Tangerine Dream: Elektronische Propheten

Tangerine Dream: Elektronische Propheten

Von Ingo Neumayer

Sie sind eine der wenigen deutschen Bands mit Weltgeltung: Tangerine Dream. Angefangen als Jazzrockband, spielten sie später eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der elektronischen Musik.

Tangerine Dream

Gegründet wird Tangerine Dream im Jahr 1967 von Gitarrist Edgar Froese (Mi.) – und mit freundlicher Unterstützung der Beatles. Deren Textzeile "Tangerine trees and marmalade skies" aus "Lucy In The Sky With Diamonds" dient nämlich als Inspiration für den Bandnamen der vier Berliner.

Gegründet wird Tangerine Dream im Jahr 1967 von Gitarrist Edgar Froese (Mi.) – und mit freundlicher Unterstützung der Beatles. Deren Textzeile "Tangerine trees and marmalade skies" aus "Lucy In The Sky With Diamonds" dient nämlich als Inspiration für den Bandnamen der vier Berliner.

Zu Beginn ihrer Karriere ist Tangerine Dream eine Band unter vielen. Ein bisschen Jazz, ein bisschen Rock, ein bisschen Avantgarde – mit dieser Mischung und ständig wechselnden Besetzungen gibt man die ersten Konzerte.

Doch Froese und Co. verlieren immer mehr das Interesse an herkömmlicher Rockmusik und der dazu passenden Instrumentierung. Schon das Debütalbum "Electronic Meditation" lotet die Grenzen dessen aus, was im Rock machbar und "erlaubt" ist.

1971 kauft sich die Band einen Synthesizer und verändert damit ihren Sound nachhaltig. Elektronische Klänge dominieren fortan statt Gitarrenriffs, herkömmliche Songformate werden gesprengt. So dauert der Titelsong ihrer 1973 erscheinenden Platte "Atem" über 20 Minuten. Froese, der großer Fan von Salvador Dali ist, versucht sich an musikalischem Surrealismus.

Zusammen mit Kraftwerk, Neu!, Cluster, Faust und Klaus Schulze (der ebenfalls kurze Zeit Mitglied bei Tangerine Dream war) werden Tangerine Dream zur Speerspitze einer neuen Bewegung: experimentelle und innovative Musik, die so gar nichts mit den gängigen Rock-Rezepten gemein hat.

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, das ist ein Sprichwort, das auch auf Tangerine Dream zutrifft. Vor allem in England ist die Band schwer angesagt. Der Kult-DJ John Peel erklärt in der BBC "Atem" zum "Album des Jahres", Richard Branson gibt der Band einen Plattenvertrag auf dem neu gegründeten "Virgin"-Label. Das Album "Rubycon" schafft es dort 1975 sogar in die Top Ten. In Deutschland hingegen ist die Band eher etwas für Insider.

Das ändert sich auch nicht in den folgenden Jahrzehnten. Tangerine Dream ist produktiv wie kaum eine andere Band: Neben regelmäßigen Konzerten und Plattenaufnahmen wird die Band immer öfter für Soundtracks engagiert. Die Hollywood-Regisseure William Friedkin oder Michael Mann buchen die Band ebenso wie der WDR für den Schimanski-Tatort "Das Mädchen auf der Treppe".

Als Anfang der 90er die elektronische Musik ihren weltweiten Siegeszug antritt, erleben auch Tangerine Dream eine neue Hochphase in ihrer Karriere. Denn für vieles von dem, was in der Techno- und Dance-Szene als "Ambient" bezeichnet wird, haben Froese & Co. die Vorarbeit geleistet.

Das wird entsprechend honoriert und macht Tangerine Dream zu einer Kultband, die mehrere Generationen zugleich anspricht: Krautrocker und Avantgarde-Fans der 70er, Synthiepop-Liebhaber der 80er und auch die Anhänger der modernen Dance-Sounds der 90er.

Im Januar 2015 dann der Schock: Edgar Froese stirbt mit 70 Jahren, kurz nachdem er Aufnahmen mit Jean-Michel Jarre vollendet hat. Das Ende für Tangerine Dream?

Nein! Tangerine Dream, so Froeses erklärter Wille, sollen auch ohne die zentrale Figur der fast 50-jährigen Bandgeschichte weitermachen. Das nehmen sich Thorsten Quaeschning, Hoshiko Yamane und Ulrich Schnauss zu Herzen und führen Froeses Erbe nach seinem Tod kompetent und würdig weiter.

Stand: 30.04.2018, 16:23 Uhr