13. Januar 1968: Johnny Cash singt im Knast

13. Januar 1968: Johnny Cash singt im Knast

Von Ingo Neumayer

Begeisterte Gefangene. Musiker, die alles geben. Und ein Knast, der seitdem weltweit bekannt ist: Am 13. Januar 1968 trat Johnny Cash im Folsom-Gefängnis auf – und rettete damit seine Karriere.

Johnny Cash 1969

Ende der 60er steht es nicht gut um Johnny Cashs Karriere. Seine großen Hits wie "I Walk The Line" oder "Ring Of Fire" sind lange her. Er hat eine unschöne Scheidung hinter sich, leidet an Depressionen, nimmt zu viele Pillen und Drinks zu sich. Dann hat er eine Idee für ein Comeback: ein Live-Album, aufgenommen in einem Knast!

Ende der 60er steht es nicht gut um Johnny Cashs Karriere. Seine großen Hits wie "I Walk The Line" oder "Ring Of Fire" sind lange her. Er hat eine unschöne Scheidung hinter sich, leidet an Depressionen, nimmt zu viele Pillen und Drinks zu sich. Dann hat er eine Idee für ein Comeback: ein Live-Album, aufgenommen in einem Knast!

Schon seit Ende der 50er tritt Johnny Cash immer mal wieder in Gefängnissen auf. Seine bodenständige Art und sein Humor kommen dort gut an.

Die Plattenfirma ist begeistert von der Idee, also machen sich Cash und sein Tross auf nach Sacramento zum dortigen Folsom Gefängnis. Bei den Proben für den Auftritt am 13. Januar 1968 schaut auch der damalige Gouverneur von Kalifornien vorbei, Ronald Reagan.

Cash braucht nicht lange, um das Publikum, das zum Großteil aus Schwerverbrechern besteht, auf seine Seite zu ziehen. Er meckert über die Qualität des Wassers, das ihm auf die Bühne gebracht wird, benutzt "unangebrachte Wörter" wie "shit", singt Lieder über Drogen, Verbrechen und über arme Teufel, die auf ihre Hinrichtung warten ("25 Minutes To Go").

Auch seine Frau June Carter Cash traut sich auf die Bühne in den Speisesaal des Hochsicherheitsgefängnisses. Die fulminante Duett-Version von "Jackson" ist ein Highlight der Platte.

Genauso wie der "Folsom Prison Blues", in dem Cash die Zeile "I shot a man in Reno / Just to watch him die" ("Ich erschoss einen Mann in Reno / Einfach nur, um ihn sterben zu sehen") singt, die ihm einiges an Ärger, aber auch Ansehen einbringt. Radiosender und TV-Stationen zensieren die Nummer, während sie bei seinem Publikum seinen Status als "Outlaw" festigt.

"At Folsom Prison" erscheint im Mai 1968, und die Platte mit dem schweißtropfenden Cash auf dem Cover wird weltweit ein Erfolg. Cash ist wieder obenauf. Er verkauft Millionen von Platten, geht auf ausgedehnte Tourneen, bekommt sogar eine eigene TV-Show.

Cash ist fortan der "Man in Black": ein Country-Rebell, der den Außenseiter und Entrechteten eine Stimme gibt. Und das nicht nur in seinen Liedern. Cash engagiert sich sozialpolitisch, setzt sich für bessere Haftbedingungen und wirksamere Wiedereingliederungsmaßnahmen von Ex-Sträflingen ein.

Der Auftritt in Folsom sollte nicht sein letzter in einem Gefängnis sein. 1969 tritt Cash in San Quentin auf, 1972 im schwedischen Österaker, 1976 im Staatsgefängnis von Tennessee. Und das sind nur die, die auf Platte und DVD dokumentiert wurden.

Übrigens: Entgegen vieler anderslautender Gerüchte saß Johnny Cash niemals im Knast. Einmal wird er festgenommen, weil er betrunken Blumen auf einem Privatgelände pflückt. Ein anderes Mal entdecken Zöllner Aufputschmittel in seinem Gitarrenkoffer. Doch Cash kommt jedesmal nach kurzer Zeit wieder frei.

Mitte der 90er erschließt sich Cash mit den "American Recordings" ein ganz neues Publikum. Auf einmal finden auch junge Alternative-Rock-Fans Gefallen an ihm. Das liegt zum einen daran, dass er jetzt Lieder von Bands wie Depeche Mode, U2 oder Soundgarden spielt. Aber auch an seiner Aura als cooler, mysteriöser "Man in Black". Und den Grundstein dafür legte er vor 50 Jahren – im Gefängnis von Folsom.

Stand: 10.01.2018, 11:58 Uhr