Pink Floyds "Wish you were here" – Ein majestätisches Gesamtkunstwerk

Pink Floyds "Wish you were here" – Ein majestätisches Gesamtkunstwerk

Von Ingo Neumayer

An Pink Floyd ist nahezu alles legendär: die Konzerte, die Hochs und die Tiefs, die Erfolge, die Streitereien und natürlich die Platten. Auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität erscheint "Wish you were here".

Pink Floyd-Musiker Roger Waters (l.), David Gilmour (Mitte) und John Wilson (r.)

Doch Barretts Psychosen werden immer schlimmer, so dass er im April 1968 die Band verlassen muss. Gilmour wird zum vollwertigen Bandmitglied und bildet in den folgenden Jahren zusammen mit Bassist Roger Waters (li.) die treibende musikalische und künstlerische Kraft bei Pink Floyd.

Doch Barretts Psychosen werden immer schlimmer, so dass er im April 1968 die Band verlassen muss. Gilmour wird zum vollwertigen Bandmitglied und bildet in den folgenden Jahren zusammen mit Bassist Roger Waters (li.) die treibende musikalische und künstlerische Kraft bei Pink Floyd.

Trotz der vielfältigen Einflüsse und unterschiedlichen Stilarten, die den Sound von Pink Floyd bestimmen, gibt es ein klangliches Element, das die Songs der Band zusammenhält und quasi unverkennbar macht: David Gilmours Gitarrenspiel. Mit viel Gefühl und der richtigen Portion Rhythmus ausgestattet, weiß Gilmour im Gegensatz zu manchen Dudel-Kollegen, dass es mitunter viel effektiver ist, nicht alle Lücken zuzukleistern, sondern Riffs und Melodien auch mal atmen zu lassen. Dazu kommt sein warmer, klarer, fast schon polierter Sound.

Roger Waters und David Gilmour teilen sich die meisten Einsätze am Mikrofon. Mit dem 1973 erschienenen Album "The Dark Side Of The Moon" werden die Jungs von Pink Floyd endgültig zu Superstars. Die Platte mit Hits wie "Time" oder "Money" hält sich 15 (!) Jahre lang in den US-Charts und verkauft sich über 50 Millionen mal. Nur "Thriller" von Michael Jackson ist kommerziell noch erfolgreicher.

1975 erscheint dann Pink Floyds "Wish you were here". Von den Kritikern werden die fünf Songs auf dem Album damals teilweise als einfallslos beurteilt, trotzdem ist es ein kommerzieller Erfolg. Heute ist es als Klassiker der Rockgeschichte etabliert. Das Original-Cover hat einen besonderen Clou: Es ist blickdicht in schwarzer Plastikfolie verpackt mit einem Aufkleber versehen, auf dem sich zwei Roboter-Greifer die Hand geben.

Auch das Doppelalbum "The Wall", das 1979 veröffentlicht wird, lebt von seiner starken visuellen Komponente. Da die Auftritte von einem äußerst aufwendigen Bühnenbild begleitet werden, wird das Album Anfang der 80er weltweit lediglich in vier Städten live aufgeführt: in New York, Los Angeles, London und Dortmund.

Vorab erscheint die Singleauskopplung "Another Brick In The Wall, Part 2". Die von Kindern gesungene Zeile "We don't need no education" wird schnell zur Hymne der antiautoritären Linken. Innerhalb von zwei Monaten verkauft sich die Platte eine Millionen mal. Auch in Deutschland trifft das Stück einen Nerv und verweilt ab dem 4. Februar 1980 für drei Wochen an der Spitze der deutschen Charts.

Zu diesem Zeitpunkt knirscht es allerdings schon gehörig in der Band. Roger Waters, der ab Mitte der 70er mehr und mehr das Sagen übernommen hat, sieht Wright, Mason und Gilmour lediglich als Erfüllungsgehilfen, die die von ihm geschriebenen Songs umzusetzen haben. Auf dem 1983 erschienenen Album "The Final Cut" ist Gilmour kaum vertreten.

Neben seiner Arbeit für Pink Floyd findet David Gilmour immer wieder Zeit für Alleingänge. Schon 1978 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum, weitere folgen in den Jahren 1984 und 2006. Auch seine Soloalben und die daran anschließenden Tourneen werden große Erfolge.

Stand: 15.01.2021, 21:11 Uhr