Urban Art mit Geistern, Affen und der Worringen-Schlacht

Urban Art mit Geistern, Affen und der Worringen-Schlacht

Von Susanne Schnabel

Kunst im öffentlichen Raum prägt das Bild einer Stadt. Wie bunt, vielseitig, professionell und international die Urban-Art-Szene agiert, zeigt sich in Düsseldorf.

Düsseldorf ist voller Museen, Kunstgalerien und Ateliers. Doch auch auf der Straße finden sich unzählige kreative Kunstwerke. Beim "Urban-Art-Walk" zeigt Klaus Rosskothen jeden Samstag Touristen und Düsseldorfern die versteckten Schätze seiner Stadt.

Düsseldorf ist voller Museen, Kunstgalerien und Ateliers. Doch auch auf der Straße finden sich unzählige kreative Kunstwerke. Beim "Urban-Art-Walk" zeigt Klaus Rosskothen jeden Samstag Touristen und Düsseldorfern die versteckten Schätze seiner Stadt.

An Fassaden, Wänden, in Hinterhöfen oder Unterführungen haben lokale, nationale und internationale Urban-Art-Künstler Kunstorte geschaffen, die das Bild des öffentlichen Raums immer mehr prägen.

Ihre Botschaften sind mal politisch, mal poetisch, mal einfach nur lustig. Hier ist das Gemeinschaftsprojekt "Auf die Zwölf" zu sehen, an der auch lokale Größen wie Magic und L.E.T. mitgearbeitet haben. Der Düsseldorfer L.E.T. wurde bekannt durch seine Stencils, also Gemälde, die mittels Schablone mit verschiedenen Sprühfarben an die Wand kommen. Oliver Räke ist seit den frühen 1980er Jahren unter dem Graffiti-Pseudonym "Magic" aktiv und gilt als Wegbereiter der Street-Art-Kunst.

Klaus Rosskothen, Betreiber der Galerie Pretty Portal, ist Kenner der Szene. Er arbeitet seit Jahren mit den Künstlern zusammen, holt internationale Größen in die Stadt und setzt mit ihnen Projekte um. Hier steht er neben einem Paste-Up von Ardif. Paste-Ups sind mit Kleister oder Leim aufgezogene Plakate.

Ardifs "Mechanimals" - eine Mischung aus Tieren und mechanischen Elementen - bevölkern vor allem Paris, aber auch London und New York. Die Idee dahinter: Maschinen begleiten unseren Alltag. Ardif stellt in seinen Kunstwerken Natur und Maschine gegenüber, mischt Waschbär, Zebra oder Wolf mit Zahnrad und Keilriemen. Seit September 2018 sind mehrere seiner Werke in Düsseldorf zu sehen.

Ein weiterer internationaler Star ist Fin DAC. Der Londoner zählt zu den gefragtesten Künstlern der Urban-Art-Szene. Er selbst bezeichnet seinen Stil als "Urban Aesthetics". Meist kreiert er asiatisch anmutende Frauen in feinem Schwarz-Weiß. Charakteristisch für seine Bilder ist ein großer Farb-Spritzer über der Augenpartie.

Diese Arbeit ist von Jana & Js. Das österreichisch-französische Künstlerpaar lebt in Deutschland, Österreich, Spanien und Frankreich. Sie verdienen ihr Geld mit Street Art.

Stricken für die Straße: Auch "Guerilla Knitting" ist eine Form der Street Art, bei der Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verändert werden. Regen und Sonne setzen der Wolle zu.

Diese beiden Hausfassaden stehen sich am Kunst- und Kulturzentrum Boui-Boui gegenüber. Den Roboter hat der italienische Künstler Pixelpancho aufgesprayt, die Szenerie gegenüber ist eine Neuinterpretation der Schlacht von Worringen. Hier waren fünf Graffiti-Künstler beteiligt.

Diese Fassade hat Farbfieber gestaltet. Der gemeinnützige Verein will mit künstlerischen Mitteln die Kommunikation der Menschen anregen und insbesondere die Völkerverständigung fördern. Hervorgegangen aus der Wandmalgruppe Düsseldorf, die 1978 erste Wandbilder malte, organisiert der Verein seit 1987 Projekte zwischen Künstlern aus verschiedenen Nationen.

Klaus Rosskothen macht auf die kleinen Werke an den Hausecken, Laternenmasten oder Stromkästen aufmerksam. Mal sind die Aufkleber handbemalt, mal in großer Stückzahl gedruckt.

Schnell sind solche kleinen Kunstwerke abgeknibbelt und eingesteckt, was die Szene ärgert, denn Urban Art gehört der ganzen Stadt. Sogar große Werke verschwinden, wie hier ein 2 mal 3 Meter großes Bild der polnischen Künstlerin Tuha mitsamt einer schweren Holzplatte aus einer Unterführung im Jahr 2013. Seitdem steht an der Wand: "Wer hat hier die Kunst geklaut?"

Ein viel größeres Problem der Künstler sei der fehlende Raum, so Rosskothen. So sucht zum Beispiel der Kunstverein Brause, der Düsseldorf seit 18 Jahren mit seinem alternativen Kulturangebot bereichert, ein neues Zuhause. Vor kurzem musste die Brause die Räume der ehemaligen Tankstelle an der Bilker Allee verlassen. Ein Geist vom Künstler PDOT klebt noch an der Scheibe. Seine Sticker sind überall in der Stadt verteilt.

Wenn es sich nicht um eine Auftragsarbeit handelt, bekommen die Urban-Art-Künstler kein Geld für ihre Arbeit. Allerdings haben Galerien und Museen deren Kunst für sich entdeckt. Zum Beispiel zeigt das Moco Museum in Amsterdam eine Sammlung von Werken des Street-Art-Künstlers Banksy. Hier seine berühmten Affen mit dem Slogan "Laugh Now, but one day we'll be in charge" (Lach jetzt, aber eines Tages werden wir das Sagen haben). Der Künstler kritisiert nicht nur die Arroganz der Menschheit gegenüber den Tieren, sondern auch die frühere Geringschätzung seiner Kunst in der sogenannten Hochkultur.

Ein echter Banksy in Düsseldorf - das wäre natürlich eine Sensation. Aber schon jetzt braucht sich die Urban Art hier nicht hinter Metropolen verstecken. Düsseldorf hat viel zu bieten, man muss nur die Augen aufmachen.

Stand: 08.08.2019, 14:00 Uhr