Fi-Fi-Filme: Die Beatles auf der Leinwand

Fi-Fi-Filme: Die Beatles auf der Leinwand

Von Ingo Neumayer

Naive Teenie-Streifen, psychedelische Zeichentrick-Trips, absurde Gruselfilme: Die Filme, die Ringo, George, John und Paul während und nach ihrer Beatles-Zeit gemacht haben, sind so vielfältig wie ihre Musik.

Ausschnitt aus Beatles-Film "Yeah Yeah Yeah"

Als Popstar in den 60ern hat man viel zu tun. Singen und Musizieren alleine reicht nicht, auch Schauspielen steht auf dem Programm. Elvis hat es vorgemacht, und so müssen auch die Beatles 1964 vor die Kamera. "Yeah Yeah Yeah" (im Original "A Hard Day's Night") ist eine Pseudo-Doku über die Band, die die damals grassierende "Beatlemania" weiter anheizen soll.

Als Popstar in den 60ern hat man viel zu tun. Singen und Musizieren alleine reicht nicht, auch Schauspielen steht auf dem Programm. Elvis hat es vorgemacht, und so müssen auch die Beatles 1964 vor die Kamera. "Yeah Yeah Yeah" (im Original "A Hard Day's Night") ist eine Pseudo-Doku über die Band, die die damals grassierende "Beatlemania" weiter anheizen soll.

Die Beatles spielen sich selbst, wie sie vor Fans flüchten, beinahe einen TV-Auftritt verpassen und allerhand alberne Situationen überstehen müssen. Pauls trotteliger Opa und der strenge Manager Norm werden dagegen von Schauspielern dargestellt. In der deutschen Version sind die Dialoge übrigens stark verändert. Dort philosophieren die Fab Four über Günter Grass und zitieren deutsche Gedichte.

1965 folgt dann der nächste Film: "Hi-Hi-Hilfe" (englisch: "Help!"). Der Inhalt ist so verworren wie absurd: Eine indische Sekte ist auf der Suche nach einem magischen Ring, den ein Fan Ringo geschenkt hat. Die Sektenmitglieder verfolgen die Beatles, die Hilfe bei einem verrückten Professor suchen, der sich jedoch gegen sie wendet. Eine wilde Verfolgungsjagd über die Bahamas und die Alpen bis in den Buckingham Palace beginnt.

Die Beatles nehmen die Dreharbeiten nicht besonders ernst und rauchen schon zum Frühstück jede Menge Joints. Wahrscheinlich ist nur so zu erklären, dass der erklärte Pazifist John Lennon (rechts) stolz grinsend im Kreise von Soldaten mit einem Gewehr posiert.

Ein Jahr später hat John Lennon wieder eine Waffe in der Hand - diesmal allerdings ohne Grinsen. "Wie ich den Krieg gewann" ist ein ernster Anti-Kriegsfilm, der im Zweiten Weltkrieg spielt und teilweise in der Lüneburger Heide gedreht wird. John, der hier erstmals ohne Paul, George und Ringo vor der Kamera steht, hat spätestens seit diesem Film sein Image als politisch und gesellschaftlich engagierter Querkopf sicher.

Wenig später drehen die Beatles ihren dritten gemeinsamen Film: "Magical Mystery Tour". Regie führen sie diesmal selbst, und auch das Drehbuch verfassen sie gemeinsam. Wobei "Drehbuch" etwas hochgegriffen ist. Viele Szenen sind improvisiert, die Handlung, die um eine Busfahrt aufgebaut ist, wirkt wirr und unzusammenhängend. Der knapp einstündige Film läuft an Weihnachten 1967 im britischen Fernsehen und stößt auf sehr viel Kritik und Unverständnis. Es ist der erste Flop der Beatles.

Doch die Beatles lassen sich nicht beirren und bringen 1968 ihren nächsten Film heraus: "Yellow Submarine". Dafür müssen sie nicht schauspielern, und auch sonst ist ihr Beitrag zu dem Zeichentrickfilm gering – von den Songs abgesehen. Im Gegensatz zu den Filmen von Walt Disney & Co. spricht "Yellow Submarine" mit seiner psychedelischen Optik und seiner Symbolik nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene an. Der kunterbunte Streifen passt perfekt in die Hippie-Ära und zum "Love, Peace And Harmony"-Lebensgefühl.

Der letzte Film der Beatles ist der realistischste: "Let It Be" ist eine Dokumentation der Aufnahmen des gleichnamigen Albums sowie des letzten gemeinsamen Konzerts auf dem Dach ihrer Plattenfirma in London. Ursprünglich wollte Paul mit dem Projekt die kreative Schaffenskraft der Band wiederbeleben. Doch die Spannungen sind zu groß, und am Ende wird der Film ein Zeugnis des Niedergangs: vier Einzelkämpfer, viel Streit, wenig Gemeinsamkeiten. Als "Let It Be" im Mai 1970 in die Kinos kommt, hat sich die Band bereits getrennt.

Nach dem Ende der Beatles starten alle vier Mitglieder Solokarrieren. Und das nicht nur musikalisch. Vor allem Schlagzeuger Ringo hat sichtlich Spaß vor der Kamera und dreht einen Film nach dem anderen. Ein Hobby, das auch viele seiner Kollegen pflegen: Hier sieht man ihn zusammen mit Alice Cooper, Mae West und Keith Moon (v.l.n.r.) am Set des Films "Sextette".

Je absurder, desto besser: Nach diesem Motto scheint Ringo seine Rollen auszuwählen. In "Lisztomania" spielt er Papst Gregor den 16. ...

... in "Son Of Dracula" den mit einer Faszination für Billard gesegneten Zauberer Merlin ...

.. .und in "Caveman" einen Höhlenmenschen, der den aufrechten Gang, das Rad und das Spiegelei erfindet. Die Figuren unterhalten sich dabei in einer extra für den Film konzipierten Fantasiesprache. Dass Ringo es schafft, Dialogzeilen wie "Atuk aluna lana" ohne Lachkrampf vorzutragen, ist eine fast oscarreife Leistung.

Am Set von "Caveman" lernt Ringo übrigens das frühere Bondgirl Barbara Bach kennen – und lieben. Die beiden heiraten 1981 und sind bis heute zusammen.

George Harrison war schon zu Beatles-Zeiten derjenige, der das Rampenlicht eher scheute. Als Schauspieler hat er sich daher nach dem Ende der Fab Four nie so richtig probiert – aber als Produzent. Als 1979 die Finanzierung von "Das Leben des Brian" zusammenbricht, gründet er kurzerhand eine Produktionsfirma, die mit mehreren Millionen dafür sorgt, dass der Monty-Python-Film doch noch in die Kinos kommt: "Die teuerste Kinokarte der Welt", wie George später sagt.

George übernimmt in dem Film übrigens eine Minirolle, will aber nicht, dass sein Name im Abspann erscheint. Mit "HandMade Films" produziert er in den Achtziger Jahren dutzende Filme, bis die Firma in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Offenbar sind diese so gravierend, dass er kurz vor dem Bankrott steht. Erst eine Japan-Tour mit Eric Clapton und die "Anthology"-Reihe der Beatles sorgen dafür, dass sich seine finanzielle Lage wieder entspannt.

Im Gegensatz zu Ringo und George spielt das Medium Film für John und Paul keine besondere Rolle in ihrer Zeit nach den Beatles. John veröffentlicht Anfang der 70er zwei Avantgarde-Kunst-Filme mit Yoko Ono. Paul steuert 1973 mit den Wings zwar den Titelsong zum James-Bond-Streifen "Leben und sterben lassen" bei, aber sein erstes "richtiges" Filmprojekt als Solo-Künstler erscheint erst 1984: "Broad Street".

Die Story erinnert allerdings ziemlich an die Machart der frühen Beatles-Filme. Paul spielt sich selbst, wie er zwischen Videodreh, Interview und Konzerttermin hin- und herhetzt und nebenbei noch einen Kriminalfall lösen muss: Die Bänder seiner letzten Aufnahme sind auf mysteriöse Weise verschwunden. Das ist so dünn, wie es klingt, und nachdem "Broad Street" sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum durchfällt, begräbt er seine filmischen Ambitionen. Ist vielleicht auch besser so ...

Stand: 28.04.2020, 10:39 Uhr