König des Latin Rock: Glückwunsch, Carlos Santana

König des Latin Rock: Glückwunsch, Carlos Santana

Von Ingo Neumayer

Er spielte in Woodstock, war der erste Weltmusik-Superstar und legte eines der größten Comebacks der Rockgeschichte hin: Carlos Santana. Am 20. Juli 2021 wird der Gitarrist 74 Jahre alt.

Wie der padre, so der hijo: Carlos Santanas Vater spielte in verschiedenen Mariachi-Bands in Mexiko. Kein Wunder, dass sich der Sohnemann auch schon früh für Musik interessiert. Neben den klassischen Mariachi-Bands kürt er Ritchie Valens zu seinem Vorbild, der mit "La Bamba" Rock'n'Roll und mexikanische Folkloreklänge verbindet.

Genau wie Valens will auch Santana musikalisch eine Brücke zwischen den Ländern und Kulturen schlagen. Mitte der 1960er zieht er mit seiner Familie nach San Francisco und kommt im Mission District unter - einem Stadtviertel, in dem kulturell eine Menge in Bewegung ist. Santana wird zum Straßenmusiker, der überall spielt, wo man ihn lässt.

1966 springt Santana kurzfristig für den Bluessänger Paul Butterfield ein, der im legendären Fillmore Club auftreten soll, aufgrund diverser eingenommener Substanzen aber unpässlich ist. Der Auftritt erregt einiges Aufsehen: Bei den Zuschauern, aber auch beim einflussreichen Veranstalter Bill Graham.

Solch eine stimmige Mischung aus Jazz und Blues, Rock und Funk, afrikanischen Rhythmen und südamerikanischer Folklore hatte man bis dahin noch nicht gehört. Wenig später unterzeichnet Santana seinen ersten Plattenvertrag.

1969 spielt Santana mit seiner Band beim Woodstock-Festival. Der Auftritt der Band wird zu einem der Highlights des gesamten Festivals und zum Startpunkt einer Weltkarriere. Publikum und Journalisten sind beeindruckt von Santanas Fähigkeit, unterschiedliche Stile und Kulturen zu kombinieren. Die Debüt-LP, die wenig später erscheint, schießt direkt in die Charts.

Auch beim Altamont-Festival, das als Westküsten-Variante von Woodstock konzipiert ist, spielt Santana. Doch das Festival endet mit einer Katastrophe, als Hells Angels, die als Ordner engagiert sind, beim Auftritt der Rolling Stones einen Zuschauer erstechen. Altamont gilt fortan als Schlusspunkt der harmlos-naiven Hippie-Ära der 60er.

Auf die Karriere Santanas, der ebenfalls eine gewisse Spiritualität und Hippie-Attitüde verbreitet, hat das allerdings keinen Einfluss. Im Gegenteil: Mit Hits wie "Black Magic Woman", "Oye Como Va" oder "Samba Pa Ti" stürmt er Anfang der 1970er weltweit die Charts. Durch seine markante Art, Gitarre zu spielen, wird er zum Vorbild für unzählige Nachwuchsmusiker.

Santana ist der erste Weltmusik-Superstar, der seinem meist weißen, westlich geprägten Pubikum andere Klänge und Kulturen nahebringt. Doch er ruht sich nicht auf seinem Status aus, sondern beginnt mit Free Jazz, ostindischen Klängen, Klassik und Avantgarde zu experimentieren.

Das gefällt manchen Fans und Kritikern, führt aber dazu, dass Santanas Stern zumindest in kommerzieller Hinsicht langsam ins Sinken gerät. In den 70er und 80er Jahren erlebt Santana das Schicksal vieler seiner Zeitgenossen: Eine treue, aber immer kleiner werdende Fanschar ist an den aktuellen Veröffentlichungen interessiert, der Rest kennt lediglich die Hits von früher.

Als Santana 1998 in die "Rock'n'Roll Hall Of Fame" aufgenommen wird, ist er alles andere als begeistert: "Jetzt ist es offiziell: Du bist am Ende! Du bist auf dem Schrottplatz für Rockstars! Die haben dich abgeschrieben", lauten seine damaligen Gedanken, wie er später in einem Interview verrät.

Doch dann geschieht, was kaum einer mehr erwartet hätte: Ein Jahr später ist Santana wieder obenauf – und zwar so richtig. Für die Aufnahmen des Albums "Supernatural" lädt er sich Gäste wie Eric Clapton, Rob Thomas, Everlast, Lauryn Hill oder Eagle-Eye Cherry ein. Das Ergebnis: acht Grammys und über 30 Millionen verkaufte Platten.

Das letzte Santanas-Album, das es auf Platz 1 der US-Charts geschafft hatte, war 1971 erschienen. Eine Zeitspanne von 28 Jahren zwischen zwei Nummer-Eins-Alben hatte es bis dato nicht gegeben: Ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde.

Santana bekommt eine eigene Show in Las Vegas, wo er regelmäßig im Hard Rock Hotel auftritt. Und er wird sogar zur Spielfigur: Im Computerspiel "Guitar Hero 5" kann man in seine Haut schlüpfen und den Song "No One To Depend On" zum Besten geben.

Im Jahr 2017 hat Santana eine Menge Anlass zum Feiern: Seine Band besteht – wenn auch in immer wieder wechselnder Besetzung – seit 50 Jahren. Und er selbst feierte seinen 70. Geburtstag. Und zum 74. Geburtstag holen auch wir von WDR 4 mal wieder unsere Gitarre heraus und versuchen uns an einem seiner unnachahmlichen Soli ... Feliz cumpleaños, Señor Santana!

Stand: 14.07.2021, 13:23 Uhr