Beethoven im Pop und Rock

Beethoven im Pop und Rock

Von Ingo Neumayer

Beethoven steht in erster Linie für Klassik. Ein Blick in die Popgeschichte zeigt aber: Auch bei Künstlern wie Chuck Berry, Eurythmics oder Billy Joel hat er mächtig Eindruck gemacht.

Der Komponist Ludwig van Beethoven

Würde Ludwig van Beethoven noch leben, könnte er in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag feiern. Doch unsterblich war der Mann nicht – im Gegensatz zu seiner Aura und seinen Kompositionen, die auch im Rock und Pop des 20. und 21. Jahrhundert bedeutsam waren.

Würde Ludwig van Beethoven noch leben, könnte er in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag feiern. Doch unsterblich war der Mann nicht – im Gegensatz zu seiner Aura und seinen Kompositionen, die auch im Rock und Pop des 20. und 21. Jahrhundert bedeutsam waren.

Einer der ersten Rockstars, der sich in seinen Songs mit dem Bonner Komponisten beschäftigte, war Chuck Berry. Der schrieb 1956 "Roll Over Beethoven" und verarbeitete damit Szenen seiner Kindheit, als seine Schwester immer das Klavier blockierte, um klassische Musik zu spielen. "Roll Over Beethoven" war dann eine Art Versöhnungsangebot – von Exzentriker zu Exzentriker.

Dass ein Rock'n'Roll-Musiker – noch dazu ein schwarzer – sich mit einem Komponisten der Hochkultur auf eine Ebene stellte, war damals unerhört. Und wahrscheinlich genau der Grund dafür, dass der Song ein Riesenhit wurde. Manche Kritiker sahen darin sogar einen Beitrag. der half, den Graben zwischen ernster E- und leicher U-Musik zuzuschütten.

Carl Perkins, Gene Vincent, Jerry Lee Lewis, Ten Years After, Rattles oder Beatles: Sie alle haben "Roll Over Beethoven" gecovert und so zu einem der einflussreichsten Rock'n'Roll-Songs überhaupt gemacht. Eine der spektakulärsten Versionen entstand 1972; Jeff Lynne's Electric Light Orchestra baute in seine über siebenminütige Aufnahme Elemente aus Beethovens Fünfter Sinfonie ein und "verrockte" das klassische Da-da-da-daaaaa-Motiv.

Auch bei Ekseption stand Beethoven hoch im Kurs. Die holländische Band galt Anfang der 70er als wegweisend im Genre "Symphonic Rock" und kombinierte klassische Kompositionen mit modernen Instrumenten und Arrangements.

Klassik und vor allem Beethoven spielten Anfang der Siebziger nicht nur im Pop eine Rolle, sondern auch im Kino. Regie-Genie Stanley Kubrick unterlegte wichtige Szenen seiner schockierenden Gewalt-Dystopie "Uhrwerk Orange" mit Beethovens Neunter. Dafür engagierte er Walter Carlos, der den berühmten Moog-Synthesizer mitentwickelt hatte und als einer der Vorreiter der modernen elektronischen Musik galt.

In Billy Joels Ballade "This Night" ist Beethovens Anteil ganz gut versteckt: Der Refrain basiert auf der Klaviersonate Nr 8, auch bekannt als "Pathétique". Immerhin: Joel hat Beethoven als Mit-Komponisten des Songs notiert.

"(I Love To Listen To) Beethoven" (deutsch: "Ich liebe es, Beethoven zu hören"): Die Eurythmics machten 1987 aus ihrer Vorliebe für den Bonner Brummer keinen Hehl. Der unterkühlte Dance-Song sorgte vor allem dank seines Videos für Aufsehen, in dem Sängerin Annie Lennox von der braven Hausfrau mit Putzfimmel zum sexy Vamp mutiert.

Millionen Klavierschülerinnen und Klavierschüler dürften ein Aha-Erlebnis gehabt haben, als Soul-Diva Whitney Houston im Jahr 2000 zusammen mit Deborah Cox den Song "Same Script, Different Cast" veröffentlichte. Denn der verarbeitete das Hauptmotiv von Beethovens "Für Elise" – eines der meistgespielten Klavierstücke aller Zeiten.

Auch im HipHop ist Beethoven kein Unbekannter: 2003 veröffentlichte der New Yorker Rapper Nas den Song "I Can", auf dem er die "Für Elise"-Melodie mit Beats und Sprechgesang kombinierte und damit weit oben in den US-Charts landete.

Man musste schon etwas genauer hinhören, um Beethoven im Bright-Eyes-Song "Road To Joy" ausfindig zu machen: Gleich am Anfang klingt der vierte Satz von Beethovens Neunter zwischen den gezupften Gitarrenfiguren an. Den finalen Hinweis, dass das kein Zufall war, lieferte der Songtitel. Denn "Road To Joy" klingt verdächtig nach "Ode To Joy", was wiederum die Übersetzung für "Ode an die Freude" ist – das Schiller-Gedicht, auf dem das Finale Grande der Neunten Sinfonie beruht. Beethoven ist und bleibt eben ein Quell der Freude und Inspiration für Musiker aller Genres.

Stand: 06.04.2020, 10:21 Uhr