Das Beste im Kunstjahr. Ausstellungsrückblick 2017

Das Beste im Kunstjahr. Ausstellungsrückblick 2017

Was war das Beste in den NRW-Museen 2017? Wir präsentieren die Highlights und die Köpfe dahinter. Mit Künstlerporträts und Ausstellungsfotos unseres Fotografen Thomas Köster.

Yvonne Roeb, Bestiarium, Hetjen-Museum 2016 (Ausstellungsansicht)

Die Kunst von Yvonne Roeb ist eher unbequem. Ihre Flugskelette, Menschen mit Tentakelköpfen und Langustenmasken mit Pferdehaar changieren zwischen Traum und Wirklichkeit, naturwissenschaftlicher Präzision und surrealer Vorstellungskraft. Das Keramikmuseum Hetjens in Düsseldorf zeigte 2017 ihr etwas zahmeres "Bestiarium".

Die Kunst von Yvonne Roeb ist eher unbequem. Ihre Flugskelette, Menschen mit Tentakelköpfen und Langustenmasken mit Pferdehaar changieren zwischen Traum und Wirklichkeit, naturwissenschaftlicher Präzision und surrealer Vorstellungskraft. Das Keramikmuseum Hetjens in Düsseldorf zeigte 2017 ihr etwas zahmeres "Bestiarium".

"Yvonne Roeb. Bestiarium", Keramikmuseum Hetjens Düsseldorf (10.02.-30.04.2017).

Der Schlaf der Vernunft gebiert bekanntlich Ungeheuer. Aber was gebiert der Schlaf im Museum? Zum Start von "Die innere Haut. Kunst und Scham" durfte der Franzose Virgile Novarina das intime Reich des Traums erkunden. Hier präpariert er sich mit Schlafbrille und Ohropax nach 72 Stunden Wachheit dafür, die Vernissage zu verschlafen.

"Die innere Haut. Kunst und Scham", Marta Herford (04.03.-04.06.2017).

Skulptur ist soziale Bewegung. Das jedenfalls behauptet Tänzer und Choreograf Xavier Le Roy, der sich passend zur "Skulptur Projekte Münster" das Bein brach. Gemeinsam mit der Künstlerin Scarlet Yu hat er Menschen in Workshops darin unterrichtet, ihren Körper im Stadtraum in lebende Skulpturen zu verwandeln – und anschließend mit Passanten darüber zu reden.

"Skulptur Projekte Münster" (10.06.-01.10.2017); hier der "Einsatzplan" in der Kaffeeküche der Ausstellungsmacher.

Menschen und raumgreifende Skulpturen sind auch das Thema von Erwin Wurm. In seiner Doppelausstellung im MKM Museum Küppersmühle und im Lehmbruck-Museum Duisburg waren die Besucher eingeladen, in Möbelstücke einzusteigen und sich mit den darin verborgenen Alkoholika sinnlos zu betrinken. 90 Meter Wand waren mit einem 400-Quadratmeter-Pullover bestrickt: "Man muss sich ja etwas einfallen lassen, um den Raum zu meistern."

"Erwin Wurm", MKM Museum Küppersmühle und Lehmbruck-Museum Duisburg (07-07.-29.10.2017).

Den Raum kann man auch dadurch meistern, dass man ihn verleugnet. So wie der Fotograf Axel Hütte, der seinen Landschaftsbildern durch Nebel im Hinter- oder Brückenkonstruktionen im Vordergrund jegliche Tiefe nimmt. Das Museum Kunstpalast präsentiert noch bis Anfang Januar rund 70 großformatige Nacht- und Tagbilder des Vertreters der Düsseldorfer Fotoschule von 1995 bis 2017.

"Axel Hütte. Night and Day", Museum Kunstpalast Düsseldorf (23.09.2017-14.01.2018).

Die Verknüpfung von Volk und Raum hat bei Georg Herold eher etwas Anrüchiges. Im Bonner Kunstmuseum zeigte der Kölner Künstler, der 1973 aus der DDR freigekauft wurde und in den 1980er Jahren mit Martin Kippenberger den Kunstbetrieb auf die Schippe nahm, Dachlattenumrisse Deutschlands in den Grenzen von 1937. Politisch aufgeladene Kunst aus dem Baumarkt.

"Georg Herold", Kunstmuseum Bonn (21.09.2017-07.01.2018).

Alexander Kluges Kunst ist weniger platt, aber auch weniger witzig. Aus einem schier unendlichen Wissensfundus schafft er mit großer Leidenschaft überraschende Bezüge, die zunächst willkürlich scheinen. Zwischen Ökonomie und Mythos zum Beispiel. Oder zwischen Liebe, Macht und der Lebenszeit als Währung. Im Museum Folkwang bespielte er sogar die Decken.

"Alexander Kluge. Pluriversum", Museum Folkwang Essen (15.09.2017-07.01.2018).

Hat der De-Stijl-Designer Gerrit Rietveld die zeitgenössiche Kunst beeinflusst? Ja. Er hat. Im Marta Herford konnte man das nachverfolgen. Etwa an dem rechtwinkligen Konstruktionsmonster, das der belgische Künstler und studierte Architekt Adrien Tirtiaux aus Latten in der Manier des "Rietveld-Knotens" konstruierte.

"Revolution in Rotgelbblau. Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst", Marta Herford (14.10.2017-04.02.2018).

Bernd Koberling hält eher nichts von De-Stijl, namentlich nichts von den Bildkonstruktionen Piet Mondrians. Die 80 teils großformatigen, zwischen 1963 und 2017 entstanden Gemälde der Retrospektive im Museum Küppersmühle sind eher geprägt von einem expressiven Malduktus, der Koberling in den 1960ern zu einem der wichtigsten "Neuen Wilden" machte.

"Bernd Koberling. Werke 1963 -2017", MKM Museum Küppersmühle Duisburg (17.11.2017-28.01.2018).

Knisterkleider, Mitmach-Bilder und Mausefallen zum Schachspielen: Takako Saito ist eine zentrale Figur der Fluxus-Bewegung. Das Museum für Gegenwartskunst in Siegen hat der 88-jährigen Künstlerin 2017 endlich eine erste Retrospektive ausgerichtet. Dort kann man sogar, dem Motto "You and Me" gemäß, kleine Kunstwerke gemeinsam mit Saito kreieren.

"Takako Saito. You and Me", Museum für Gegenwartskunst Siegen (12.11.2017-18.02.2018).

Irgendwie war 2017 das Jahr der Fluxus-Frauen. Eine der Gründungsmütter der Kunstrichtung, Mary Bauermeister, hat sie über das Jahr verteilt unaufhörlich Kunstwerke aus ihrem Künstler-Wohnhaus in Rösrath zusammengestellt, um damit 2017 insgesamt sechs Ausstellungen zu bestücken. Die in Bergisch Gladbach läuft noch, ebenso wie einige andere der hier vorgestellten Schauen. Unbedingt hingehen!

"Mary Bauermeister. Zeichen, Worte, Universen", Kunstmuseum Villa Zanders Bergisch Gladbach (10.12.2017-08.04.2018).

Stand: 27.12.2017, 09:00 Uhr