Zeigen, was es nicht gibt. Tony Cragg in Wuppertal

Zeigen, was es nicht gibt. Tony Cragg in Wuppertal

Von Thomas Köster

Es gibt schon zu viel Müll auf der Welt: vor allem ästhetisch. Der in Wuppertal lebende Bildhauer Tony Cragg will den schlechten Farben und faden Formen in unserem Alltag deshalb Neues, nie Gesehenes entgegenstellen. In seinem Skulpturenpark Waldfrieden zeigt er  jetzt spektakuläre neue Arbeiten.

Tony Cragg im Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal 2019

"Die Aufgabe der Bildhauerei ist es, gegen die Verarmung der Form in der Welt zu kämpfen." Diesem Credo gemäß schafft der britische Bildhauer Tony Cragg, der seit 40 Jahren in Wuppertal lebt und bis 2014 Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie war, sechs neue Skulpturen. Momentan arbeitet er an 30 gleichzeitig.

"Die Aufgabe der Bildhauerei ist es, gegen die Verarmung der Form in der Welt zu kämpfen." Diesem Credo gemäß schafft der britische Bildhauer Tony Cragg, der seit 40 Jahren in Wuppertal lebt und bis 2014 Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie war, sechs neue Skulpturen. Momentan arbeitet er an 30 gleichzeitig.

In den letzten beiden Jahren sind die Skulpturen fertig geworden, die Cragg nun in einem der Ausstellungspavillions seines Skulpturenparks Waldfrieden zeigt. "Sie demonstrieren, wo ich in den nächsten Jahren hinwill", sagt der Künstler. Und hebt dabei besonders zwei Skulpturen heraus: die merkwürdig leicht wirkende Bronze "Versus (Atlantis) ...

... und die rostende Stahlskulptur "Lost in Thought" (2018), die wirklich einen neuen Weg beschreitet. Ähnliche Arbeiten Craggs aus derselben Serie gab es bisher nur in Holz.

Die Wesen von "Lost in Thought" hätten ihr eigenes inneres Leben, sagt Cragg. Sie seien "ein bisschen so, wie wir Menschen sind, mit ihren Schutzschichten aus Klamotten, Konventionen und dem Ziel, nie zu sagen, was wir denken oder fühlen." Um das zu verstehen, muss man die Skulptur, wie auch alle anderen, einfach nur umrunden.

Dass Cragg neue Wege geht und sich dabei dennoch treu bleibt, ist nur konsequent. Immerhin basiert die Arbeit des Briten auf der motivierenden Idee, dass es "viel mehr Dinge gibt, die nicht existieren, als die existieren". Mit jeder Cragg-Skulptur kommt aber auch ein neues, existierendes Ding in die Welt. Der kreative Schöpfungsprozess muss sich also neue Wege suchen.

Nicht immer sind diese Wege im Cragg'schen Universum so richtig neu. Zumeist strebt alles nach oben, zumeist als Säule. Das ist auch bei den meisten der jetzt gezeigten "New Works" so. Wo das herkommt, kann man sehen, ...

... wenn man den Ausstellungspavillion verlässt und einfach einmal durch das herrlich idyllische Anwesen des Skulpturenparks mit seinen Kastanien, Linden, Robinien, Ahorn, Lärchen, Eichen und Buchen schlendert.

Da wird in der unmittelbaren Anschauung auch deutlich, wie viel an Formen Cragg nach wie vor der Natur verdankt. Aber das ist ja auch ausdrücklich vom Künstler so gewollt.

Die Orientierung an Gottes Schöpfung gefällt den Auftraggebern. Das künstlerische Spiel damit manchmal nicht. So wie bei "Contradiction" (2017), deren große Schwester im Mailänder Dom steht. Mit dem Argument, dass es in der Kirche keinen "Widerspruch" gäbe, wollte die Kurie das Werk in "Paradoxon" umtaufen. Cragg blieb stur.

Allen kirchlichen Schöpfungsfragen zum Trotz ist Cragg bekennender "Materialist", der Holz, Marmor, Bronze und Stahl mit seinem Team in aufwändigen, oftmals über ein, zwei Jahre sich erstreckenden Fertigungsprozessen an seine Grenzen bringt. Darüber kann man, auch bei den neuen Arbeiten, immer wieder nur ungläubig staunen.

Und dann gibt es auch noch einige kleinere, aber nicht minder feine Arbeiten von Tony Cragg in der wundervollen Villa Herberts, die zum Skulpturenpark gehört und die an sich schon eine Schau ist. Ihre schon etwas schwergängigen Schiebetüren wurden extra fürs Foto aufgemacht. Die Villa ist nur auf Voranmeldung zu Führungen zu besichtigen.

Öffentlich zugänglich ist momentan aber auch der zweite von insgesamt drei Ausstellungspavillions des Skulpturenparks, der momentan drei zauberhaften Skulpturen Joan Mirós als luftige Wohnung dient. In wenigen Monaten werden sie auf das Waldgelände ausgelagert, wo sie Patina ansetzen können. Ab Sommer gibt es dann an selber Stelle eine andere, größere Miró-Ausstellung.

"Tony Cragg. New Works" ist noch bis zum 12. Mai 2019 im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zu sehen. Danach reisen die Werke zu verschiedenen Ausstellungen des Bildhauers in aller Welt, wo sie vermutlich nicht mehr so viel Platz zum Atmen haben.

Stand: 08.02.2019, 14:38 Uhr