Vor 30 Jahren starb Roy Orbison

Vor 30 Jahren starb Roy Orbison

Sein Look, seine Songs, und dann noch diese Stimme: Roy Orbison hatte viele einzigartige Merkmale. Am 6. Dezember 1988 ist er gestorben.

Roy Orbison

Schüchtern, kurzsichtig, auf der Bühne wie festgewurzelt: Kann man so überhaupt ein Star werden? Ja, das geht – zumindest, wenn man eine so wunderbare Stimme wie Roy Orbison hat.

Schüchtern, kurzsichtig, auf der Bühne wie festgewurzelt: Kann man so überhaupt ein Star werden? Ja, das geht – zumindest, wenn man eine so wunderbare Stimme wie Roy Orbison hat.

Orbison ist seit Mitte der 1950er in den Zirkeln rund um das legendäre "Sun"-Studio in Memphis unterwegs, doch der große Durchbruch will ihm zunächst nicht gelingen. Er schreibt Songs für die Everly Brothers, tourt mit Eddie Cochran und freundet sich mit Johnny Cash und Elvis Presley an. 1960 bietet er Elvis den Song "Only The Lonely" an, doch dieser lehnt ab. Also nimmt Orbison den Song selbst auf.

Eine gute Entscheidung, denn "Only The Lonely" rauscht wenig später in die Top Ten. Auch "Crying" und "Dream Baby" werden große Erfolge für Orbison, der Anfang der 60er optisch noch eher dem Typ "Schwiegersohn" entspricht.

Seinen typischen Look mit Sonnenbrille und schwarzen Outfits pflegt er erst ab 1963. Das Ganze sei jedoch nicht besonders durchdacht gewesen, sagt Orbison später. Er habe damals einfach mit dem Image des stillen, mysteriösen Einzelgängers gespielt, obwohl es nicht der Wahrheit entsprochen habe.

Im Gegensatz zu den wilden Verrenkungen von Kollegen wie Elvis oder Chubby Checker lässt es Orbison bei seinen Auftritten sehr ruhig angehen. Kritiker vergleichen ihn mit einem Baum: Wie angewurzelt steht er da und beeindruckt durch nichts anderes als durch seine Songs und seine einzigartige Stimme.

Das spricht sich auch schnell in England herum, als die "British Invasion" ihren Lauf nimmt. Orbison geht dort mit den Beatles auf Tour und stiehlt ihnen regelmäßig die Show. John, Paul, George und Ringo können es gar nicht glauben, dass dieser seltsame Mann, der auf sämtliche Animationen verzichtet und kein Wort mit dem Publikum spricht, solche Reaktionen hervorruft. Einmal halten ihn John und Paul angeblich sogar hinter der Bühne fest, damit er keine weitere Zugabe geben kann.

1964 veröffentlicht Orbison "Oh, Pretty Woman", seinen wohl bekanntesten Song. Und das nicht nur, weil sich 25 Jahre später Julia Roberts und Richard Gere in der gleichnamigen Romanze verliebten. Auch die Rolling Stones sind von Orbisons Songwriter-Qualitäten begeistert. Angeblich dient "Oh, Pretty Woman" als musikalische Vorlage für "Satisfaction".

Nicht nur auf der Bühne, auch auf der Leinwand kann Orbison (2. v.r.) begeistern. Für den Musical-Comedy-Film "The Fastest Guitar Alive" steuert der Musiker neben dem kompletten Soundtrack auch noch seine Schauspielkünste bei. Ähnlich wie Elvis soll auch Orbison zum Filmstar werden.

Doch Orbisons Karriere gerät durch schlimme Schicksalsschläge ins Stocken. 1966 stirbt seine Frau Claudette bei einem Motorradfilm, zwei Jahre später kommen zwei seiner Kinder bei einem Brand ums Leben. Orbison zieht sich immer wieder für längere Phasen ins Privatleben zurück. 1969 heiratet er seine neue Liebe Barbara Wellhörner Jacobs, eine Studentin aus Bielefeld.

In den 70ern und am Anfang der 80er will keiner etwas von Orbison wissen. Seine Platten verkaufen sich schlecht und werden zum Teil gar nicht außerhalb der USA veröffentlicht. Ein paar Fans hat er aber immer noch. Zum Beispiel einen gewissen Georg Höllerich, der sich bei Orbison den Vornamen klaut und als Roy Black zum Schlagerstar wird.

1986 unterlegt Regisseur David Lynch eine zentrale Stelle in seinem Oscar-nominierten Meisterwerk "Blue Velvet" mit dem Orbison-Song "In Dreams": Ein Faktor, der dabei hilft, Orbisons Karriere wiederzuleben.

1988 entsteht aus einer Laune heraus eine der größten Supergroups der Rockgeschichte: George Harrison, Bob Dylan (re.), Tom Petty (li.), Jeff Lynne und Roy Orbison tun sich als "Traveling Wilburys" zusammen und spielen spontan in zehn Tagen ein Album ein. Die Mischung aus Country und Rock, gepaart mit der Weisheit und Musikalität von fünf Meistern ihres Faches, kommt bei Publikum und Kritikern gleichermaßen gut an.

Roy Orbison genießt den Wiedereintritt ins Rampenlicht und bereitet mit großen Hoffnungen sein 22. Soloalbum vor. Doch leider erlebt er die Veröffentlichung nicht mehr. Am 6. Dezember 1988 stirbt er an einem Herzinfarkt. "You Got It", sein erfolgreichster Song seit fast 25 Jahren, erscheint postum und wird einer der größten Hits des Jahres 1989. Und auch 30 Jahren nach seinem Tod ist Orbison unvergessen. Ob Auszeichnungen, Musicals oder musikalische Verbeugungen – sein Kapitel im Rock'n'Roll-Geschichtsbuch wird immer noch gerne aufgeschlagen.

Stand: 04.12.2018, 13:11 Uhr