Fleetwood Mac-Mitgründer Peter Green ist tot

Fleetwood Mac-Mitgründer Peter Green ist tot

Von Ingo Neumayer

Peter Green war der musikalische Kopf in den Anfangsjahren von Fleetwood Mac, bis ihn ein tragischer Drogenabsturz aus der Bahn warf. Am 25. Juli starb der Sänger und Ausnahmegitarrist im Alter von 73 Jahren.

Peter Green

Als in den 1960ern das große Buch der Rockgeschichte geschrieben wird, ist Peter Green an einigen wichtigen Kapiteln beteiligt. Er spielt bei Shotgun Express – einer Londoner Rhythm'n'Blues-Band, bei der ein gewisser Rod Stewart am Mikro steht. Danach geht er als Gitarrist und Teilzeit-Sänger zu John Mayall & The Bluesbreakers, um das Erbe von Eric Clapton anzutreten, der die Band verlassen hatte.

Als in den 1960ern das große Buch der Rockgeschichte geschrieben wird, ist Peter Green an einigen wichtigen Kapiteln beteiligt. Er spielt bei Shotgun Express – einer Londoner Rhythm'n'Blues-Band, bei der ein gewisser Rod Stewart am Mikro steht. Danach geht er als Gitarrist und Teilzeit-Sänger zu John Mayall & The Bluesbreakers, um das Erbe von Eric Clapton anzutreten, der die Band verlassen hatte.

Neben Peter Green (2.v.l.) sind 1966/67 auch Drummer Mick Fleetwood (l.) und Bassist John McVie (r.) Teil der Bluesbreakers. In kurzem Abstand verlassen die drei die Bluesbreakers, um gemeinsam eine eigene Band auf die Beine zu stellen. Als Gitarrist Jeremy Spencer (2.v.r.) dazu stößt, ist die Combo komplett. Ein Name ist schnell gefunden: Peter Green's Fleetwood Mac featuring Jeremy Spencer.

Der Name spiegelt die Verhältnisse gut wider: Denn in den Anfangstagen ist Peter Green tatsächlich die treibende Kraft hinter der Band. Er singt, schreibt einen Großteil der Songs und sorgt mit seinem unverkennbaren Gitarrenspiel für offene Münder unter Bluesrockern. Green gilt als Ausnahmetalent und bester weißer Blues-Gitarrist; von manchen Fans wird er gar als "Gott" tituliert. Das selbstbetitelte Debüt erscheint 1968 und wird direkt ein Erfolg.

Für das zweite Album "Mr. Wonderful" wird der umständliche Bandname verkürzt: Fortan firmiert die Band nur noch unter "Fleetwood Mac". Green ist aber weiter der Taktgeber und Chef. Er schreibt Hits wie das Instrumental "Albatross", "Man Of The World" oder "Black Magic Woman", das 1970 von Carlos Santana gecovert wird.

Außerdem holt Green den erst 18-jährigen Danny Kirwan (l.) als dritten Gitarristen in die Band. Ende der 1960er feiert Fleetwood Mac sowohl in Europa als auch in den USA große Erfolge. Die Band ist ständig unterwegs, eine Tournee folgt auf die nächste. Doch Green scheint den Belastungen nicht gewachsen.

Er wirft immer öfter Drogen ein, trägt Kruzifixe und lange Roben, spendet seine Einnahmen an wohltätige Zwecke und verlangt vom Rest der Band, es ihm gleichzutun. Die Streitereien häufen sich.

1970 landet Green nach einem Konzert in München auf einer Party der Kommunarden Uschi Obermeier und Rainer Langhans. Dort werden reichlich Drogen gereicht - für Green offenbar zu viele. Er bleibt auf einem LSD-Trip hängen, jammt mit den anderen Partygästen und kehrt zunächst nicht zu den anderen Bandmitgliedern zurück. Wenig später verlässt er Fleetwood Mac und beschließt, sein Leben zu ändern.

Es folgen ein paar experimentelle Soloalben, erratische Live-Auftritte und höchst sonderbare Anwandlungen. Schließlich sagt Green dem Musik-Business Bye-Bye. Er verkauft seine berühmte 59er-Les-Paul-Gitarre, die einen ganz charakteristischen Klang besitzt, an einen jungen nordirischen Fan: den späteren Thin-Lizzy-Gitarristen Gary Moore. Green taucht aus der Öffentlichtkeit ab, lebt in einem Kibbuz in Tel Aviv und arbeitet als Friedhofsgärtner.

Ein Schicksal, das an Pink Floyds Syd Barrett erinnert. Denn auch für Fleetwood Mac beginnt die erfolgreichste Zeit ohne den ursprünglichen Kopf der Band. Mitte der 1970er stoßen Gitarrist Lindsey Buckingham und Sängerin Stevie Nicks zu der Band, die ihren musikalischen Stil hin zu massenkompatiblem Poprock ändert. Das Album "Rumours", das 1977 erscheint, wird mit 40 Millionen verkauften Exemplaren zu einem der erfolgreichsten Alben aller Zeiten.

Doch während die Ex-Kollegen als weltweit gefeierte und hofierte Megastars das VIP- und Jet-Set-Leben genießen, ist Peter Green ganz unten angelangt. Er leidet unter Schizophrenie und Halluzinationen und wird immer wieder in Nervenkliniken eingewiesen, wo er mit Elektroschocks behandelt wird.

Ende der Siebziger bessert sich Greens Zustand etwas. Langsam beginnt er wieder mit dem, was er am besten kann und was ihm am meisten Spaß bereitet: Gitarre spielen. Er veröffentlicht regelmäßig Alben und tritt auch wieder live auf. Zudem wird das Kriegsbeil mit den alten Gefährten begraben: 1981 spielt er auf zwei Songs des Mick-Fleetwood-Soloalbums "The Visitor" mit.

Eine Fleetwood-Mac-Reunion in der klassischen Besetzung wird zwar immer mal wieder diskutiert, kommt aber letztendlich nie zustande. Stattdessen gründet er die Peter Green Splinter Group, die von 1997 bis 2006 aktiv ist. Danach wird es wieder ruhiger um ihn.

Doch Peter Green muss auch nicht mehr allzu aktiv sein, um seinen Legendenstatus zu pflegen. Das besorgen seine prominenten Fans schon von alleine: Von B.B. King bis ZZ Top, von Elvis Costello bis Peter Gabriel, von Metallica bis Santana – die Liste der Verehrer ist schier endlos.

Am 25. Juli 2020 stirbt Peter Green im Alter von 73 Jahren. "Mit großer Trauer verkündet die Familie den Tod von Peter Green an diesem Wochenende", heißt es in einem Schreiben, das der Zeitung "Sun" vorliegt. Der Musiker sei friedlich eingeschlafen.

Stand: 25.07.2020, 12:44 Uhr