Small Faces, Beatles, Bowie: Wenn ein Konzept zum Album wird

Small Faces, Beatles, Bowie: Wenn ein Konzept zum Album wird

Von Ingo Neumayer

Wer hat das Konzeptalbum erfunden? Manche sagen: die Beatles. Andere sind für Zappa. Oder waren es doch die Small Faces? Fakt ist: Deren Album "Ogden's Nut Gone Flake", das vor 50 Jahren erschien, war in vielerlei Hinsicht stilbildend.

Small Faces

Als die ersten LPs auf den Markt kommen, sind diese nur eine reine Zweitverwertung, auf der man seine Singles plus diverses Füllmaterial veröffentlicht. Das ändert sich ab Mitte der Sechziger und gipfelt im Prinzip des "Konzeptalbums": Mehrere, manchmal sogar alle Songs widmen sich einem einzigen Thema; es werden musikalische Geschichten erzählt; Texte, Musik und Verpackung bilden eine inhaltlich-thematische Einheit. Dieses Prinzip befolgen auch die Small Faces mit "Ogden's Nut Gone Flake", das vor 50 Jahren erscheint.

Als die ersten LPs auf den Markt kommen, sind diese nur eine reine Zweitverwertung, auf der man seine Singles plus diverses Füllmaterial veröffentlicht. Das ändert sich ab Mitte der Sechziger und gipfelt im Prinzip des "Konzeptalbums": Mehrere, manchmal sogar alle Songs widmen sich einem einzigen Thema; es werden musikalische Geschichten erzählt; Texte, Musik und Verpackung bilden eine inhaltlich-thematische Einheit. Dieses Prinzip befolgen auch die Small Faces mit "Ogden's Nut Gone Flake", das vor 50 Jahren erscheint.

Das Album enthält zwar mit "Lazy Sunday" einen der größten Hits der Band, ansonsten ist das Ganze aber eher gewöhnungsbedürftig: Die komplette B-Seite handelt von einem seltsamen Zeitgenossen namens "Happiness Stan", der sich auf die Suche nach der verschwundenen Hälfte des Mondes macht. Mit Drogen-Anspielungen, Alltagsgeräuschen und ungewöhnlichen Soundeffekten wird das ambitionierte Album schnell zur Blaupause für Bands, denen die herkömmlichen drei Minuten nicht mehr reichen, um eine Geschichte zu erzählen. Das Zeitalter der Konzeptalben hat begonnen.

Die Small Faces sind zwar vorne mit dabei, aber nicht die ersten. Als erstes Konzeotalbum der Rockgeschichte gilt "Freak Out!", das Debüt von Frank Zappa und seinen Mothers Of Invention, das im Juni 1966 erscheint. Das Album beschäftigt sich thematisch mit Amerika und dem Zustand der Rockmusik und betrachtet diese mit einem zynisch-distanzierten Blick. Dieser ist wohl nicht zuletzt auf die diversen psychedelischen Substanzen zurückzuführen, die Zappa und seine Gefährten bei den Aufnahmen zu sich nehmen.

Ist das nun ein Konzeptalbum oder nicht? Als gutes Indiz gilt meist der Albumtitel: Je länger dieser ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit. Zumindest bei den Kinks trifft diese Regel zu. "The Kinks Are The Village Green Preservation Society" erscheint im Juni 1968 und ist eine Hommage von Sänger Ray Davies, die die Vorzüge des Landlebens preist.

1969 sind die Bee Gees in einer Findungsphase. Die ersten Hits haben die Band bekannt gemacht, doch dann verstärken sich die Spannungen in der Band. Und auch der Versuch, mit dem Konzeptalbum "Odessa" neue, progressiv gesinnte Fans für sich zu gewinnen, schlägt fehl. Das Album, das sich mit der Geschichte von Einwanderern in den USA beschäftigt, wird ein Flop. Wenig später löst sich die Band auf – wenn auch nur für kurze Zeit.

Ein Konzeptalbum? Pah! Was die Beatles und die Kinks können, haben natürlich auch The Who drauf. Deren Doppelalbum "Tommy", das 1969 erscheint, wird zum Inbegriff der "Rockoper". Die Geschichte um den "Pinball Wizard" Tommy Walker ist ein monumentales Spektakel und ebnet der einstigen Beat-Band den Weg in ihre Arena-Rock-Phase der 1970er. 1975 erscheint sogar ein "Tommy"-Kinofilm, bei dem unter anderem Tina Turner, Jack Nicholson und Elton John mitspielen.

Ist das noch David Bowie? Oder schon Ziggy Stardust? Mit dem Album "The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars" treibt der exzentrische Sänger das Spiel mit der fiktiven Band-Identität, das die Beatles mit "Sgt. Pepper" begonnen haben, auf die Spitze. Auch abseits der Bühne bleibt Bowie in seiner Rolle und inszeniert sich als außerirdischer Rockgott.

Die 70er Jahre sind dann die Blütezeit der Konzeptalben: Ob Genesis mit "The Lamb Lies Down On Broadway" ...

Alan Parsons Project mit "I Robot" ...

oder natürlich Pink Floyd mit "The Wall": Highlights gibt es viele.

Der Titelsong ist einer der bekanntesten Rocksongs der Siebziger. Aber wussten Sie auch, dass "Hotel California" von den Eagles ein Konzeptalbum ist, das sich mit dem Verlust der Unschuld, dem Ende der Sixties und der Kehrseite des "American Dream" beschäftigt?

Der Trend zum Konzept treibt zum Teil seltsame Blüten: So veröffentlicht Serge Gainsbourg 1975 das Album "Rock Around The Bunker", in dem er seine Erfahrungen im von den Nazis besetzten Frankreich verarbeitet – und das im Musical-Stil.

In den 80ern ebbt die Welle der Konzeptalben dann merklich ab. Ausnahmen wie Marillions "Misplaced Childhood" gibt es zwar weiterhin, doch ansonsten dominieren fortan eher eingängige, hochwertig produzierte Popsongs.

Stand: 29.05.2018, 09:52 Uhr