Die 68er, Rainer Langhans und der Kunstverein Ahlen

Rainer Langhans

Die 68er, Rainer Langhans und der Kunstverein Ahlen

Der Kunstverein Ahlen hat ein Düsseldorfer Künstlerpaar ausgezeichnet - für ein Werk, in dessen Mittelpunkt ein Schamhaar von Rainer Langhans steht. Es ist zurzeit in einer Schau zu dem 68er-Mythos in Ahlen zu sehen. Wir haben mit Kurator Ruppe Koselleck gesprochen.

WDR 3: In den Medien wird jetzt überall geschrieben, dass das vergoldete Haar von Rainer Langhans einen Kunstpreis bekommen hat. Trifft es das tatsächlich?

Ruppe Koselleck

Ruppe Koselleck ist Künstlerischer Leiter vom Kunstverein Ahlen

Ruppe Koselleck: Einerseits ja, andererseits überhaupt nicht. Das Haar ist vergoldet, weil man es vergolden musste – um es unter dem Elektronenrastermikroskop untersuchen zu können. Das heißt: Es ist ein technisches Verfahren.

Von daher ist die Vergoldung gleichzeitig ein Missverständnis. Man denkt, dass die beiden Künstler Evelyn Möcking und Daniel Nehring das Schamhaar durch Vergoldung aufwerten. Aber das ist Quatsch. Die wissenschaftliche Methodik verlangt eine Vergoldung.

WDR 3: Können Sie uns beschreiben, was das Kunstwerk über das besagte Schamhaar hinaus ausmacht?

Koselleck: Man sieht mitnichten nur dieses Schamhaar. Das Haar ist wohl im Zentrum, aber der allergeringste Teil dieses Werks. Es ist auf einer Platte befestigt, mit einem Glaskasten drumherum, darunter ein selbst gebauter Sockel.

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Gleichzeitig gibt es eine Videoprojektion, die zeigt, wie man mit dem Elektronenrastermikroskop immer tiefer geht und immer genauer sieht, was da eigentlich zu sehen ist. Die Genauigkeit ist aber gleichzeitig eine Entfremdung. Denn auf den Bildern kann man das Schamhaar als Schamhaar nicht mehr identifizieren.

WDR 3: Sie begründen die Auszeichnung damit, dass das Werk die sexuelle Befreiung thematisiere. Können Sie uns das erklären?

Koselleck: Man muss sich mal überlegen, dass man sich inzwischen der Schamhaare schämt – man entfernt sie ja meist. Wenn man nun innerhalb dieses Kunstwerks das Schamhaar zeigt, verweist dies auf einen gegenwärtigen Befund. Das Ganze ist ein intelligenter Kommentar zu der Infantilisierung der Sexualität.

WDR 3: Spielt Rainer Langhans dann überhaupt eine Rolle?

Koselleck: Es ist tatsächlich das Haar von Rainer Langhans. Das spürt man in der Installation. Er wird instrumentalisiert – und sein Mythos wird dekonstruiert.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 18.05.2018, 15:26