Micky Dolenz: Ein "Monkee" wird 75

Micky Dolenz: Ein "Monkee" wird 75

Von Ingo Neumayer

Ausgedacht von cleveren Produzenten, vermarktet mit allen Mitteln: Die Monkees waren das erste weltweit erfolgreiche Pop-Kunstprodukt. Am 8. März 2020 wird ihr Sänger und Drummer Micky Dolenz 75.

Davy Jones , Mike Nesmith , Peter Tork , Micky Dolenz

"Madness! Auditions!" Mit einer Anzeige im September 1965 im "Hollywood Reporter" fing alles an. Gesucht wurden "vier verrückte Jungs" zwischen 17 und 21, am besten "Folk&Roll"-Musiker und Sänger, die sich schauspielerisch in einer neuen TV-Serie beweisen wollten. 437 Bewerbungen gingen bei den Produzenten ein. Am Ende blieben Micky Dolenz (2.v.l.), Davy Jones, Peter Tork und Michael Nesmith übrig: The Monkees.

"Madness! Auditions!" Mit einer Anzeige im September 1965 im "Hollywood Reporter" fing alles an. Gesucht wurden "vier verrückte Jungs" zwischen 17 und 21, am besten "Folk&Roll"-Musiker und Sänger, die sich schauspielerisch in einer neuen TV-Serie beweisen wollten. 437 Bewerbungen gingen bei den Produzenten ein. Am Ende blieben Micky Dolenz (2.v.l.), Davy Jones, Peter Tork und Michael Nesmith übrig: The Monkees.

Ausgedacht haben sich die Monkees die Filmproduzenten Bob Rafelson und Bert Schneider. Die ersten Ideen hatte Rafelson bereits 1962. Doch erst durch den Erfolg des Beatles-Films "A Hard Day's Night" kam 1965 Schwung in die Sache. Beatmusik und Jugendkultur waren in der Zeit das große Thema, und so gab der Sender NBC die Serie in Auftrag.

Am 12. September 1966 lief dann die erste Folge – gesponsert von einer Frühstücksflockenfirma. Die Geschichte der Episoden ist schnell erzählt. Eine junge, aufstrebende Band versucht, im aufregenden Rock'n'Roll-Zirkus Fuß zu fassen und muss dabei diverse Abenteuer bestehen. Mal gilt es, eine Prinzessin zu befreien, mal bekommt Davy ein Pferd geschenkt, das er vor seinem Vermieter verstecken muss, mal versucht ein verrückter Professor, ihr musikalisches Talent einem Monster einzupflanzen.

Die Monkees in der Serie waren dabei in ihren Charakterzeichnungen stark an die Beatles angelehnt.

Davy Jones gab den schönen Sunnyboy Paul ...

Mike Nesmith den melancholisch-ernsten George ...

Peter Tork den Witzbold Ringo ...

und Micky Dolenz versuchte sich als durchgedreht-genialer John.

Allerdings wurde auf die Comedy-Elemente noch mehr Wert gelegt als bei den Vorbildern. Im Grunde waren die Monkees vier leicht trottelige Jungs von nebenan, denen immer wieder alberne Missgeschicke passierten.

Trotz des leichten Inhalts geriet die Umsetzung der Sitcom filmisch erstaunlich innovativ. Die Serienmacher zeigten sich von der europäischen Kino-Avantgarde beeinflusst und setzten neue Schnitttechniken, Improvisationen und nur lose Erzählstrukturen ein.

In jeder Folge gab es einen musikalischen "Kurzfilm", der meist wenig mit dem Rest der Story zu tun hatte – ein früher Vorläufer der Musikvideos, mit denen sich Bands Jahrzehnte später inszenierten.

Die Fernsehserie war sofort ein riesiger Erfolg und bescherte den Monkees tatsächlich eine "richtige" musikalische Karriere. Songs wie "I'm A Believer", "Last Train To Clarksville" oder "Daydream Believer" wurden Welthits. 1967, in ihrem erfolgreichsten Jahr, verkauften die Monkees mehr Platten als die Beatles und die Stones zusammen.

Doch die Zeit an der Spitze währte nur kurz. Schnell störten sich immer mehr Fans an der fehlenden Glaubwürdigkeit der Band. Und auch die Mitglieder selbst hatten ihr fremdbestimmtes Dasein satt und pochten auf mehr Mitspracherecht bei den Kompositionen und Aufnahmen.

Ende der 60er war dann Schluss mit lustig: Die TV-Show war nach 58 Folgen eingestellt worden und auch die Band löste sich nach internen Querelen auf.

Das "Monkees-Prinzip" blieb aber fest verankert in der Pop-Welt: Ein findiger Manager oder Produzent, der eine Band nicht nach musikalischen, sondern nach Image-Gesichtspunkten zusammen stellt und ihnen Songs auf den Leib schreiben lässt. Das gab es bei den New Kids On The Block, bei Take That und bei den Backstreet Boys – um nur die bekanntesten Boybands zu nennen.

Der Ruf der Monkees hat sich im Laufe der Jahrzehnte gebessert. Für ihr Comeback-Album "Good Times", das 2016 erschien, griffen ihnen diverse heutige Pop-Größen unter die Arme. Selbst der frühere Oasis-Chef Noel Gallagher tat sich mit Britpop-Legende Paul Weller (The Jam, Style Council) für einen Song zusammen.

Micky Dolenz ist dem Showbusiness über die Jahrzehnte treu geblieben: Er war als Komponist, Schauspieler und Synchronsprecher tätig, führte Regie bei TV- und Theaterproduktionen. Und auch bei den diversen Wiedervereinigungen und Revivals, die die Monkees im Laufe der Jahre erlebten, war er stets mit von der Partie. Am 8. März 2020 feiert er seinen 75. Geburtstag. Wir gratulieren!

Stand: 08.03.2020, 15:58 Uhr