Das Erbe des Rock'n'Roll

Das Erbe des Rock'n'Roll

Es stimmt: Die Hochphase des Rock'n'Roll ist lange her. Doch dass man diesen Sound auch späteren Generationen nahebringen kann, wird immer wieder aufs Neue bewiesen.

Shakin' Stevens während eines Auftritts der NDR 1 Welle Nord Schlagerveranstaltung "Kult am Kaltberg" (2011)

Synthiepop, Wave, Neue Deutsche Welle – der Sound, der in den 80ern die deutschen Charts dominierte, hatte wenig mit den Wurzeln der Pop- und Rockgeschichte zu tun. Doch es gab Ausnahmen: Shakin' Stevens zum Beispiel.

Synthiepop, Wave, Neue Deutsche Welle – der Sound, der in den 80ern die deutschen Charts dominierte, hatte wenig mit den Wurzeln der Pop- und Rockgeschichte zu tun. Doch es gab Ausnahmen: Shakin' Stevens zum Beispiel.

Der Waliser ließ für seine Songs den klassischen Rock'n'Roll- Sound wieder auferstehen und hatte mit "Marie, Marie", "This Ole House", "You Drive Me Crazy", "Shirley" oder "Oh Julie" eine ganze Reihe von Hits. Sein größtes Vorbild war dabei ziemlich offensichtlich ...

Ob Hüftschwung, Mimik oder Stimme – Elvis Presley hat für Shakin' Stevens eine große Rolle gespielt. In den 70ern spielte er den "King" in einem Musical in London und hatte dort die Möglichkeit, an seiner Rolle als Elvis-Wiedergänger zu arbeiten.

Doch Shakin' Stevens war kein Abziehbild, sondern lediglich inspiriert durch den King of Rock'n'Roll: Viele seiner Songs schrieb er selbst, und auch auf der Bühne zeigt er bis heute, dass er weit mehr ist als ein Imitator.

Schmalztollen, Lederjacken, verwegene Posen: Auch die Stray Cats orientierten sich in den Achtzigern am klassischen Rockabilly-Sound von Elvis, Carl Perkins und Eddie Cochran. Ihr Sänger Brian Setzer sorgte Ende der 90er für ein kurzes Comeback des Swings und ging in bester Glenn-Miller-Manier sogar mit einem ganzen Orchester auf Tour.

Setzers wildes Gebahren auf der Bühne erinnerte dabei nicht selten an einen anderen Gründungsvater des Rock'n'Roll: Little Richard, der mit Songs wie "Tutti Frutti", "Good Golly Miss Molly" oder "Long Tall Sally" weltberühmt wurde - und natürlich mit seiner denkwürdigen Show, bei der er sein Klavier mit Händen und Füßen traktierte.

Auch Billy Idol hatte seine Wurzeln im Rock'n'Roll. Optisch war er zwar klar der Punk-Szene zuzuordnen, seine ersten Singles wie "Dancing With Myself" und "Mony Mony" hatten aber einen deutlichen Retro-Einschlag. Bei "Mony Mony" kein Wunder: Der Song war eine Coverversion von Tommy James & The Shondells.

Der Bandname Dick Brave & The Backbeats ist natürlich eine Verbeugung vor Nick Cave & The Bad Seeds. Doch musikalisch orientiert sich Sasha mit seiner Band am klassischen Rock'n'Roll-Sound der 50er und 60er – inklusive einer Coverversion von Bobby Vees "Take Good Care Of My Baby". Anfangs nur als Spaßprojekt für eine Weihnachtsfeier gegründet, konnten Dick Brave & The Backbeats schnell große Erfolge feiern.

Chuck Berrys legendärer "Duck Walk" fand später ebenfalls reichlich Nachahmer.

Der berühmteste von ihnen dürfte AC/DC-Gitarrist Angus Young (re.) sein, der Berrys Show-Einlage bei Livekonzerten regelmäßig zum Besten gibt. Das zeigt, auch über 60 Jahre nach seiner Geburt ist der Rock'n'Roll noch höchst vital. Wie sang schon Neil Young so schön: "Hey hey, my my / Rock'n'Roll can never die".

Stand: 12.02.2019, 12:04 Uhr