Unvergessener Man in Black: Johnny Cash

Unvergessener Man in Black: Johnny Cash

Von Ingo Neumayer

"Wenn Johnny Cash im Radio läuft, wechselt niemand den Sender": Diese Weisheit von Tom Waits gilt auch noch 15 Jahre nach Cashs Tod.

Johnny Cash

Eine Kindheit und Jugend in Armut, als beruflicher Ausweg der Gang zum Militär: Johnny Cashs früher Lebensweg gleicht dem vieler junger Männer seiner Generation. Besonders an ihm ist allerdings seine Leidenschaft für die Musik. Stationiert im bayerischen Landsberg, unterhält er seine Kameraden gerne, indem er sich die Gitarre schnappt und ihnen Lieder vorsingt.

Eine Kindheit und Jugend in Armut, als beruflicher Ausweg der Gang zum Militär: Johnny Cashs früher Lebensweg gleicht dem vieler junger Männer seiner Generation. Besonders an ihm ist allerdings seine Leidenschaft für die Musik. Stationiert im bayerischen Landsberg, unterhält er seine Kameraden gerne, indem er sich die Gitarre schnappt und ihnen Lieder vorsingt.

Nach seiner Entlassung aus dem Dienst zieht Cash nach Memphis und ergattert einen Plattenvertrag bei "Sun Records". Dort lernt er einen gewissen Elvis Presley kennen, der Cash in seinem Vorprogramm auftreten lässt. Es geht steil bergauf für die beiden: Elvis wird der King of Rock'n'Roll, Cash der King of Country.

Mit seinem tiefen Bariton, dem typischen Boom-Chicka-Boom-Rhythmus und Hits wie "I Walk The Line", "Ring Of Fire" oder "Don't Take Your Guns To Town" wird Cash Anfang der 60er zum Country-Superstar. Doch er zahlt einen hohen Preis für seinen Erfolg: Seine Ehe scheitert, er wird süchtig nach Aufputschmitteln, die vielen Tourneen machen ihn launisch und depressiv.

Am Ende ist es die Liebe, die ihn rettet. Anfangs ist die Beziehung zu Sängerin June Carter nur platonisch, doch nach und nach entwickelt sich mehr. 1968 heiraten die beiden.

Und auch künstlerisch geht es Ende der 60er wieder bergauf: Cash überzeugt seine Plattenfirma, ihn ein Album in einem Gefängnis aufnehmen zu lassen. Das Ergebnis heißt "At Folsom Prison" und gilt bis heute als eine der besten Liveplatten aller Zeiten.

Während viele andere Countrysänger nur von Trucks und Mädchen singen, bezieht Cash immer wieder Position. Er setzt sich für die Rechte der Indianer ein, beklagt soziale Ungerechtigkeiten und spricht sich gegen den Vietnamkrieg aus. Dafür erntet er den Respekt der jüngeren Generation: So singt er zusammen mit Bob Dylan auf dessen Album "Nashville Skyline".

Goldene Schallplatten, ausverkaufte Konzerte: Anfang der 70er ist Johnny Cash einer der größten Stars der amerikanischen Musik. Er bekommt sogar eine eigene TV-Sendung, die "Johnny Cash Show". Hier präsentiert er Musiker wie Neil Young, Joni Mitchell, Stevie Wonder oder Kris Kristofferson und legt so den Grundstein für die eine oder andere Karriere.

Auch als Schauspieler ist Cash gefragt. Er spielt den Bösewicht in einer "Columbo"-Folge und bekämpft sich in "Gunfight - Rivalen des Todes" mit Kirk Douglas.

Warum er immer schwarz trägt? Das erklärt Cash im Song "Man In Black". Das Schwarz steht bei ihm für die Armen und die Alten, für die Kranken und die Glücklosen, für die, die ihren Glauben oder ihr Leben verloren haben. So lange sich der Zustand der Welt nicht bessere, werde er weiter schwarz tragen.

In den späten 70ern und 80ern geht es mit Cashs Karriere bergab. Er bildet mit Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristofferson zwar die Country-Supergroup "Highwaymen", aber ansonsten ist sein musikalisches Schaffen dünn: unpassende Songs, poppige Produktionen. Dazu kommt ein Rückfall in die Sucht, nachdem ihn in seinem Privatzoo ein Strauß anfällt und schwer verletzt.

1994 nimmt der Produzent Rick Rubin Cash unter Vertrag. Rubin, der bislang mit Bands wie Beastie Boys, Red Hot Chili Peppers und Slayer gearbeitet hatte, erkennt sofort, was Cash braucht: eine Gitarre, ein Mikro, gute Songs – mehr nicht. Mit den "American Recordings" läutet er die dritte Hochphase in Cashs Karriere ein.

Cash covert Songs von U2, Nick Cave, Depeche Mode oder Nine Inch Nails und erschließt sich eine ganz neue Zielgruppe. Auf einmal ist er auch bei jungen Musikfans, die auf Alternative Rock stehen und MTV gucken, angesagt.

Ende der 90er geht es Cash gesundheitlich immer schlechter. Seine einstmals so volle Stimme klingt zunehmend brüchig und verletztlich. Als im Mai 2003 seine Frau June stirbt, verliert Cash seinen Herzensmenschen. Keine vier Monate später, am 12. September 2003, stirbt auch er.

Auch 15 Jahre nach seinem Tod bleibt Cash unvergessen, dazu tragen seine unsterblichen Songs und seine einzigartige Stimme bei. Aber auch der Hollywood-Film "Walk The Line", in dem Joaquin Phoenix als Cash und Reese Witherspoon als June Carter brillieren.

Stand: 10.09.2018, 12:29 Uhr