Dank "WDR 3 im Museum" nicht mehr #alleinimmuseum

Dank "WDR 3 im Museum" nicht mehr #alleinimmuseum

Von Thomas Köster

Die Museen in NRW sind dicht, die meisten Direktor*innen und Kurator*innen im Homeoffice. Für unseren Instagram-Kanal "WDR 3 im Museum" waren sie nochmal #alleinimmuseum. Und zeigen Ihnen in Selfie-Storys ihre Lieblingswerke und liebsten Ecken.

"WDR 3 im Museum"-Aktion #alleinimmuseum

Ja, es stimmt, was der britische Bildhauer Tony Cragg in seinem Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal betont: Die Exponate in den Museen und öffentlichen Einrichtungen sind einen Gutteil ihres Daseins eh allein. Und trotzdem kann man sich nicht vorstellen, dass sie sich nicht über Betrachter und Besucher freuen.

Ja, es stimmt, was der britische Bildhauer Tony Cragg in seinem Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal betont: Die Exponate in den Museen und öffentlichen Einrichtungen sind einen Gutteil ihres Daseins eh allein. Und trotzdem kann man sich nicht vorstellen, dass sie sich nicht über Betrachter und Besucher freuen.

Betrachter können natürlich auch die Direktor*innen sein. Oder die Sammler*innen. Oder die Künstler*innen! Die Düsseldorfer Sammlerin Julia Stoschek hat sich deshalb den Künstler Tobias Zielony mit in ihre Sammlung geholt, der uns etwas über seine Arbeit "Maskirovka" erzählt. Aber die "echten" Besucher fehlen natürlich trotzdem.

Bei der Artothek in Köln ist es doppelt doof, dass niemand mehr kommen kann. Denn dort sind nicht nur Ausstellungen wie momentan "Ultra" zu sehen (oder eben nicht zu sehen). Sondern Interessenten können sich auch Kunstwerke ausleihen und mit nach Hause nehmen. Oder momentan eben nicht, was Leiterin Astrid Bardenheuer natürlich sehr bedauert. Denn das, was den Menschen ausmacht, ist vor allem ja auch, dass er Kunst genießen kann.

Bestimmte Arbeiten passen aber auch gar nicht an die eigenen Wände, sondern brauchen das entsprechende Museum. Und sind für eben diese Räume gemacht. Wie die Arbeiten von Kirstin Arndt im Kunstverein Mönchengladbach, die uns Kurator Wilko Austermann vorstellt. Da müsste man also eigentlich hin.

Auch alle Museumsdirektor*innen und Kurator*innen vermissen ihre Besucher*innen! Das hebt Yilmaz Dziewior, der das Kölner Museum Ludwig leitet, in seiner sympathischen Eröffnungs-Story unserer Aktion hervor. Und er zeigt uns auch gleich sein Lieblingsbild.

Das macht auch Hermann Arnold vom LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster: Max Ernst: "Der Vogel aus Übersee" (1954), ein Sehnsuchtsbild. Aber er zeigt uns auch seine Lieblingsecken!

Die Lieblingsecke von Leiterin Petra Hesse in ihrem Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAKK) ist übrigens das imposante Treppenhaus mit dem wundervollen Brunnen und der schönen Deckenkuppel von Rudolf Schwarz. Da geht sie für uns hoch.

Direktorin Susanne Gaensheimer von der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW zeigt uns ein abstraktes Gemälde der bereits 95-jährigen libanesischen Malerin Etel Adnan, das das Museum im letzten Jahr erworben hat und neuerdings in unmittelbarer Nachbarschaft von Matisse und Braque präsentiert.Und sie weist darauf hin, dass die Kunstsammlung NRW - wie viele anderen Museen - ihre Online-Präsenz im Zuge der Krise inzwischen stark ausgebaut hat.

Manuel Neukirchner, Gründungsdirektor des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund, schlägt einen optimistischen Bogen von seinem Lieblingsobjekt - dem Weltmeisterschaftsschuh von Helmut Rahn von 1954 - zur heutigen Situation: "Immer weitermachen, nicht aufgeben - das sollte uns allen in dieser Phase ein bisschen Mut geben."

Auch Kuratorin Alexandra Kolossa schafft es in der gähnenden Leere des Ludwig Forums in Aachen, einen neuen Blick auf ohnehin schon aktuelle Kunst zu werfen. Auf Duane Hansons hyperrealistische "Supermarket Lady" (1970) nämlich. Die steht laut Kolossa eigentlich "für das amerikanische Konsumverhalten der 1970er Jahre. Und heute, in Zeiten von Corona, steht sie für unsere Hamsterkäufe".

Thomas Thiel geht angesichts der Corona-Krise ebenfalls mit einem ganz anderen Blick allein durch seine Ausstellung. Die Installation "Spa and Beauty"  von Geumhyung Jeong verweist für den Direktor des Museums für Gegenwartskunst in Siegen angesichts der Pandemie nicht nur auf unseren Wunsch nach Schönheit. Körperpflege bekommt ganz klar einen Schutz- und Sicherheitsaspekt.

Das passt zu dem, was die künstlerische Direktorin Julia Höner in der Ausstellung "Something between us" im Düsseldorfer KAI 10 erblickt: Die nämlich thematisiere etwas, was uns gerade besonders fehlt. Und zwar zwischenmenschliche Nähe. Es steht halt momentan echt etwas zwischen uns!

Selbst das Graffiti-Skellett des "Sprühers von Zürich" Harald Nägeli an der Außenfassade des Museum Schnütgen scheint einen Bezug zur momentanen Lage zu haben. Auch wenn der Aspekt, dass der Tod hier den Zugang zur Kirche verwehrt, etwas ziemlich Makabres hat. Kurator Tobias Kunz hebt denn auch die Bedeutung des Bilds als "Protest gegen die Zumauerungswut seiner Zeit" hervor. Irgendwie auch ein Appell an alle, zu Hause zu bleiben - aber sich nicht wütend zurückzuziehen, sondern doch zumindest digital weiter zu kommunizieren.

Andere Direktor*innen zeigen, dass man aus früheren Zeiten durchaus auch lernen kann. Josef Mangold, der mit ein paar Hühnern allein im Freilichtmuseum Kommern ist, präsentiert uns eine so genannte "Klöntür" von 1719, die sich halb öffnen lässt. Da kann man sich mit dem gebotenen Abstand mit den Nachbarn auf der Straße unterhalten. Wäre das nicht etwas zum Selberbasteln in den nächsten Tagen?

Manche Arbeiten wirken im Angesicht von Ausgangsbeschränkungen sowieso fast wie Vorschläge, wie man sich daheim die Zeit vertreiben kann, wenn einem die Decke auf den Kopf zu fallen droht. So wie die Arbeiten der Surrealisten, die uns Museumsdirektor Oliver Kornhoff vom Arp Museum Rolandseck vor Augen führt. Einfach ausrangierte Gegenstände vom Speicher holen, auseinandernehmen und neu zusammenzusetzen. Also wie beim Hummertelefon "Welten zusammenzubringen, die man eigentlich nicht zusammen denkt".

Den Garten könnte man natürlich auch mal wieder umgraben. Oder einen Acker mieten, um Kartoffeln anzupflanzen. Und dabei vielleicht auch schon mal ein wenig üben für den Besuch im Museum Ostwall im Dortmunder U. Dort darf man nämlich bei Wolf Vostells Intsllation "Umgraben" von 1974 ebenfalls Hand anlegen. Und das hört sich klasse an - wie man in unserer #alleinimmuseum-Story von Regina Selter und Stefanie Weißhorn-Ponert hören kann!

Oder Sie machen so etwas in der Art der luftigen Betonkonstruktionen von Vincent Ganivet, die uns Friederike Fast vom Marta Herford präsentiert. Warum nicht einmal so etwas mit den Mauersteinen oder Ersatz-Dachziegeln im heimischen Keller basteln?

Ansonsten haben sich Künstler und Designer schon damals Gedanken gemacht, wie man alleine auf kleinstem Raum gut überleben kann. Stefan Wewerka war so ein Künstler. Anna Arnold von der Villa Zanders in Bergisch Gladbach zeigt uns deshalb seine "Zella" von 1984, die Schlafraum, Kochnische und Lebensraum ist. Die Ausstellung ist inzwischen leider abgebaut.

Trotz aller Hilfestellungen aus dem Kunstbereich: Nicht mal seinem Therapeuten kann man momentan erzählen, wie es in einem aussieht! Aber wie sieht ein Therapeut aus? Bei Simon Schubert ist er ein Hase. Zumindest sieht der Hase fast wie ein Psychologe aus. Findet zumindest Museumsleiter Fritz Emslander vom Museum Morsbroich.

Wird der Kapitalismus die Corona-Krise überleben? Diese Frage stellt Kuratorin Henriette Pleiger. Sie steht in der leeren Bundeskunsthalle vor einem schlafenden Monster, an dem winzige Heißkleber-Figuren schamlos Raubbau betreiben. Gerade jetzt ist die dortige Ausstellung "Wir Kapitalisten" aktueller denn je. Und gerade jetzt können wir sie nicht sehen!

Im Vergleich zur evolutionären Dauer relativiert sich ohnehin so einiges. Darauf macht die Leiterin des Neanderthal Museums, Bärbel Auffermann, anhand der verschmitzt guckenden Rekonstruktion des Vormenschen "Lucy" aus Äthiopien aufmerksam. "Sie sagt: Hey, ich habe vor 3,2 Millionen Jahren gelebt. Und was treibst du so auf diesem Planeten?" Auch Lucy freut sich natürlich, wenn es die Menschen auf dem Planeten wieder ins Museum treibt.

Bis dahin sollte man an die schönen Dinge denken. Daran, dass die Tiere zurück in die Städte kommen. Dass jetzt Zeit zum Entschleunigen wäre. Oder dass der Himmel blauer ist denn je. Überhaupt: Dass das Leben bunt ist. Wie die Lieblings-Neonskulptur von Leonard Lueg vom Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna. Mit ihrer zauberhaften Botschaft.

Dann bekommt man sicher auch ein Gespür für die Wunder der alltäglichen Welt. Das hat uns die Fotografin Aenne Biermann vorgemacht, findet der Leiter der Fotografischen Abteilung des Essener Museum Folkwang, Thomas Seelig. Er ist einziger Besucher ihrer geschlossenen Retrospektive "Vertrautheit mit den Dingen". Und fasziniert davon, wie schön Biermann zum Beispiel eine simple Blutorange in Szene setzte. "Seitdem sehe ich im Supermarkt ein Stillleben nach dem anderen."

Und was ist mit dem Regen? Vielleicht bekommt man ja auch wieder ein ganz neues, feines Gespür für den Regen! Das Regenrauschen in der Installation von Kerstin Ergenzinger im geschlossenen Düsseldorfer KIT kann man momentan nicht hören. Ach, stimmt ja gar nicht: Dank der #alleinimmuseum-Story des Kuratorenteams Gertrud Peters und Mischa Kuball geht das ja doch!

Am Ende wird sich dann hoffentlich herausstellen, dass die Kunst auch diese Krise beflügelnd gemeistert haben. Wie auf Thomas Hubers Gemälde des schwebenden Bonner Kunstmuseums, das sich zu den Sternen aufmacht und - natürlich! - im Bonner Kunstmuseum hängt. Dessen Intendant Stephan Berg stellt uns sein "momentanes Lieblingsbild" vor. Hoffentlich können wir bald hingehen und es uns selbst einmal live betrachten. Getreu dem Motto Bergs: "Die Phantasie besiegt am Ende alles."

Vielleicht kann man das ja schon Ende Mai sehen. Da eröffnet mit etwas Glück die von Janice Mitchell kuratierte Ausstellung "Mapping the Collection" in Köln. Ihre Selfie-Story drehte Mitchell als Stipendiatin für amerikanische Kunst am Museum Ludwig allerdings nicht #alleinimmuseum, sondern #alleineingesperrtbeimfreund. Warum? Verrät die Story.

Dann müssen auch die Direktor*innen und Kurator*innen der NRW-Museen endlich nicht mehr #alleineimmuseum sein. Dann werden die Exponate auch im Textilwerk Bocholt sicher wieder aufgedeckt ...

... und die Ausstellungsmacher*innen haben wieder menschliche Ansprechpartner. Bis dahin muss sich Direktorin Ruth Rosenberger vom Bonner Haus der Geschichte mit der Roboterdame Eva unterhalten. Aber auch die freut sich sicher wieder auf interessierte Gäste. 1.000 bis 1.500 sind es sonst am Tag!

Andrea Niehaus vom Deutschen Museum Bonn setzt sich in ihrer Ausstellung zu Computerspielen in den allerersten Rennsimulator. Aber das hält man natürlich nicht mehrere Wochen lang durch.

Und auch, wenn es schön ist, die eigenen Exponate bei absoluter Dunkelheit einmal neu zu entdecken, wie Nanette Snoep vom Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln das für uns tut: Irgendwann müssen die Lichter auch wieder angehen! Obwohl: Snoeps Lieblingsobjekt Vishnu steht die Dunkelheit wirklich gut zu Gesicht!

Für uns Normalsterbliche, die ohnehin draußen bleiben müssen, gab es ja zum Glück unsere Instagram-Kampagne #alleinimmuseum von "WDR 3 im Museum". Da können zum Beispiel all jene, die es nicht mehr in die großartige Moebius-Ausstellung im Max-Ernst-Museum in Bad Godesberg geschafft haben, einen letzten Blick in die Räumlichkeiten werfen. Exklusiv geführt von Kurator Patrick Blümel.

Wobei: Auch die, die draußen bleiben müssen, können beizeiten etwas sehen! Darauf macht Direktorin Söke Dinkla vom Lehmbruck Museum in Duisburg aufmerksam. Denn die große Fensterfront ihres Lieblingsraums ermöglicht zumindest den Blick auf einen Teil der grandiosen "Biester der Zeit" des britischen Bildhauers Lynn Chadwick. Dinklas Botschaft: Vorbeikommen und die Nase am sieben Meter hohen Fenster platt drücken!

Oder man schürt seine eigene Vorfreude. In die tolle Foto-Ausstellung "Subjekt und Objekt" in der Kunsthalle Düsseldorf zu Beispiel durfte noch niemand rein! Außer Direktor Gregor Jansen natürlich. Und der gibt uns schon einmal einen exklusiven Vorgeschmack.

Das macht auch Mueumsdirektorin Susanne Titz vom Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Bei ihr wartet eine Ausstellung der US-Konzeptkünstlerin und Klimaaktivistin Andrea Bowers darauf, endlich von den Besucher*innen entdeckt zu werden. Und dann können wir endlich wieder über etwas anderes reden als übers Virus. Und zwar übers Wetter. Denn der Klimawandel ist ja auch noch da. "May the forest be with you!"

Und Kuratorin Sally Müller macht im Museum Haus Opherdicke in Holzwickede auf ein paar Geheimnisse aufmerksam, die man eigenhändig lüften kann. Sobald man wieder reindarf.

Deshalb gilt für alle der rund 40 in unserer Serie #alleinimmuseum vorgestellten Museen natürlich das, was schon Museumsdirektor Yilmaz Dziewior formuliert hat. Und was auch Benhard Misof vom Forschungsmuseum König in Bonn wieder aufgreift: "Ihr alle fehlt!" Und: "Wish U Were Here!"

Na, Lust bekommen? Dann klicken Sie sich doch mal durch die Bewegtbild-Originale! Alle Selfie-Storys verbergen sich bei Instagram auf "wdr3_im_museum" hinter den runden Bildern in der oberen Navigationsleiste. Die aktuellste Story erreichen Sie per Klick auf das rot umrandete WDR 3-Logo. Und täglich kommt eine neue Story dazu!

Stand: 28.03.2020, 06:00 Uhr