung des Jubiläumsjahres, das die Kölner Offenbach-Gesellschaft, die Stadt Köln und das Kulturradio WDR 3 gemeinsam gestalten.

Die Ausstellung soll laut ihren Machern "den spannenden und facettenreichen Lebensweg des Komponisten bildmächtig nachzeichnen und einen Eindruck vom Leben in der Domstadt am Rhein und in der Hauptstadt des 19.Jahrhunderts an der Seine bieten".

Ein wenig aus der Not heraus wurde dabei auf Originale verzichtet: Die als Wanderausstellung konzipierte Schau basiert auf Stellwänden; Vitrinen gibt es keine, in der Stadtkasse war für Schutz und Versicherung offenbar nicht genügend Geld. Da hätte man sich, gerade für Offenbach, eine etwas glamourösere, im besten Falle sogar multimedial-orchestrale Ouvertüre gewünscht.

Umso schöner ist, was an Bildern und Informationen auf kleinstem Raum geboten wird. Am Engagement und der Motivation der Ausstellungsmacher, das ist deutlich spürbar, hat es jedenfalls nicht gemangelt.

Zu entdecken gibt es ohnehin eine ganze Menge. Wer weiß schon, dass Eduard Manet auf seinem berühmten Gemälde "Musik in den Tuilerien" (1862) das das Pariser Leben in fröhlich flirrenden Farben feiert, auch Offenbach ein Denkmal setzte? In Köln wird man darauf gestoßen.

Stolz ist Offenbach-Experte und Ausstellungskurator Ralf-Olivier Schwarz auf ein Konvolut von Fotografien (links), das in den Beständen des Museums Ludwig schlummerte: "Hunderte von Bildern, die das gesamte damalige Pariser Theaterleben abbilden, und das zu einer Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte. Das ist das unglaublich Spannende daran."

Gefunden wurden die Werke vom Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Mario Kramp. "Offenbach war einer, der sich seiner Heimatwurzeln bewusst war und als Komponist damit in die Ferne ging", sagt Kramp. "Aber sein Verhältnis zu Köln trägt Zeit seines Lebens widersprüchliche Züge." Auch hiervon zeugt die Schau.

Die eigentliche Entdeckung aber sind laut Schwarz jene wenigen Partituren, die Offenbach als Zwölfjähriger noch in der Kölner Glockengasse komponiert hat: Gefunden wurden sie im "Familienalbum" seines größten Förderers: Vater Isaac Offenbach, der den Vierzehnjährigen dank seiner Hartnäckigkeit an das - Ausländern eigentlich verschlossene - Pariser Konservatorium brachte. "Dokumente des Komponieren-Lernens", wie Schwarz sagt.

Die Stücke aus dem Album, die Isaac Offenbach als Kantor der jüdischen Gemeinde in Köln für das Purim-Fest schrieb, sollen im Laufe des Jubiläumsjahres als Weltpremieren eingespielt werden. Ende 2019 sollen sie, das ist noch nicht sicher, vielleicht auch in der Ausstellung zu hören sein, wenn sie, nach ihrer Reise bis nach Frankreich, nach NRW zurückkehren.

So kann man in Köln nachvollziehen, wie viel Rheinland Offenbach mit nach Paris nahm. "Stellen Sie sich vor, unser Offenbach wäre in Bielefeld geboren!", stellte der Kabarettist Konrad Beikircher bei seiner Kick-Off-Rede zum Kölner Offenbach-Jahr dem entsprechend heraus: "Nicht auszudenken, was da herausgekommen wäre."

Laut Beikircher jedenfalls kein "Jacques Offenbach mit dieser einzigartigen Mischung rheinisch-französisch-jüdischen Humors. Oder sagen wir es präziser: mit dieser einmaligen Mischung aus rheinischem Humor, jüdischem Witz und französischem Esprit."

"Jacques Offenbach. Von Köln über Paris in die Welt" ist eine Wanderausstellung und ist aktuell in Paris zu sehen. Am 01.06.2019 kommt sie voraussichtlich zurück nach Köln - dann kann man die Ausstellung in der Oper im Staatenhaus besuchen.

Stand: 14.12.2018, 13:53 Uhr