Ray Charles: Der musikalische Alleskönner

Ray Charles: Der musikalische Alleskönner

Von Ingo Neumayer

Ob Soul oder Country, Gospel oder Rock'n'Roll, Pop oder R'n'B: Ray Charles hatte alles drauf und gilt zurecht als einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Am 23. September 2020 wäre er 90 Jahre alt geworden.

Ray Charles Robinson, der am 23. September 1930 in Albany, Georgia, geboren wird, entwickelt früh ein Interesse an Musik und klimpert schon als Dreijähriger auf jedem Piano herum, das in der Nähe ist. Kurz darauf erkrankt er am Grünen Star, seine Sicht verschlechtert sich rapide, mit sieben ist er blind. Doch von der Musik kann und will er nicht lassen. Er lernt Noten lesen mittels der Blindenschrift Braille und übt fleißig. Vor allem die Klassiker: Mozart, Bach, Beethoven.

Ray Charles Robinson, der am 23. September 1930 in Albany, Georgia, geboren wird, entwickelt früh ein Interesse an Musik und klimpert schon als Dreijähriger auf jedem Piano herum, das in der Nähe ist. Kurz darauf erkrankt er am Grünen Star, seine Sicht verschlechtert sich rapide, mit sieben ist er blind. Doch von der Musik kann und will er nicht lassen. Er lernt Noten lesen mittels der Blindenschrift Braille und übt fleißig. Vor allem die Klassiker: Mozart, Bach, Beethoven.

Sein Talent ist groß, sein Wille ebenfalls. Mit 14 geht er von der Schule ab. Er zieht nach Florida und verdingt sich in diversen Bar-Bands. Ray spielt alles, was verlangt wird und angesagt ist, und macht sich langsam aber sicher einen Namen. Doch Florida ist zu weit vom Schuss, also zieht er an die Westküste, erst nach Seattle, dann nach Los Angeles.

Die Karriere von Ray Charles (seinen Nachnamen streicht er irgendwann) nimmt Fahrt auf. Er komponiert, arrangiert Songs für Cole Porter und Dizzy Gillespie und hat auch selbst den einen oder anderen Hit.

Sein großes Plus ist seine Vielseitigkeit: Charles spielt verschiedene Instrumente, er kann singen, komponieren und arrangieren, kommt mit Big Bands genauso klar wie mit der kleinen Besetzung. Und er interessiert sich nicht für Stil-Schubladen: Gospel, Blues, Jazz, Country oder Rock'n'Roll - er hat alles im Repertoire.

In den 50ern hat er mit "In The Midnight Hour" und "I've Got A Woman" schon größere Erfolge, so dass er 1959 in einer guten Verhandlungsposition für einen neuen Plattenvertrag ist. Er unterschreibt bei "ABC Paramount" und lässt sich viele künstlerische Freiheiten zusichern, die für die damalige Zeit eher ungewöhnlich sind.

Doch die Zugeständnisse lohnen sich, denn Ray Charles liefert ab, und zwar richtig: "Georgia On My Mind", seine erste Single beim neuen Label, wird ein Riesenhit, die Nachfolger "Hit The Road, Jack" und "Unchain My Heart" sind kaum weniger erfolgreich. Ray Charles ist ein Superstar, der weltweit gefeiert wird.

Doch der Erfolg hat seinen Preis: Charles trinkt zu viel und kämpft lange mit seiner Heroinsucht. Ein Beinahe-Absturz mit dem Flugzeug verändert ihn schließlich. Mitte der 60er ist er clean und widmet sich neben der Musik auch sozialen Fragen. Hier sieht man ihn mit dem UN-Flüchtlingskommissar Arne Torgersen, der Charles für sein Engagement auszeichnet.

In den 70ern ändert sich der musikalische Massengeschmack, in den Charts spielt Ray Charles keine Rolle mehr. Aber auf der Kinoleinwand: In der Kult-Komödie "Blues Brothers" spielt er einen bärbeißigen Musikalienhändler.

In der Spätphase seiner Karriere erntet Charles schließlich den verdienten Ruhm, den er sich in vielen Jahrzehnten hart erarbeitet hat; er wird zur Ikone und Legende. Ein Stern auf dem "Walk of Fame", die Aufnahme in die "Rock'n'Roll Hall of Fame", ein Grammy für das Lebenswerk. "Georgia On My Mind" wird sogar zum offiziellen Song seines Heimatstaates erklärt.

Ein Wimmelbild der besonderen Art: Wenn sich die größten Stars zu einer Benefiz-Aufnahme treffen, darf auch Ray Charles nicht fehlen. Erkennen Sie ihn?

Ob mit den Clintons ...

... den Muppets ...

... oder mit Alfred Biolek: Ray Charles hat überall Spaß und ist ein gern gesehener Gast.

Nur wenn das Mikro nicht richtig funktioniert, wird er wütend und malträtiert das Gerät mit den Zähnen.

Rente? Ruhestand? Das interessiert Ray Charles nicht. Stattdessen macht er es wie viele seiner Kollegen: Er verlegt sein künstlerisches Schaffen vom Studio immer mehr auf die Bühne und tourt und tourt und tourt.

2002 bekommt Ray Charles ernste Gesundheitsprobleme. Er lädt seine zwölf Kinder zu sich ein, um seinen Nachlass zu regeln. Am 10. Juni 2004 stirbt er schließlich an Leberversagen.

Auf der Trauerfeier singen unter anderem Stevie Wonder, B.B. King und Steve Campbell für ihn. Zwei Monate nach seinem Tod erscheint sein letztes Album "Genius Loves Company", auf dem er Duette mit u.a. Van Morrison, Elton John, Norah Jones, James Taylor und Natalie Cole singt. Ein großes Vermächtnis für einen großen Künstler, das Ray Charles ein letztes Mal in all seiner Vielseitigkeit zeigt.

Stand: 21.09.2020, 15:55 Uhr