Mehr als eine Plattenfirma: Die Teldec-Story

Mehr als eine Plattenfirma: Die Teldec-Story

Von Antonia Kasparek

Die Geschichte der Schallplattenfirma Teldec ist nicht nur Musik-, sondern auch ein spannendes Stück Kulturgeschichte. Mit ihrer Entstehung wurde der bundesdeutsche Musikmarkt im großen Stil für englische und amerikanische Importe geöffnet.

Bill Haley und Elvis Presley backstage in Wiesbaden (23.10.1958)

Das Label Telefunken gab es bereits seit den 30er Jahren. Es blieb auch nach 1945 dem deutschen Schlager, der Volksmusik und der Klassik vorbehalten. 1950 schloss sich die deutsche Telefunken-Platte mit der englischen Decca in Hamburg zu der gemeinsamen Plattenfirma Teldec zusammen. Dieses Dach wurde nun für alle Musiksparten genutzt: Klassik, Schlager, Volksmusik, Rock'n'Roll, Pop, Beat. Die Fusion führte auch dazu, dass der frühe Rock'n'Roll von Bill Haley, Carl Perkins und vor allem von Elvis Presley auch hierzulande erhältlich war.

Das Label Telefunken gab es bereits seit den 30er Jahren. Es blieb auch nach 1945 dem deutschen Schlager, der Volksmusik und der Klassik vorbehalten. 1950 schloss sich die deutsche Telefunken-Platte mit der englischen Decca in Hamburg zu der gemeinsamen Plattenfirma Teldec zusammen. Dieses Dach wurde nun für alle Musiksparten genutzt: Klassik, Schlager, Volksmusik, Rock'n'Roll, Pop, Beat. Die Fusion führte auch dazu, dass der frühe Rock'n'Roll von Bill Haley, Carl Perkins und vor allem von Elvis Presley auch hierzulande erhältlich war.

Zunächst auf Schellackplatten, dann schon bald auf LPs und Singles bekamen die durch den Nationalsozialismus von westlicher Popkultur isolierten Bundesbürger nachgeliefert, was sie verpasst hatten. Und noch mehr: Die neuesten Trends in Jazz, Blues, Pop, Rock und Country waren jetzt auf Platten erhältlich. Darunter auch Nat 'King' Cole.

Die amerikanischen und englischen Exporte lieferten einen kulturellen Anstoß, der die westdeutsche Gesellschaft mehr und mehr veränderte. Sie orientierte sich in Richtung Westen. Es war gleichzeitig der Siegeszug der 45er-Single. Das Angebot der Labels unter Teldec zu denen Telefunken, Decca, Capitol, London, RCA, Warner Bros., MCA, um nur die wichtigsten zu nennen, gehörten, gab Impulse für die Jugendkultur und prägte die westdeutsche Gesellschaft bis in die 80er Jahre.

Die bei Teldec vertretenen Künstler prägten die Nachkriegsgeschichte. Es gelangte Musik nach Deutschland, die revolutionär war. Mitte der 60er stellten die Rolling Stones die Musikwelt auf den Kopf, und ab 1970 kamen anspruchsvolle Alben, etwa von Neil Young und David Bowie, dazu.

Ihre Musik begeisterte eine Jugend, die sich vom Schlager- und Volksmusikangebot der Teldec – von Lys Assia bis Vico Torriani, von Chris Howland bis Caterina Valente – nicht angesprochen fühlte.

Trotzdem waren neben Rock’n’Roll und Jazz weiterhin auch viele wichtige Interpreten des klassischen Schlagers vertreten: Vico Torriani, Billy Mo und Caterina Valente gehörten zum Soundtrack des Wirtschaftswunders.

Von Louis Armstrong und Elvis Presley über Caterina Valente und Hans Albers bis hin zu Will Glahé, Mantovani, Ted Heath, Edmundo Ros, Tom Jones, Georg Solti, Lonnie Donegan und Peter Maffay – es gab nur wenige bekannte und bedeutende Musiker, deren Platten nicht von der Teldec veröffentlicht wurden.

In Deutschland setzte Udo Lindenberg ab den 70er Jahren ganz neue Akzente und auch die Neue Deutsche Welle fand noch bei der Teldec eine Heimat.

Darunter Falco mit "Der Kommissar" und "Jeanny". Doch Ende der 80er Jahre neigte sich eine Ära dem Ende: 1988 wurde Teldec von der WEA gekauft und in die Warner Tochter East-West Records integriert. 1997 kam dann das endgültige Aus: Das Presswerk in Nortorf wurde geschlossen.

Musikliebhaber schwärmen auch heute noch für die Songs ihrer Idole, die Plattensammler betonen den Wert der Singles und LPs von damals und legen Diskografien an. Aber nur die wenigsten kennen die Entstehungsgeschichte, die zum Erfolg der jeweiligen Musikproduktionen führte.

Zu diesem Stück Musikgeschichte ist auch ein Buch erschienen: "Die Teldec-Story. Wie eine Plattenfirma unser Leben veränderte". Darin schildert der Autor Rüdiger Bloemeke den Aufstieg und Untergang der Telefunken-Decca Schallplatten GmbH. Zugleich ist das Buch auch ein Who’s Who der populären Kultur. Andere Bücher des Autors sind "Roll Over Beethoven. Wie der Rock'n'Roll nach Deutschland kam" und "La Paloma – das Jahrhundert-Lied".

Stand: 17.09.2018, 10:43 Uhr