Aretha Franklin: Die "Queen of Soul"

Von Ingo Neumayer

Sie war "Queen of Soul" und Bürgerrechts-Ikone, Popstar und Diva, und hat mit ihrer Stimme Millionen Menschen zu Tränen gerührt – darunter auch Ex-Präsident Barack Obama. Am 25. März 2022 wäre Aretha Franklin 80 Jahre alt geworden.

Der Soul wurde ihr einfach in die Wiege gelegt: Schon Aretha Franklins Vater macht als Prediger in einer Baptistenkirche in Detroit durch seine emotionalen Auftritte von sich reden. Er hat Verehrer weit über die Gemeindegrenzen hinaus und geht auf "Tournee", die ihn durch diverse Gotteshäuser führt. Seine Tochter unterstützt ihn dabei schon von klein auf.

Der Soul wurde ihr einfach in die Wiege gelegt: Schon Aretha Franklins Vater macht als Prediger in einer Baptistenkirche in Detroit durch seine emotionalen Auftritte von sich reden. Er hat Verehrer weit über die Gemeindegrenzen hinaus und geht auf "Tournee", die ihn durch diverse Gotteshäuser führt. Seine Tochter unterstützt ihn dabei schon von klein auf.

Schnell nimmt die Karriere von Aretha Franklin Fahrt auf. Mit 14 veröffentlicht sie ihr erstes Album "Songs Of Faith" ("Glaubenslieder"), das aus christlichen Gospel-Nummern besteht. Unterstützt und gemanaged wird sie von ihrem Vater, in dessen Kirche auch die Aufnahmen der Platte entstehen.

Doch Gospel und Religiosität sind nur eine Seite von Aretha Franklin. Genau wie der von ihr verehrte Sam Cooke hat sie auch eine Leidenschaft für "weltliche" Musik wie Rhythm'n'Blues, Jazz und Soul. 1960 erscheint schließlich ihr erstes Pop-Album "Aretha With The Ray Bryant Combo".

Auch wenn sie anfangs keine Riesenhits hat: Aretha Franklin gelingt es schnell dank ihrer Stimme und ihrer Ausstrahlung, in der Popszene Fuß zu fassen. Den Spagat zwischen Soul und Gospel, zwischen Glamour und Religiösität, zwischen Tanzrevue und Gottesdienst, kriegt sie problemlos hin und begeistert Fans in beiden Lagern.

Ende der 60er wird Aretha Franklin dann zum Soul-Superstar: Mit Songs wie "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman", "Think" oder "Say A Little Prayer" schafft sie es in den Pop-Charts ganz nach oben.

Doch es ist nicht nur die Musik, sondern auch ihre Haltung, die beeindruckt. Ihre Version der Otis-Redding-Nummer "Respect" wird als politisch-soziales Statement für Gleichberechtigung und Minderheitenrechte verstanden und macht aus Franklin eine Ikone für Feminismus und Bürgerrechte.

Bis Mitte der 70er gelingt Franklin ein Hit nach dem anderen, danach flaut die Erfolgswelle etwas ab. Doch sinkende Plattenverkäufe können ihrem Status als Soul-Legende nichts anhaben.

Franklin versucht sich auch als Schauspielerin: 1980 spielt sie im Kult-Klassiker "Blues Brothers" die Frau des Imbissbesitzers Matt "Guitar" Murphy, dem sie ein beleidigtes "Think" hinterhersingt, als er sie verlässt, um wieder auf Tour zu gehen.

Die Königin trifft den Paten: Aretha Franklin, die oft auch als "Queen of Soul" bezeichnet wird, steht mehrmals in ihrer Karriere mit James Brown, dem "Godfather of Soul", auf der Bühne. 1989 veröffentlichen die beiden das Duett "Gimme Your Love".

In den 1980er Jahren modernisiert Franklin ihren Sound und orientiert sich mehr am aktuellen Pop-Geschehen. 1987 nimmt sie im Duett mit George Michael "I Knew You Were Waiting (For Me)" auf - ein Hit, der wie kaum ein anderer für die damalige Pop-Dekade steht. Auch mit Whitney Houston, Elton John und den Eurythmics gibt es gemeinsame Songs.

Auch später ist sie interessiert am musikalischen Zeitgeist. Sie nimmt Songs von Adele und Sinéad O'Connor auf, lässt sich von Fugees-Sängerin Lauryn Hill produzieren und hängt mit HipHop-Größen wie Puff Daddy (Mi.) ab.

Kürzertreten? Dafür sieht Aretha Franklin keinen Grund. Auch jenseits der 70 geht sie noch regelmäßig auf Tour und tritt in TV-Shows und auf Galas auf.

Und wenn ihr Heimatverein, die Detroit Lions, jemanden braucht, der vor dem Spiel die Nationalhymne singt, ist Franklin auch zur Stelle. Egal, ob es stürmt, schneit oder Minusgrade herrschen ...

Ihre Fans außerhalb der USA können Aretha Franklin leider nur aus der Ferne bewundern. Denn Franklin hat Flugangst. Seit Mitte der 80er Jahre betritt sie kein Flugzeug mehr, zu ihren Auftritten lässt sie sich mit der Limousine chauffieren.

Was für ein Bild, was für eine Frau: 1993 singt Aretha Franklin zur Amtseinführung von Präsident Clinton auf den Stufen des Lincoln Memorials in Washington.

Und auch Präsident Obama empfängt Aretha Franklin mehrmals. Als sie 2015 anlässlich der Verleihung des Kennedy-Preises an die Songwriterin Carole King "(You Make Me Feel Like) A Natural Woman" singt, wischt sich Obama sogar ein paar Tränen der Rührung aus den Augenwinkeln.

Ab 2010 gibt es immer wieder Spekulationen um Franklins Gesundheit. Doch sie blockt alle Fragen ab und geht weiterhin auf Tour. Über ihren Zustand rede sie nur mit ihrem Arzt, sagt sie. Am 16. August 2018 stirbt Franklin im Alter von 76 Jahren an einer Krebserkrankung. Ihr Leben, ihre Songs und ihre Stimme bleiben unvergessen: "R-E-S-P-E-C-T" für eine der größten Sängerinnen aller Zeiten.

Stand: 22.03.2022, 13:46 Uhr