Farbe bekennen! Walter Ophey in Düsseldorf

Farbe bekennen! Walter Ophey in Düsseldorf

Von Thomas Köster

Walter Ophey war einer der wichtigsten Vertreter des Rheinischen Expressionismus. Unbegreiflich, warum er nach 1945 in Vergessenheit geriet. Eine große Retrospektive im Düsseldorfer Kunstpalast schafft jetzt Abhilfe. Endlich.

Walter Ophey. Farbe bekennen, Kunstpalast Düsseldorf 2018 (Ausstellungsansicht)

Mit 170 Gemälden und mehr als 3.000 Papierarbeiten besitzt der Kunstpalast die größte Sammlung des 1882 in Eupen geborenen und 1930 in Düsseldorf gestorbenen Expressionisten Walter Ophey. 80 Exponate aus dieser Sammlung werden nun in Düsseldorf präsentiert – kombiniert mit 40 Leihgaben aus Museen und von Privatsammlern. "Herbstphantasie" (1912) kommt aus den eigenen Beständen.

Mit 170 Gemälden und mehr als 3.000 Papierarbeiten besitzt der Kunstpalast die größte Sammlung des 1882 in Eupen geborenen und 1930 in Düsseldorf gestorbenen Expressionisten Walter Ophey. 80 Exponate aus dieser Sammlung werden nun in Düsseldorf präsentiert – kombiniert mit 40 Leihgaben aus Museen und von Privatsammlern. "Herbstphantasie" (1912) kommt aus den eigenen Beständen.

1954 erwarb die Stadt Düsseldorf Opheys Nachlass – ein absoluter Glücksfall, denn so blieb ein herausragendes und experimentierfreudiges Werk, das durch ein wundervolles Gespür für Farbigkeit gekennzeichnet ist, zu einem guten Teil zusammen. Der Ausstellungstitel "Farbe bekennen!" schlägt da einen guten Bogen.

Bekannt wurde Ophey mit seinem lichtdurchfluteten, als "Hellmalerei" bezeichneten Frühwerk, das noch stark von den französischen Impressionisten und Pointillisten beeinflusst wurde. Deutlich zu sehen etwa auf dem Gemälde "Mondnacht in Zons" (1907/08), das aus kleinen Pinselpunkten zusammengesetzt ist.

Auch die Einflüsse von Vincent van Gogh und von japanischen Holzschnitten sind in Komposition und Malduktus spürbar. Bei seinen Motiven zeigt er ein weites Spektrum. Darstellungen archaischer Figuren oder technischer Geräte finden sich ebenso darunter wie Porträts, Stillleben und Landschaften ("Bernhardine Bornemann im Kostüm", 1906/07).

In den 1920er Jahren entdeckt Ophey das Figurenstillleben für sich, Holzskulpturen, Möbel und Stoffe geraten in den Fokus. Diese religiöse Figurengruppe stammt aus seinem Besitz.

Ein Blick auf das farblich eher zurückhaltende und auch kompositorisch ruhigere Spätwerk zeigt, wohin Opheys Weg noch hätte führen können. Verhindert wurde dies durch seinen frühen Tod 1930 mit nur 47 Jahren. 1950 fertigte Joseph Beuys nach einem Entwurf von Ewald Mataré seinen Grabstein. Auch das macht deutlich, welchen Stellenwert Ophey auch bei der nächsten Generation von Künstlern hatte.

Vor allem in seinen farbigen Kreidezeichnungen habe Ophey einen einzigartigen Stil geschaffen, der sich "auf die Wiedergabe farbig-vibrierender Konturlinien" beschränke, betont dem entsprechend Kuratorin Gunda Luyken. In Düsseldorf ist auch Opheys äußerst dekorativer Pastellkreidekasten zu sehen, den er selbst bemalte.

Den Aquarellen und Zeichnungen mit Kohle, Bleistift oder Kreide ist eine schön arrangierte Wand in Petersburger Hängung gewidmet, die man genauer studieren sollte.

Hier lässt sich manche Entdeckung machen ("Kuh", um 1921).

"Es ist mir eine große Freude, dass wir mit unserer Ausstellung zur Wiederentdeckung von Walter Ophey beitragen", betont auch Kunstpalast-Generaldirektor Felix Krämer. "Er war ein bedeutender rheinischer Expressionist und engagierter Wegbereiter der Moderne in Deutschland." Wer die wundervoll gehängte Ausstellung besucht, kann dem nur zustimmen ("Bücklinge", um 1926).

So ist der Ausstellung ein wahrer Besucheransturm zu wünschen. Was andererseits wieder schade wäre. Denn die Schau strahlt bei aller bis in die Ausstellungsarchitektur hinein wirkenden Farbigkeit eine Ruhe aus, die ebenfalls bemerkenswert ist.

"Walter Ophey. Farbe bekennen!" ist noch bis zum 13. Januar im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. Zur Ausstellung ist ein schöner Katalog erschienen, der mit der "Grünen Madonna" (um 1913) eines der schönsten Motive des Malers auf den Titel rückt.

Hier spiegelt sich das Museumsgebäude in einer Skulptur des britischen Bildhauers Tony Cragg, von dem bis Februar 2019 mehrere Skulpturen im Ehrenhof zu sehen sind. Auch sehr sehenswert.

Stand: 15.09.2018, 06:00 Uhr