Ronnie Wood: Der fünfte Stein am Wagen

Ronnie Wood: Der fünfte Stein am Wagen

Von Ingo Neumayer

Maskottchen, Mediator oder musikalische Ergänzungskraft? Die Rolle von Ronnie Wood bei den Rolling Stones wurde nie so recht deutlich.

Ron Wood live 2003

Kippe im Mund, cooler Blick, die Gitarre lässig an der Hüfte hängend - und immer im Schatten von Jagger und Richards: So kennt man Ron Wood, den zweiten Gitarristen der Rolling Stones.

Kippe im Mund, cooler Blick, die Gitarre lässig an der Hüfte hängend - und immer im Schatten von Jagger und Richards: So kennt man Ron Wood, den zweiten Gitarristen der Rolling Stones.

Seine Vorgänger Brian Jones und auch Mick Taylor mögen zwar mehr Anerkennung für ihre Arbeit bei den Stones erfahren haben. Aber dafür ist Wood schon über 40 Jahre bei den Stones dabei. Das muss man erst einmal schaffen.

Geboren am 1. Juni 1947 im Westen Londons, spielt Ronald David Wood schon als Teenager in diversen Londoner Bands Gitarre und Bass. 1967 wird er Mitglied der Jeff Beck Group.

Sänger der Jeff Beck Group ist ein gewisser Rod Stewart. Als sich die Band 1969 auflöst, schließen sich Stewart und Wood mit den verbliebenen Mitgliedern der Small Faces zusammen, die von ihrem Sänger und Gitarristen Steve Marriott verlassen wurden. Wood übernimmt die Gitarre, Stewart den Gesang. Und da die beiden relativ groß sind, passt der Bandname nicht mehr so richtig: Aus den Small Faces werden die Faces.

Zwischen 1969 und 1973 nehmen die Faces vier Alben auf und gehen weltweit auf Tour. Doch die Spannungen in der Band nehmen zu. Stewart wird mehr und mehr zum Aushängeschild der Band und strebt eine Solokarriere an. Und auch Ron Wood (li.) kann sich das alles bald nicht mehr ansehen. Er hilft den Rolling Stones als Studiogitarrist auf dem "Black And Blue"-Album aus und geht auch mit der Band auf Tour, nachdem Mick Taylor seinen Abschied verkündet hat.

Ende 1975 sind die Faces Geschichte und machen ihre Trennung offiziell. Zwei Monate später geben die Stones bekannt, was ohnehin schon alle ahnen: Ron Wood ist ihr neuer Gitarrist.

Allerdings hat Wood nicht dieselben Rechte wie die übrigen Mitglieder. Er ist "nur" ein fester Angestellter der Stones und bezieht ein Monatsgehalt. Im Privatjet der Band darf er natürlich trotzdem mitfliegen.

Mitte der 1970er sind die Stones etwas orientierungslos. Das ganz große Rad drehen sie nicht mehr, die Konzerte sind nur noch mittelmäßig nachgefragt. Und auch musikalisch wirkt die Band manchnal etwas unentschlossen und versucht sich an Disco-, Reggae- und Funk-Nummern.

Ron Wood hält sich dabei loyal im Hintergrund: Er erledigt, was zu tun ist, und gibt Jagger und Richards – den beiden unangefochtenen Stars der Band – genügend Räume, um sich zu entfalten.

Ende der 1980er Jahre ist die Durststrecke überwunden. Die Stones werden vor allem live zu einem Phänomen und reihen fortan eine erfolgreiche Tournee an die nächste.

Nach 15 Jahren als Angestellter wird Ron Wood Anfang der 1990er schließlich ein vollwertiges Bandmitglied – inklusive Gewinnbeteiligung. Diesen Status hat er auch seinen sozialen Kompetenzen zu verdanken. Denn Wood gibt oft den Vermittler zwischen den Ego-Giganten Jagger und Richards und sorgt dafür, dass sich die beiden Alphatiere am Ende doch jedes Mal wieder zusammenraufen.

Doch neben seiner versöhnlichen hat Wood auch eine exzessive Seite: Immer wieder hat er mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen und macht mehrere Entziehungskuren.

Auch sein Privatleben ist turbulent. Wood ist in dritter Ehe verheiratet und hat sechs Kinder. Die jüngsten beiden, die Zwillinge Gracie Jane und Alice Rose, bringt seine Frau Sally Humphreys (re.) kurz vor seinem 69. Geburtstag zur Welt.

Neben der Musik hat Wood auch Ambitionen in der bildenden Kunst. Schon als Kind benutzt die BBC seine Zeichnung für eine Sendung, später geht er auf das Ealing Art College – eine Weiterbildungsstätte, die auch Pete Townshend und Freddie Mercury besuchen. Seine Gemälde zeigen oft Personen der Popkultur und Zeitgeschichte. Hier sieht man ihn vor einer Art Selbstporträt: Die Stones auf der Bühne, die von weißen Pferden eingerahmt werden. Kunst oder Kitsch? Entscheiden Sie selbst.

Auch mit über 70 hat Wood noch eine Menge zu tun: Er muss Windeln wechseln, Bilder malen, Drinks ablehnen – und auch mal wieder auf der Bühne Grimassen schneiden und mit starkem Rücken dafür sorgen, dass Keith Richards nichts umkippt. Denn die "No Filter"-Tour führt die Stones von 2017 bis 2019 rund um die Welt. Und ein Ende der Band ist noch lange nicht in Sicht.

Stand: 10.02.2021, 00:01 Uhr