"Let It Bleed" und das Katastrophenjahr der Stones

"Let It Bleed" und das Katastrophenjahr der Stones

Von Ingo Neumayer

Die 60er enden für die Rolling Stones mit Chaos, Tragödien – und mit einem ihrer besten Alben. Am 5. Dezember 1969, also vor 50 Jahren, ist "Let It Bleed" erschienen.

Rolling Stones im Jahr 1968

1969 geht als das Katastrophenjahr in die Geschichte der Rolling Stones ein. Gitarrist Brian Jones (li.) kapselt sich immer mehr von der Band ab und verliert sich im Drogennebel und in Egotrips. Auch die anderen Stones setzen Prioritäten jenseits der Musik.

1969 geht als das Katastrophenjahr in die Geschichte der Rolling Stones ein. Gitarrist Brian Jones (li.) kapselt sich immer mehr von der Band ab und verliert sich im Drogennebel und in Egotrips. Auch die anderen Stones setzen Prioritäten jenseits der Musik.

Mick Jagger arbeitet fleißig an seiner Schauspielkarriere und hängt immer öfter an Filmsets ab.

Keith Richards hingegen genießt das Jet-Set-Leben und kostet das Dasein als Rockstar so richtig aus.

Wenn es drauf ankommt und die Band wieder in den Fokus rückt, sind die beiden aber da. Ganz im Gegensatz zu Brian Jones, dessen Verhalten immer sonderbarer wird. Im Juni 1969 setzen ihn die Stones vor die Tür. Nur einen Monat später dann der Schock: Brian Jones wird tot aufgefunden. Er ertrinkt unter mysteriösen Umständen in seinem Pool.

Die Stones engagieren Mick Taylor (2.v.r.) als neuen Gitarristen und stürzen sich in die Arbeit. Ein neues Album soll noch im Jahr 1969 erscheinen.

Die Aufnahmen finden im Rahmen mehrerer Sessions zwischen Februar und Oktober 1969 statt. Ein Song, "You Can't Always Get What You Want", wurde bereits 1968 eingespielt. Der Großteil der Gitarrenarbeit lastet dabei übrigens auf Keith Richards: Brian Jones kann (fast) nichts beitragen, Mick Taylor darf nicht.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass unter diesen widrigen Umständen überhaupt ein Album entsteht. Und dann auch noch ein solch gutes! Denn Fans und Kritiker sind gleichermaßen begeistert von "Let It Bleed", auch 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung zählt das Werk zu den besten Stones-Alben überhaupt.

Songs wie "Gimme Shelter", "Midnight Rambler" oder "You Can't Always Get What You Want" gehören bis heute zum Standardprogramm eines Stones-Konzerts. Auf der aktuellen "No Filter"-Tour haben sie von keinem Album so viel Songs gespielt wie von "Let It Bleed".

Einen Tag nach der Veröffentlichung von "Let It Bleed" treten die Stones beim Altamont-Festival auf, das in Randalen und Schlägereien endet und bei dem vier Menschen sterben, darunter Meredith Hunter. Der 18-jährige Konzertbesucher wird während ihres Aufritts direkt vor der Bühne von den Ordnern der Band erstochen. So endet nicht nur das Katastophenjahr der Stones. Viele Beobachter sehen in "Altamont" den blutigen Abgesang auf die Hippie-Ära und das "Love, Peace, Happiness"-Motto der Flower-Power-Bewegung.

Stand: 02.12.2019, 13:55 Uhr