Peter Green: Der erste Chef Fleetwood Mac

Peter Green: Der erste Chef Fleetwood Mac

Von Ingo Neumayer

Peter Green war der musikalische Kopf in den Anfangsjahren von Fleetwood Mac, bis ihn ein tragischer Drogenabsturz aus der Bahn warf. 2020 starb der Sänger und Ausnahmegitarrist im Alter von 73 Jahren.

Als in den 1960ern das große Buch der Rockgeschichte geschrieben wird, ist Peter Green an einigen wichtigen Kapiteln beteiligt. Er spielt bei Shotgun Express – einer Londoner Rhythm'n'Blues-Band, bei der ein gewisser Rod Stewart am Mikro steht. Danach geht er als Gitarrist und Teilzeit-Sänger zu John Mayall & The Bluesbreakers, um das Erbe von Eric Clapton anzutreten, der die Band verlassen hatte.

Der Name spiegelt die Verhältnisse gut wider: Denn in den Anfangstagen ist Peter Green tatsächlich die treibende Kraft hinter der Band. Er singt, schreibt einen Großteil der Songs und sorgt mit seinem unverkennbaren Gitarrenspiel für offene Münder unter Bluesrockern. Green gilt als Ausnahmetalent und bester weißer Blues-Gitarrist; von manchen Fans wird er gar als "Gott" tituliert. Das selbstbetitelte Debüt erscheint 1968 und wird direkt ein Erfolg.

Für das zweite Album "Mr. Wonderful" wird der umständliche Bandname verkürzt: Fortan firmiert die Band nur noch unter "Fleetwood Mac". Green ist aber weiter der Taktgeber und Chef. Er schreibt Hits wie das Instrumental "Albatross", "Man Of The World" oder "Black Magic Woman", das 1970 von Carlos Santana gecovert wird.

Ein Schicksal, das an Pink Floyds Syd Barrett erinnert. Denn auch für Fleetwood Mac beginnt die erfolgreichste Zeit ohne den ursprünglichen Kopf der Band. Mitte der 1970er stoßen Gitarrist Lindsey Buckingham und Sängerin Stevie Nicks zu der Band, die ihren musikalischen Stil hin zu massenkompatiblem Poprock ändert. Das Album "Rumours", das 1977 erscheint, wird mit 40 Millionen verkauften Exemplaren zu einem der erfolgreichsten Alben aller Zeiten.

Doch während die Ex-Kollegen als weltweit gefeierte und hofierte Megastars das VIP- und Jet-Set-Leben genießen, ist Peter Green ganz unten angelangt. Er leidet unter Schizophrenie und Halluzinationen und wird immer wieder in Nervenkliniken eingewiesen, wo er mit Elektroschocks behandelt wird.

Ende der Siebziger bessert sich Greens Zustand etwas. Langsam beginnt er wieder mit dem, was er am besten kann und was ihm am meisten Spaß bereitet: Gitarre spielen. Er veröffentlicht regelmäßig Alben und tritt auch wieder live auf. Zudem wird das Kriegsbeil mit den alten Gefährten begraben: 1981 spielt er auf zwei Songs des Mick-Fleetwood-Soloalbums "The Visitor" mit.

Eine Fleetwood-Mac-Reunion in der klassischen Besetzung wird zwar immer mal wieder diskutiert, kommt aber letztendlich nie zustande. Stattdessen gründet er die Peter Green Splinter Group, die von 1997 bis 2006 aktiv ist. Danach wird es wieder ruhiger um ihn.

Doch Peter Green muss auch nicht mehr allzu aktiv sein, um seinen Legendenstatus zu pflegen. Das besorgen seine prominenten Fans schon von alleine: Von B.B. King bis ZZ Top, von Elvis Costello bis Peter Gabriel, von Metallica bis Santana – die Liste der Verehrer ist schier endlos.

Am 25. Juli 2020 stirbt Peter Green im Alter von 73 Jahren. "Mit großer Trauer verkündet die Familie den Tod von Peter Green an diesem Wochenende", heißt es in einem Schreiben, das der Zeitung "Sun" vorliegt. Der Musiker sei friedlich eingeschlafen.

Stand: 08.02.2021, 14:35 Uhr