Von Piaf bis Brel: Berühmte Chansonniers

Von Piaf bis Brel: Berühmte Chansonniers

Von Antonia Kasparek

Was macht ein Chanson eigentlich zu einem Chanson? "Chanson" ist zunächst nur das französische Wort für "Lied". Doch der Begriff Chanson bezeichnet darüber hinaus ein musikalisches Genre. In den vergangenen Jahrzehnten veränderte sich das Chanson stärker in Richtung Pop und Rock.

Edith Piaf

Sie ist die unangefochtene Nummer Eins des französischen Chansons: Edith Piaf. Der "Spatz von Paris", wie die nur 1,47 Meter große Sängerin auch genannt wurde, erlangte Größe durch ihre Stimme. "Non, je ne regrette rien" wurde ein Welthit, ebenso wie ihr "La vie en rose".

Sie ist die unangefochtene Nummer Eins des französischen Chansons: Edith Piaf. Der "Spatz von Paris", wie die nur 1,47 Meter große Sängerin auch genannt wurde, erlangte Größe durch ihre Stimme. "Non, je ne regrette rien" wurde ein Welthit, ebenso wie ihr "La vie en rose".

Ebenfalls als "Spatz" – allerdings aus Avignon – ist die 1,53 Meter große Mireille Mathieu bekannt. Sie wurde 1946 in ärmlichen Verhältnissen in Avignon geboren. Ihren Durchbruch hatte sie im April 1969 mit dem Stück "Hinter den Kulissen von Paris". Von den Medien wurde sie als "neue Piaf" gefeiert. Ihre Pagenfrisur mit Innenrolle ist seit 1965 unverändert geblieben und sie tritt in schwarzen Kleidern auf – dem Markenzeichen ihres Vorbilds Piaf.

Eine andere Grande Dame des Chansons hatte ein bewegtes Leben: Juliette Gréco. Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs verkehrte sie in den Existentialistenkreisen von Paris. Jean-Paul Sartre wurde ihr Förderer. "Parlez-Moi d'amour" wird zum Hit. Trotz ihrer Erfolge erreichte die Gréco aber nicht die Popularität einer Édith Piaf. Vielleicht waren ihre Lieder zu politisch.

Juliette Greco war auch im Duett mit Georges Brassens zu hören. Bereits im Alter von rund 14 Jahren begann der junge Georges Chansons zu schreiben. Um die eindringliche Wirkung seiner lebensnahen, ethischen wie poetischen Texte nicht zu verdecken, trug Brassens seine Lieder stets nur mit einfachster Instrumentierung vor: mit seiner akustischen Gitarre und dem Bass seines ständigen Konzert-Begleiters Pierre Nicolas.

Zwischen 1960 und 1990 erlebte das Genre Chansons eine ausgesprochen stilistische Vielfalt. In dieser Zeit wurden Interpreten wie Jacques Dutronc (im Bild), France Gall, Serge Gainsbourg, Salvatore Adamo, Mireille Mathieu und viele mehr bekannt. Jacques Dutronc ist 1943 in Paris geboren und seit 1981 mit der Sängerin Françoise Hardy verheiratet. Er schuf zeitlose Klassiker wie "Il est cinq heures, Paris s’éveille" von 1968. 1973 begann Dutronc eine zweite Karriere als Schauspieler. Er spielte unter vielen bekannten Regisseuren des französischen Kinos –unter anderem die Titelrolle in Van Gogh (1991), für die er den wichtigsten Filmpreis Frankreichs, den César, erhielt.

Das Nachkriegs-Chanson holte sich seine Inspirationen unter anderem in der Philosophie des Existenzialismus sowie in Politik und Zeitgeschehen. Er brachte Sänger wie den Belgier Jacques Brel hervor. Mit Charles Trenet und Georges Brassens nimmt er unter den Chansonniers, die ihre eigenen Lieder vortragen, eine herausragende Stellung ein. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere trat Brel 1967 von der Bühne ab. Zahlreiche Sänger interpretierten seine bekanntesten Chansons wie "Ne me quitte pas" oder "Amsterdam". Jacques Brel starb 1978 an Lungenkrebs.

1944 hatte der aufstrebende Sänger und Produzent Yves Montand ein Liebesverhältnis mit Edith Piaf. Piaf – ebenfalls italienischer Abstammung – ließ ihn in ihren Shows auftreten. 1949 traf er die Schauspielerin Simone Signoret, die sich seinetwegen scheiden ließ und ihn zwei Jahre später heiratete. Mit dem preisgekrönten Film "Lohn der Angst" von 1953 wurde Yves Montand weltberühmt. Berühmt wurde seine Interpretation von "Les Feuilles Mortes".

Andere Interpreten wie die Sängerin Dalida orientierten sich mehr an amerikanischen Unterhaltungskünstlern. Bekannt wurde die in Kairo geborene Sängerin mit Titeln wie "Ciao, ciao bambina" oder "J'attendrai". Mit Alain Delon sang sie 1973 das berühmte "Paroles, Paroles". Dalida verkaufte etwa 140 Millionen Schallplatten weltweit. Mit "Am Tag, als der Regen kam", erreichte sie 1959 Platz 1 der deutschen Hitparade. Mit "Il venait d’avoir 18 ans" ("Er war gerade 18 Jahr") eroberte sie 1974 erneut die Spitze der Hitparade.

Adamo, oder besser gesagt Salvatore Adamo, ist belgischer Musiker, Liedermacher, Chanson- und Schlagersänger. Geboren wurde er in Comiso auf Sizilien. Adamo singt Lieder in neun Sprachen. 1966 wurde er mit dem dem Song "Inch'Allah" weltberühmt. 2013 wurde er 70 Jahre alt und feierte 50-jähriges Bühnenjubiläum.

Serge Gainsbourg war Sänger, Pianist, Komponist, Poet, Maler, Chansonnier, Filmschauspieler und Schriftsteller. Er gilt in Frankreich als einer der einflussreichsten und kreativsten Singer-Songwriter – zudem schrieb er Drehbücher und Filmmusik für mehr als 40 Filme.

Gainsbourg sang "Je t'aime ... moi non plus" 1969 im Duett mit seiner Partnerin Jane Birkin. Der Song wurde weltweit ein Hit und rief auch Kritiker auf den Plan. Gainsbourg und Birkin stöhnten Teile des Textes mehr als sie ihn sangen. Das Lied war zeitweise indiziert und sorgte für kontroverse Diskussionen.

Serge Gainsbourg verfasste Lieder für viele Sänger und Sängerinnen – darunter auch France Gall. Diese gewann 1965 mit einer Interpretation einer Komposition von Gainsbourg "Poupée de cire, poupée de son" den Eurovision Song Contest. Mit "Ella elle là", eine Hommage an die Sängerin Ella Fitzgerald, hatte France Gall 1988 einen Nummer-1-Hit in Deutschland.

"Nathalie" war der weltweit größte Erfolg von Gilbert Bécaud. "Monsieur 100.000 Volt" sang nicht nur, sondern schrieb auch Songtexte wie "Am Tag als der Regen kam" für Dalida und arbeitete als Schauspieler – 1957 an der Seite von Caterina Valente im Musikfilm "Casino de Paris" zu sehen. 2001 starb Gilbert Bécaud in Paris an Lungenkrebs.

Am 1. Oktober 2018 ist er mit 94 Jahren verstorben: Charles Aznavour – eine der bekanntesten Stimmen Frankreichs. Berühmt wurde er mit Liedern wie "Du lässt dich geh'n", "She" und "Emmenez-moi". Entdeckt hatte ihn Edith Piaf 1946 in einem Pariser Vorstadtcafé. Sie wurde zu seiner Mentorin und seiner zeitweisen Geliebten. Der Altmeister des Chansons sang in mehreren Sprachen und machte sich auch als Schauspieler einen Namen.

Patricia Kaas legte eine rasante Karriere hin. Die 1966 geborene Sängerin stammt aus Lothringen. Ende der 80er Jahre erschien ihr Debütalbum "Mademoiselle chante...", das mehr als 15 Millionen Mal verkauft wurde. Entdeckt wurde sie vom Schauspieler Gérard Depardieu, der ihre erste Single "Jalouse" produzierte. 2012 erschien das Album "Kaas chante Piaf", in der sie der Nummer Eins des Chansons ihre Reverenz erwies.

Erst war sie Model, dann wurde die gebürtige Italienerin Carla Bruni auch als Sängerin bekannt. 2002 feierte sie mit dem Album "Quelqu'un m'a dit" insbesondere in Frankreich und der Schweiz, einen Überraschungserfolg. Sechs Jahre später heiratete sie den damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.

Stand: 08.10.2018, 14:21 Uhr