"2 von 14": Museum zeigt Kölner Bauhaus-Künstlerinnnen

"2 von 14": Museum zeigt Kölner Bauhaus-Künstlerinnnen

Die Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein und die Bühnenbildnerin Marianne Ahlfeld-Heymann waren Cousinen. Und Kölnerinnen. Und am Bauhaus. Zum 100. Geburtstag der Kunst- und Gewerbeschule zeigt das MAKK ihr eindrucksvolles Werk.

"2 von 14": Museum zeigt Kölner Bauhaus-Künstlerinnnen

Von Thomas Köster

2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus, MAKK, Köln 2019 (Ausstellungsansicht)

14 Kölner sind für die 1919 gegründete Kunst- und Gewerbeschule "Staatliches Bauhaus" nachweisbar. 1920 und 1923 folgten zwei gebürtige Kölnerinnen aus jüdischem Haus dem Ruf an die avantgardistische Einrichtung. Wohl unabhängig voneinander: die Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein (1899-1990) und die Bühnenbildnerin Marianne Ahlfeld-Heymann (1905-2003).

14 Kölner sind für die 1919 gegründete Kunst- und Gewerbeschule "Staatliches Bauhaus" nachweisbar. 1920 und 1923 folgten zwei gebürtige Kölnerinnen aus jüdischem Haus dem Ruf an die avantgardistische Einrichtung. Wohl unabhängig voneinander: die Keramikerin Margarete Heymann-Loebenstein (1899-1990) und die Bühnenbildnerin Marianne Ahlfeld-Heymann (1905-2003).

Nach ihrer Ausbildung gingen ihre Wege auseinander: Margarete Heymann-Loebenstein wurde in der Bauhaus-Keramikwerkstatt Dornburg bei Formmeister Gerhard Marcks und Werkmeister Max Krehan zu einer der avantgardistischsten Keramikerinnen ihrer Zeit, ...

... Marianne Ahlfeld-Heymann machte Karriere als Bühnen- und Kostümbildnerin in Köln und Mannheim. Erstmals ist das Schaffen beider in dieser Fülle im Kölner Museum für Angewandte Kunst (MAKK) zu sehen. Hier die Handpuppe "Eremit", 1926).

Margarete Heymann-Loebenstein entwarf für die keramischen Werkstätten in Frechen und Köln und später in den mit ihrem Bruder und ihrem Mann gegründeten "Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik" im brandenburgischen Marwitz bei Velten formal ausgefallene und überaus farbenfrohe Keramiken für den modernen Lebensstil.

Ihre Haël-Werkstätten wurden 1925 in den Deutschen Werkbund übernommen. Nach Denunziation als Staatsfeindin durch zwei ihrer eigenen Mitarbeiter musste sie 1933 nach Dänemark fliehen. Ihr Warenlager wurde als "entartete Keramik" beschlagnahmt, ihr Unternehmen unter Wert an einen NSDAP-Funktionär verkauft. Der gründete mit Hedwig Bollhagen die später legendären HB-Werkstätten für Keramik in Marwitz.

Marianne Ahlfeld-Heymann schuf Bühnen- und Kostümentwürfe unter anderem für Carl Maria von Webers "Der Freischütz". Oder für die Inszenierung von Jacques Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" 1929 im Kölner Opernhaus. Zum 200. Geburtstag des in Köln geborenen Operettenkomponisten schließt sich auch hier ein Kreis.

Die Einflüsse der Bauhauslehrer sind dabei mehr als deutlich. Bei Ahlfeld-Heymann ist es vor allem das Vorbild Oskar Schlemmer, der in seiner kreativsten Phase von 1920 bis 1929 in Weimar und Dessau an der staatlichen Kunst- und Gewebeschule lehrte und die berühmte Bauhausbühne leitete. Auch das macht die Ausstellung deutlich.

Fast alle Werke in der Schau mit dem Titel "2 von 14" sind Originale. Das gilt allerdings nicht für die verschmitzt grinsende Marionette von Klein Zaches: Ursprünglich 1926 geschnitzt und farbig gefasst, stammt diese Variante aus dem Münchner Stadtmuseum aus den 1960er Jahren. Marianne Heymann brachte es nicht übers Herz, ihren Enkelkindern den geliebten "Hausgeist" fortzunehmen, deshalb fertigte sie eine Zweitversion.

Überhaupt bereitet das MAKK den beiden Bauhäuslerinnen zum 100. Geburtstag ihrer Lehrstätte eine relativ große Bühne. So ist bereits der wundervoll geschwungene Treppenaufgang zur Ausstellung mit Symbolen bestückt, die auf die Schwerpunkte der beiden Künstlerinnen hinweisen.

Und für die sonst eher sehr dezente Ausstellungsarchitektur des Museums ist diese "Installation" zu Heymanns Bühnenbild für das Märchen "Schneewittchen" in Mannheim (1929) - in einer Version mit bösen Waldgeistern - samt rotem Apfel fast schon revolutionär.

Ein Stockwerk tiefer ist im MAKK die Ausstellung "Große Oper – viel Theater?" zu sehen, die insgesamt 19 Bühnenprojekte der letzten Jahre aus Deutschland und Europa vorstellt. Natürlich steht dabei die von Wilhelm Riphahn entworfene Kölner Oper im Fokus, die momentan saniert wird - hier eine historische Aufnahme des großen Kölner Architekturfotografen Karl Hugo Schmölz.

Aber auch andere spektakuläre Opernbauten können sich sehen lassen. So wird das frisch sanierte National Theatre in London direkt an der Themse mit Fotos und Entwürfen ebenso vorgestellt wie die Neubauten des "Den Norske Opera & Ballett" , des "Gdanski Teatr Szekspirowski" in Gdansk oder des Everyman Theatre in Liverpool.

Auf die Eröffnung der hauseigenen Designsammlung muss man wegen Sanierungsarbeiten leider noch ein wenig warten. Dafür entschädigt in der Haupthalle mit ihrem offenen Treppenhaus der Mercedes 300 SL "Gullwing", der schnelleste Sportwagen seiner Zeit. Und bis heute vielleicht der schönste. Form und Funktion in Vollendung. Wie beim Bauhaus.

"2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus" ist noch bis zum 11. August 2019 im Museum für Angewandte Kunst Köln zu sehen (Marianne Heymann, Handpuppe "Moorhexe", 1926).

Bauhaus-Frauen: Marianne Ahlfeld-Heymann

WDR 3 Mosaik 12.04.2019 06:03 Min. WDR 3

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Stand: 12.04.2019, 19:56