Fleetwood Mac: Der Drummer als Chef

Fleetwood Mac: Der Drummer als Chef

Von Ingo Neumayer

Mick Fleetwood hat so einiges ausprobiert: Bluesrock und Hochglanzpop, Drogen und Partnertausch, Kaschemmen und Arenen. Doch der Erfolg blieb ihm und seiner Band Fleetwood Mac treu.

Mick Fleetwood

Als Drummer hat man normalerweise ein hartes Los: Die Kollegen vorne am Bühnenrand kriegen Applaus, Ruhm und manchmal sogar BHs ab, während man selbst körperlich hart arbeiten muss, dabei aber kaum sichtbar hinter dem Schlagzeug versteckt ist. Schlagzeuger werden selten zu Stars, und noch seltener wird die Band nach ihnen benannt. Er aber ist die Ausnahme: Mick Fleetwood.

Als Drummer hat man normalerweise ein hartes Los: Die Kollegen vorne am Bühnenrand kriegen Applaus, Ruhm und manchmal sogar BHs ab, während man selbst körperlich hart arbeiten muss, dabei aber kaum sichtbar hinter dem Schlagzeug versteckt ist. Schlagzeuger werden selten zu Stars, und noch seltener wird die Band nach ihnen benannt. Er aber ist die Ausnahme: Mick Fleetwood.

Fleetwoods Vater ist Pilot bei der britischen Air Force, und so wächst der kleine Mick zum Großteil in Ägypten und Norwegen auf. Seine Teenagerzeit verbringt er mit Fechten, Theater – und am Schlagzeug. Mit 15 zieht er nach London, mit 17 steigt bei der Beat-Band The Cheynes ein, die es sogar bis ins Vorprogramm der Rolling Stones schafft. Doch die Cheynes sind schnell am Ende und Fleetwood tingelt weiter. Mit Rod Stewart spielt er bei Shotgun Express, dann zieht er weiter zu John Mayall, einer der wichtigsten Figuren der britischen Bluesszene.

Dort lernt Fleetwood (li.) den Gitarristen Peter Green (2.v.li.) und den Bassisten John McVie (re.), genannt Mac, kennen. Die drei verlassen die Bluesbreakers, um eine eigene Band zu gründen. Mit Gitarrist Jeremy Spencer (2.v.re.) ist das Line-Up komplett. Am 13. August 1967 tritt die Band das erste Mal zusammen auf. Einen richtigen Bandnamen hat man nicht, also werden die vier Namen der Mitglieder kombiniert: Peter Green's Fleetwood Mac featuring Jeremy Spencer.

Mit Songs wie "Albatross", "Man Of The World" oder "Black Magic Woman", das 1970 auch höchst erfolgreich von Carlos Santana gecovert wird, gelingt der Band der Durchbruch. Ende der Sechziger sind sie eine der angesagtesten britischen Bluesrockbands. Mit Danny Kirwan (2.v.li.) stößt ein dritter Gitarrist zur Band. Als Bandname hat sich zu diesem Zeitpunkt schon längst das weniger sperrige Fleetwood Mac durchgesetzt.

Doch Fleetwood Mac wird schnell aus der Erfolgsspur geschleudert: 1970 steigt Peter Green aus, nachdem er in einer Münchener Kommune zu viele Drogen mit Uschi Obermeier genommen hat. Ein Jahr später verschwindet Jeremy Spencer mitten während einer Tournee und schließt sich der Sekte "Kinder Gottes" an.

In den 70ern geht es zunächst äußerst turbulent zu bei Fleetwood Mac. Mitglieder kommen und gehen, und auch über die musikalische Richtung scheint man sich nicht einig: Mehr Rock? Mehr Blues? Mehr Pop? Zumindest der Testosteron-Anteil in der Band wird gesenkt, nachdem John McVies Frau Christine (2.v.re.) als Keyboarderin und Sängerin einsteigt. Mick Fleetwood (Mi.) wird derweil immer mehr zum Manager und Entscheider.

Mitte der Siebziger orientiert sich Fleetwood Mac in Richtung Amerika und versucht, den dort bevorzugten Hörgewohnheiten zu entsprechen. Dazu passt, dass zwei Amerikaner in die Band einsteigen: Lindsey Buckingham (re.) und Stevie Nicks (Mi.), die beide sowohl musikalisch als auch privat ein Paar bilden. Der Sound wird daraufhin massentauglicher, statt emotionaler Bluesrocknummern versucht man sich an gefälligem, auf Hochglanz poliertem Radiorock.

1977 geht Fleetwood Mac dann richtig durch die Decke: Das Album "Rumours" erscheint und wird mit 40 Millionen verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten der Rock- und Popgeschichte. Doch innerhalb der Band knirscht es gewaltig: Christine und John McVie lassen sich scheiden, Buckingham und Nicks trennen sich ebenfalls, worauf Stevie Nicks eine Romanze mit Mick Fleetwood beginnt.

Trotz aller Streitereien und Animositäten bleibt die Band zusammen: Ausverkaufte Tourneen, Platinplatten, Preise und Auszeichnungen versüßen Fleetwood Mac das Dasein als Zweckgemeinschaft.

Dazu kommen noch weitere Faktoren, die die Band bei Laune halten: Drogen, Tabletten und Alkohol. Offenbar sind es nämlich nicht nur die wilden Rockbands wie Kiss, The Who oder Led Zeppelin, die in den 70ern zu illegalen Substanzen greifen. Sondern auch die eher harmlosen und familienfreundlich klingenden Poprocker von Fleetwood Mac.

Besonders Stevie Nicks und Mick Fleetwood genießen den Erfolg in vollen Zügen und Nasen. In seiner 2013 erschienenen Autobiografie "Play On" rechnet Fleetwood vor, wie lange die Gesamtstrecke an Koks-Lines war, die er sich in seiner Karriere reingezogen hat: elf Kilometer.

Auch wenn dieses Bild etwas anderes suggeriert: In den 80ern sitzt Fleetwood keineswegs nur untätig am Meer herum.

Er entwickelt ein ausgeprägtes Interesse für den Weinanbau, versucht sich als Schauspieler und veröffentlicht mehrere Soloalben. Bei Fleetwood Mac scheint dagegen langsam die Luft raus: 1987 gelingt mit dem Album "Tango In The Night" und Hits wie "Little Lies" oder "Big Love" noch ein großer Wurf, danach zerbröckelt die Band. Erst steigt Buckingham aus, später Nicks.

Doch so richtig voneinander lassen können sie auch nicht. Und so kann man sich bei Fleetwood Mac vor allem auf eines verlassen: Auf jede Trennung und jeden Ausstieg folgt auch eine Wiedervereinigung.

2014 steigt dann auch Christine McVie nach langen Jahren mal wieder ein. Es soll sogar ein neues Album in Arbeit sein. Es wäre das erste seit 2003.

Doch das Album lässt auf sich warten. Dafür gibt es mal wieder Stress innerhalb der Band. 2018 steigt Lindsey Buckingham aus. Die große "Farewell"-Tournee, die im November 2019 endet, steigt ohne ihn. Ob jetzt wirklich Schluss ist oder ob sich die Band vielleicht doch wieder zusammenreißt? Das weiß wahrscheinlich nicht mal Fleetwood selbst ...

Stand: 08.02.2021, 15:11 Uhr