Dann macht es Bumm ...

Dann macht es Bumm ...

Von Ingo Neumayer

Fußballsongs sind wie die Frisur von Rudi Völler: für die einen Kult, für die anderen die Pest. Wir haben ein paar davon ausgegraben.

Petar Radenkovic

Der serbische Torwart Petar Radenkovic war nicht nur einer der ersten Ausländer in der Bundesliga, er war auch einer der ersten Kicker mit einem Hit: Sein Schlager "Bin i Radi, bin i König" schaffte es 1965 bis auf Platz 5 der deutschen Charts.

Der serbische Torwart Petar Radenkovic war nicht nur einer der ersten Ausländer in der Bundesliga, er war auch einer der ersten Kicker mit einem Hit: Sein Schlager "Bin i Radi, bin i König" schaffte es 1965 bis auf Platz 5 der deutschen Charts.

Dass der Torwart von 1860 München als Sänger Erfolg hat, konnte ein Franz Beckenbauer natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Ganz der Profi, holte er sich Tipps bei Schlagerstar Roy Black. Immerhin: "Gute Freunde kann niemand trennen" stieg 1966 bis auf Platz 31.

365 Tore in der Bundesliga, 68 für die Nationalelf. In den 60ern und 70ern galt Stürmer Gerd Müller als "Bomber der Nation". Seine Taktik war übrigens kein Geheimnis, sondern schon seit seinem 1969 erschienenen Song "Dann macht es Bumm" öffentlich bekannt: "Einmal kommt die Flanke rein, ich komm angezischt / Und schon habe ich den Ball erwischt".

Vor der WM 1974 nahm die Nationalmannschaft dann das erste Mal gemeinsam eine Platte auf: "Fußball ist unser Leben". Und da am Ende des Turniers der zweite WM-Titel stand, wurde dieser Brauch für die nächsten Turniere beibehalten.

1978 trällerten Vogts & Co. "Buenos Dias Argentina" und bekamen dabei Unterstützung vom Fach: Udo Jürgens zeigte den Kickern, wie man den Ton trifft. Für den Ball galt das leider nicht: Nach einem 2:3 gegen Österreich schied die deutsche Mannschaft aus.

"Olé España" hieß es 1982 vor dem Turnier in Spanien. Und, erkennen Sie den Mann im gelben Pulli? Richtig, das ist Michael Schanze. Immerhin: Das Turnier endete für Deutschland mit dem Einzug ins Finale.

Genau wie 1986. Damals sangen die Herren Völler, Brehme und Co. zusammen mit Peter Alexander "Mexico Mi Amor". Einen Song, den man dieser Tage nach der 0:1-Auftaktpleite gegen Mexiko eher leise singen sollte...

"Wenn es kracht, Signorita / Irgendwann in der Nacht / Haben wir zwei im Bettchen / Wieder Wunder vollbracht": 1990 setzte die deutsche Mannschaft im Gespann mit Udo Jürgens auf Zweideutigkeiten und Frivoles wie "Der Teufel hat den Straps gemacht". Das fruchtete - am Ende gab es den dritten Titel für Deutschland.

Auch 1994 spielte die deutsche Mannschaft die Sex-Karte: Sie engagierte die Schwulen-Ikonen Village People für den Song "Far Away In America". Ein Erfolg wurde die Nummer allerdings nicht – genausowenig wie die WM. Im Viertelfinale schied man gegen Bulgarien aus. Damit war auch das Ende der offiziellen WM-Songs besiegelt, die zusammen mit der Mannschaft gesungen wurden.

Inoffizielle Songs gab es aber weiterhin. So wie 2006, als die Sportfreunde Stiller mit "'54, '74, '90, 2006" den Soundtrack zum "Sommermärchen" lieferten. Und als nach dem Turnier am Brandenburger Tor der dritte Platz gefeiert wurde, durfte die Band dann doch noch mit der Nationalmannschaft zusammen musizieren.

Fußballsongs haben eine lange Tradition, und oft gehen diese von den Fans im Stadion aus. Wie zum Beispiel "You'll Never Walk Alone", das 1963 von Gerry & The Pacemakers veröffentlicht wurde. Als wenig später vor einem Spiel die Tonanlage im Liverpooler Stadion ausfiel, sangen die Fans kurzerhand den Song weiter. Einer der größten Fußballhits war geboren ...

"Football's Coming Home" sangen 1996 die Lightning Seeds zur EM in England. So wollten sie endlich Schluss machen mit den "30 years of hurt", den "30 Jahren voller Schmerzen", die England nach dem WM-Titel 1996 zu erleiden hatte. Doch das wurde nichts. England verlor das Halbfinale gegen Deutschland, und am Ende sangen Klinsmann & Co.

Der größte Fußballsong aller Zeiten dürfte aber immer noch Queens "We Are The Champions" sein, das seit 1977 zum unverzichtbaren Soundtrack für Pokalübergaben aller Art gehört.

Stand: 18.06.2018, 10:48 Uhr