"Ella, elle l’a": France Gall zum 70. Geburtstag

"Ella, elle l’a": France Gall zum 70. Geburtstag

Von Philip Stegers

Als sie 1987 mit "Ella, elle l’a" einen europaweiten Hit landet, hat France Gall bereits eine Karriere als Pop-Lolita und Schlagersternchen in Deutschland hinter sich. Am 9. Oktober 2017 feierte die französische Sängerin ihren 70. Geburtstag.

France Gall

Obwohl sie bei ihrem Fernsehauftritt herzergreifend schief singt, gewinnt France Gall 1965 den Grand Prix d’Eurovision für Luxemburg. Sie ist zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt.

Obwohl sie bei ihrem Fernsehauftritt herzergreifend schief singt, gewinnt France Gall 1965 den Grand Prix d’Eurovision für Luxemburg. Sie ist zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt.

Der Komponist ihres Siegertitels "Poupée de cire, poupée de son" ist Serge Gainsbourg. Das Enfant terrible der französischen Chansonszene schreibt mehrere doppeldeutige Lieder für sie. France Gall hat, wie sie später sagt, keine Ahnung, dass Gainsbourg sie ganz bewusst als Pop-Lolita inszeniert.

Völlig arglos singt sie in Gainsbourgs‘ Song "Les sucettes" von ihrer Vorliebe für Lollis mit Zuckerguss und Anisgeschmack. Das Lied wird einer ihrer größten Hits. Als ihr jemand die frivole Anspielung im Text erklärt, traut sich France Gall wochenlang nicht mehr aus dem Haus. Sie fühlt sich betrogen von den Erwachsenen in ihrem Umfeld und singt das Lied nie wieder.

Ihr umwerfender Charme spricht sich bis in die USA herum. Walt Disney höchstpersönlich plant mit France Gall in der Hauptrolle eine musikalische Verfilmung von "Alice im Wunderland". Der Tod des Konzernchefs verhindert einen cineastischen Ausflug ins Kaninchenloch.

In dieser Zeit ist France Gall auch ein gern gesehener Gast in den Schlagersendungen des deutschen Fernsehens. Sie wird begrüßt von Heino, Vivi Bach, Paul Kuhn und Showmaster Vico Torriani.

Mit unwiderstehlichem französischen Akzent und unbekümmerter Mädchenstimme singt France Gall von 1966 bis 1972 in deutscher Sprache. Lieder wíe "Zwei Apfelsinen im Haar" oder "Haifischbaby" werden hierzulande zwar keine Hits, sind aber heute absolute Kultschlager.

"Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte" – so soll France Galls Traummann sein. Sänger Antoine passt vermutlich eher nicht ins Beuteschema. Oder wie sie in einem anderen Lied singt: "Dann schon eher der Pianoplayer".

"Der Computer Nr. 3 (sucht für mich den richtigen Boy)" – lange vor Erfindung des Internets setzt France Gall bereits auf computergestützte Datenanalyse bei der Partnerwahl. Offensichtlich erfolgreich.

Während France Gall in Deutschland harmlose Texte über die Liebe singt, komponiert Serge Gainsbourg für sie den bizarren Titel "Teenie Weenie Boppie". In dem Lied geht es um einen LSD-Horrortrip, in dem Mick Jagger als Leiche in der Themse treibt.

Anfang der 70er Jahre stagniert ihre Karriere. France Gall will nicht länger eine Rolle spielen, mit der sie sich nicht identifizieren kann. Sie lernt den Komponisten und Sänger Michel Berger kennen und singt fortan nur noch dessen Lieder. 1976 heiraten die beiden.

1987 gelingt France Gall mit "Ella elle l'a" ein europaweiter Hit. Das Lied ist eine Hommage an die schwarze Jazzsängerin Ella Fitzgerald und landet auch in Deutschland auf Platz 1 der Singlecharts.

In den 90er Jahren werfen sie mehrere Schicksalsschläge aus der Bahn. Ihr Ehemann Michel Berger stirbt beim Tennisspielen an einem Herzinfarkt, kurz darauf erkrankt France Gall an Brustkrebs. 1998 stirbt ihre Tochter Pauline an Mukoviszidose.

Doch France Gall gibt nicht auf. Sie zieht sich ins Privatleben zurück, engagiert sich im sozialen Bereich und fasst neuen Mut. In einem ihrer seltenen Interviews sagt sie: "Ich habe wieder Vertrauen in das Leben gefunden. Das Leben macht mir keine Angst mehr." – Bon anniversaire, France Gall!

Stand: 29.04.2021, 11:22 Uhr