Kunst-Fotos in Quarantäne: "Subjekt und Objekt" in Düsseldorf

Kunst-Fotos in Quarantäne: "Subjekt und Objekt" in Düsseldorf

Von Thomas Köster

Jetzt ist Ostern schon vorbei, und die Museen sind immer noch im Dornröschenschlaf. Dabei gäbe es so viel Tolles zu bestaunen. Wie in der Kunsthalle Düsseldorf, deren im März aufgebaute grandiose Schau zur Fotoszene an Rhein und Ruhr noch niemand gesehen hat. Wir zeigen jetzt schon exklusive Bilder.

Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr, Kunsthalle Düsseldorf 2020 (Ausstellungsansicht)

Die Düsseldorfer "Becher-Klasse", die Folkwangschule für Gestaltung in Essen oder die Kunsthochschule für Medien in Köln: Seit den 1960er Jahren bildete sich gerade im Rheinland und im Ruhrgebiet eine unglaublich vielfältige Fotoszene aus, die international ihresgleichen sucht. Und die bis heute von immer neuen Positionen befeuert wird. (Morgaine Schäfer, "BWS 2212, Sisters", 2019)

Die Düsseldorfer "Becher-Klasse", die Folkwangschule für Gestaltung in Essen oder die Kunsthochschule für Medien in Köln: Seit den 1960er Jahren bildete sich gerade im Rheinland und im Ruhrgebiet eine unglaublich vielfältige Fotoszene aus, die international ihresgleichen sucht. Und die bis heute von immer neuen Positionen befeuert wird. (Morgaine Schäfer, "BWS 2212, Sisters", 2019)

"Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr" zeigt diese Entwicklung anhand von über 600 Werken von rund 100 Künstler*innen auf. (Martin Zellerhof, "Archiv", 2017-2019)

Und das ausgehend von großartigen Lehrern, die teils eigene Schulen begründeten. Wie Otto Steinert mit seinem Ansatz einer "Subjektiven Fotografie" an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen, die ohnehin schon auf eine 100-jährige Foto-Tradition zurückblickt …

… oder Bernd Becher mit seiner Frau Hilla an der Kunsthochschule Düsseldorf, deren konzeptionell-serielle Idee einer "objektiven"​ Fotografie in der Tradition neusachlicher Positionen seit den 1920er Jahren steht. ("Fördertürme , Pennsylvania, USA", 1974-1978) 

Aus der legendären Becher-Klasse gingen unter anderem die trotzdem noch sehr eigenständigen Stile von Boris Becker, Elger Esser, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse oder Thomas Struth hervor. (im Bild: Thomas Struth, "Restauratoren In San Lorenzo Maggiore, Neapel 1988", und der Hinterkopf von Co-Kurator Ralph Goertz)

Oder Andreas Gursky. Hier der wundervolle – noch analoge – Print "Ratingen, Schwimmbad" (1987), aber schon mit dem typischen erhöhten Standpunkt und dem wie inszeniert wirkenden Gewimmel.

Von Köln aus entwickelte Jürgen Klauke eine eigenständige, sehr auf das eigene Individuum und selbstbewusst auf die künstlerische Dimension der Fotografie zentrierte Position. ("Schussfolge / Schlussfolge", 1975)

"Diese Vielfalt geht auf die Dichte der Kunsthochschulen und Werkschulen zurück, die sich an Rhein und Ruhr nach dem Zweiten Weltkrieg herausbildeten", betont Museumsdirektor und Mit-Kurator Gregor Jansen, der hier vor der Collage "Trautes Heim" von Bernhard und Anna Blume in der noch geschlossenen Kunsthalle steht.

Andererseits, so lautet die zentrale These der Ausstellung, habe diese Dichte unter anderem auch "auf die parallel stattfindende künstlerische Entwicklung innerhalb der bildenden Kunst und die Auseinandersetzung mit Positionen der internationalen Kunst" in den Museen von NRW gewirkt. Zum Beispiel mit Abstraktion und Bauhaus. (Martina Sauter, "3 Stufen", 2010, links, und "Tischkante", 2008)

Erstmalig rückt "Subjekt und Objekt" die Bezüge der unterschiedlichen fotografischen Positionen untereinander in einer großartig offenen Museumsarchitektur in den Fokus. Da machen schon die Durchblicke Spaß. (Irmel Kamp, "Bruxelles/Brussel, Brasseries Wielemans Ceuppens", 1996 und 1997)

Und sie vergleicht die Arbeiten von Lehrer*innen und Schüler*innen miteinander. So kann man zum Beispiel die tolle Serie "Deutsche in Uniform" des Steinert-Schülers Timm Rautert bestaunen …

… und zugleich einen Blick werfen auf Arbeiten von Rauterts Schülern, die wiederum auf die Anfänge der künstlerischen Farbfotografie verweisen. Hier bei Bernhard Fuchs, der sich auf die Bewegung der "New Topographics" um Stephen Shore bezieht und auf dessen ikonographischen roten VW Bulli auf dem Foto "Church Street and Second Street, Easton, Pennsylvania, June 20, 1974". ("Roter VW-Bus, Düsseldorf", 2002)

"Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr" ist noch mindestens bis zum 14. Juni 2020 zu sehen. Vielleicht wird die Ausstellung wegen der Corona-Unterbrechung aber auch verlängert.​

Stand: 16.04.2020, 10:00 Uhr