Beatles-Intimus Klaus Voormann wird 80

Beatles-Intimus Klaus Voormann wird 80

Von Ingo Neumayer

Er gestaltete das "Revolver"-Cover der Beatles, spielte Bass auf Lou Reeds "Perfect Day" und machte Trio zu Stars der Neuen Deutschen Welle: Klaus Voormann. Am 29. April 2018 wird er 80 Jahre alt.

Klaus Voormann

Klaus Voormann studiert Anfang der 60er in Hamburg Grafik. Seine zweite große Liebe gilt der Musik, und hier vor allem den gerade aufkommenden Beatbands. Also treibt er sich gerne im Kaiserkeller auf der Reeperbahn herum und lernt dort ein paar wilde Jungs aus Liverpool kennen, die in dem Laden regelmäßig spielen: die Beatles.

Klaus Voormann studiert Anfang der 60er in Hamburg Grafik. Seine zweite große Liebe gilt der Musik, und hier vor allem den gerade aufkommenden Beatbands. Also treibt er sich gerne im Kaiserkeller auf der Reeperbahn herum und lernt dort ein paar wilde Jungs aus Liverpool kennen, die in dem Laden regelmäßig spielen: die Beatles.

Die starten kurz darauf ihre beispiellose Karriere und drehen in den folgenden Jahren mal eben die Welt der Popkultur auf links. Doch die alten Freunde werden nicht vergessen: Als 1966 ein Cover für das siebte Album gemacht werden muss, ruft John Lennon kurzerhand den alten Bandkumpel Voormann an – ob er nicht eine Idee hätte. Voormann hat – und entwirft und gestaltet "Revolver". Album und auch das Cover werden schnell legendär, Voormanns Arbeit ist später sogar auf Briefmarken zu bewundern.

Später veröffentlicht Voormann einen Comic, in dem er seine Arbeit an dem Album schildert. Für die Gestaltung erhält er übrigens gerade mal 50 Pfund. Aber immerhin auch einen Grammy für das "beste Albumcover".

Durch den Erfolg mit "Revolver" ist Voormann als Grafiker für Plattencover heiß begehrt. So engagieren ihn in den folgenden Jahren und Jahrzehnten unter anderem die Bee Gees, Spooky Tooth, Harry Nilsson, Marius Müller-Westernhagen, Heinz Rudolf Kunze, Van Dyke Parks oder Turbonegro.

Durch die Beatles hat Voormann natürlich beste Kontakte zu den damals angesagten Bands. Und da er gut Bass spielen kann, kommen auch die ersten Angebote. Anfragen der Hollies und von The Moody Blues lehnt er ab, aber bei Manfred Mann kann er nicht Nein sagen. 1966 steigt er dort ein (Foto ganz links) und ist drei Jahre lang für Bass und und Flöte zuständig – unter anderem zu hören beim Superhit "The Mighty Quinn".

Auch das Ende der Beatles erlebt Voormann aus nächster Nähe. Als einer der wenigen hält er zu allen Mitgliedern Kontakt und ergreift keine Partei, als deren Egos kollidieren und reichlich schmutzige Wäsche gewaschen wird. Er ist Teil der ersten Besetzung der Plastic Ono Band, entwirft Plattencover für Ringo und steht mit Eric Clapton, Bob Dylan, Billy Preston und anderen Hochkarätern beim legendären "Concert for Bangladesh" auf der Bühne, das von George Harrisson organisiert wird.

Normalerweise hält sich Voormann in dieser Zeit aber eher im Hintergrund. Er zieht nach Los Angeles und verdingt sich als Sessionmusiker. Zu hören ist er damals ständig: So spielt er Bass bei "You're So Vain" von Carly Simon, "Imagine" von John Lennon, und auch den Lou Reed-Hits "Perfect Day" und "Satellite Of Love" verleiht er mit seinem Instrument Rhythmus und Tiefe. Genauso wie Songs von B.B. King, Randy Newman, Donovan, Art Garfunkel, Peter Frampton, Dion, Keith Moon oder James Taylor. Auch einen Ausflug vor die Kamera wagt er: 1979 hat Voormann im "Popeye"-Film von Robert Altman einen kurzen Gastauftritt.

Anfang der 80er kehrt Voormann nach Deutschland zurück. Er versucht sich als Produzent – und hat auch in diesem Bereich direkt großen Erfolg. In einem umgebauten Stall in Husum nimmt er das Debütalbum einer seltsamen norddeutschen Band namens Trio auf. Später überzeugt er die Mitglieder, den Song "Da da da" zur Single zu machen. Und es kommt, wie es kommen muss: Stephan Remmler, Peter Behrens und Kralle Krawinkel werden Superstars und zum Aushängeschild der damals beginnenden Neuen Deutschen Welle.

Wer so ein bewegtes Leben hat, kann viel erzählen. Kein Wunder, dass Voormann 2003 eine Art Autobiografie veröffentlicht. In dem Buch "Warum spielst du 'Imagine' nicht auf dem weißen Klavier, John?" schreibt er seine Erinnerungen an die Beatles und viele andere Musiker auf, die er im Laufe der Jahre kennengelernt hat.

Nach fast 50 Jahren im Musikgeschäft ist es 2009 soweit: Das erste eigene Album von Klaus Voormann erscheint. Es heißt "A Sideman's Journey" und charakterisiert ihn und seinen Weg ganz gut. Denn statt vorne im Rampenlicht zu stehen, war und ist Voormann lieber der, der die Unterstützung aus dem Hintergrund gibt. Auf der Platte sind viele seiner alten Freunde zu hören: Paul McCartney, Ringo Starr, Dr. John, Eagles-Gitarrist Joe Walsh oder Cat Stevens aka Yusuf Islam.

Voormann kann machen, was er will: Am Ende kommt man bei ihm doch immer wieder auf die Beatles zurück. Das gilt für Thomas Gottschalk ...

... genauso wie für den "Spiegel", der ihn 2010 anheuert, um ein Cover für das Magazin zu gestalten.

Auch VW erweist Voormanns "Revolver"-Gestaltung die Ehre mit einem limitierten Modell. Natürlich gibt es das ikonografische Design nicht auf einem Passat oder Golf. Sondern auf einem "Beetle".

Kurz vor seinem 80. Geburtstag am Sonntag (29.04.2018) erhält Voormann den Musikpreis "Echo" für sein Lebenswerk. Die Laudatio hält Wolfgang Niedecken, was Voormann sichtlich freut. Doch die Freude währt nur kurz: Wenig später gibt Voormann seinen "Echo" zurück, um gegen die antisemitischen Äußerungen der Rapper Kollegah und Farid Bang zu protestieren, die an dem Abend ebenfalls ausgezeichnet werden. Bedeutende Preise und Auszeichnungen hat er schließlich genug. In diesem Sinne: Happy Birthday!

Stand: 29.04.2018, 00:01 Uhr