WDR Studio Elektronische Musik goes Online!

Von Thomas Köster

Als das WDR Studio für Elektronische Musik 1951 gegründet wurde, war es weltweit das erste seiner Art. Es lockte Größen wie John Cage nach Köln und machte die Musik Stockhausens erst möglich. Zum 70. Geburtstag wurde das legendäre Studio multimedial erlebbar.

Pink Floyd, Can, Kraftwerk: Sie alle singen laut Auskunft des ehemaligen WDR 3-Programmchefs Karl Karst "Elogen auf die Entdeckungen, die im Studio für Elektronische Musik gemacht worden sind". Tatsächlich machte das Studio die Stadt Köln seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zum pulsierenden Herzstück der musikalischen Avantgarde. Hierher eingeladen zu werden, war für Komponisten der Ritterschlag.


Ein Online-Angebot, das die Museums-Webanwendung "Google Arts & Culture" gemeinsam mit dem WDR entwickelt hat, vermittelt nun einen imposanten Eindruck davon: mit einer virtuellen 360-Grad-Tour (im Bild) sowie zahlreichen Fotos, Film- und Tondokumenten. Es ist Teil des Großprojekts "Music Makers Machines", einer Online-Ausstellung über die Geschichte elektronischer Musik, bei der "Google Arts & Culture" und YouTube mit internationalen Kulturinstitutionen und Partnern aus der Musikindustrie zusammenarbeiten.

Vor allem der Name des kreativen, streitbaren Komponisten Karlheinz Stockhausen ist für immer mit dem WDR Studio für Elektronische Musik verbunden, das er zwischen 1963 und 1989 künstlerisch leitete. 1955 entstand im Studio das Frühwerk "Gesang der Jünglinge", 1960 mit "Kontakte" für Klavier, Schlagzeug und Tonband ein Hauptwerk von Stockhausen.

Neben Stockhausen prägten die Komponisten Pierre Boulez, György Ligeti, Gottfried Michael Koenig und Mauricio Kagel (hier rechts neben John Cage) die Geschichte des Studios für Elektronische Musik nachhaltig. Im Web-Projekt ist ihnen als "Quartett vom Rhein" ein eigenes Kapitel gewidmet.

1987 zog das Studio aus dem Haupthaus des WDR in ein einige Kilometer entferntes Gebäude des Senders, wo es bis 2001 noch überwiegend von Stockhausen genutzt wurde. Da gab es bereits den Plan, seine Mischpulte, Synthesizer, Rauschgeneratoren, Vierspurmagnetophone, Ring- und Sinusmodulatoren, Oktav- und Terzfilter zu verschrotten. Denn die Technik galt als veraltet, inzwischen gab es modernere Studios in Mailand, Tokio, Utrecht und New York. Einen "Skandal" nannte Komponist György Ligeti diesen Plan.

Zunächst scheiterten Verhandlungen, das Studio einer öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen. So etwa auch der Umzug nach Haus Mödrath, jenes ehemalige Wöchnerinnenheim, in dem 1928 Karlheinz Stockhausen zur Welt kam.

Doch am 3.2.2022 hat der Rat der Stadt Köln hat den Weg frei gemacht: Das weltberühmte Studio für Elektronische Musik des WDR (SEM) soll dort künftig als ein internationales Produktions- und Veranstaltungszentrum öffentlich zugänglich sein. Der Name: zamus 2.0/SEM. Das wäre sicher im Sinne der Komponisten. Immerhin nannte schon Györgi Ligeti die Verbindung zwischen Neuer Musik, dem WDR und Köln ein "Dreigestirn".

Stand: 04.02.2022, 11:50 Uhr