Kunst zum Mitmachen bei "State of the Arts"

Kunst zum Mitmachen bei "State of the Arts"

Von Thomas Köster

In der zeitgenössischen Kunst ist Malerei oft Installation und Skulptur ist Tanz. Die Bonner Bundeskunsthalle präsentiert jetzt Arbeiten, in denen die Künste verschmelzen - und bei denen man unter Corona-Auflagen sogar mitmachen kann.

State of the Arts. Die Verschhmellzung der Künste, Bundeskunsthalle Bonn 2020 (Ausstellungsansicht)

Malerei, Zeichnung, Skulptur: Früher war alles einfach. Aber in der zeitgenössischen Kunst verschmelzen immer mehr die Genres. Wie bei Laure Prouvosts Metallstrichmännchen, die über ihre gemalten oder digitalen Quadratköpfe und per Sound-Einspielung Geschichten erzählen. Da kann man sich nicht mehr einfach so zurücklehnen und konsumieren. Da muss man mitdenken. Und im Idealfall sogar mitmachen.

Malerei, Zeichnung, Skulptur: Früher war alles einfach. Aber in der zeitgenössischen Kunst verschmelzen immer mehr die Genres. Wie bei Laure Prouvosts Metallstrichmännchen, die über ihre gemalten oder digitalen Quadratköpfe und per Sound-Einspielung Geschichten erzählen. Da kann man sich nicht mehr einfach so zurücklehnen und konsumieren. Da muss man mitdenken. Und im Idealfall sogar mitmachen.

"State of the Arts. Die Verschmelzung der Künste" haben die Kuratorinnen ihre Ausstellung genannt: 13 Positionen von Künstlerinnen und Künstlern, die klassische Formen bildender Kunst mit Video, Performance, Musik, Theater und Tanz kombinieren. Und damit auf eine Traditionslinie verweisen, die in den 1960er Jahren mit der Fluxus-Bewegung ihren Anfang nahm.

Manches ist richtig grandios. Dazu gehört der verwinkelte Raum, der dem Shooting-Star Raphaela Vogel gewidmet ist. Die poetische, von einer Drohne aufgenommene Videoarbeit "Tränenmeer" (2019), in der die Künstlerin musikalisch gegen die Wellen ankämpft, entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Maximal 50 Besucher dürfen gleichzeitig in die Schau, Mund- und Nasenschutz ist Pflicht. Und an jeder Station sind Hygieneflüssigkeiten angebracht, mit denen man sich die Hände waschen kann. Das Wasser aus Gisèle Gonons Mini-Riesenrad-Lamellen-Installation "Work With Us" (2018) sollte man aber nicht nehmen.

Hygiene ist gerade bei dieser Ausstellung sehr sinnvoll, denn Mitmachen ist in den meisten Fällen sehr gewünscht. So wie bei Rachel Monosovs Installations-Parcours "The Blind Leader", 2018), der sich unter anderem mit den Auswirkungen (politischer) Macht und Kontrolle auf das Individuum beschäftigt. An einer Station soll man sich beispielsweise selber an Bein und Hals fesseln - oder fesseln lassen.

Und dann Fingerabdrücke nehmen.

An einer anderen Station verbietet sich allerdings die Berührung ausdrücklich.

Wie schafft man es aber, in Zeiten von Corona eine Kunst anzubieten, die zu einem Teil dezidiert mit Berührung und Interaktion funktioniert? Dieses Problem hatte der in Berlin lebende dänische Künstler Christian Falsnaes. Ursprünglich hatte er einen Raum konzipiert, in dem mehrere Besucher miteinander performen sollten. Daraus wurde jetzt "SOLO" (2020): ein weißer Raum, den man nur allein betreten und nach einer Einweisung nach speziellen Vorgaben im Dialog mit seinem Spiegelbild bespielen kann. Mit sich selbst in Quarantäne quasi.

Und in Hannah Weinbergers Sound- und Videoinstallation "we didn’t want to leave" (2019) kann man sich im Raum schier unendlich vervielfältigen.

Dem Mal-Roboter von David Shrigley wird dieses Spiel mit Identität und Isolation egal sein. Er zieht mit seinen Nasenloch-Filzstiften und seiner Perücke unbeeindruckt von Corona in seiner Zeichen-Arena zufällige Bahnen. Und stellt dabei auf sehr spielerisch-humorvolle Art und Weise die Rolle des Künstlers im Produktionsprozess in Frage ("The Artist", 2014).

Und wenn er mal nicht mehr kann, wird er einfach gegen einen von insgesamt zwei identischen Kollegen ausgetauscht, der schon in einem Versteck in der hohlen Zwischenwand wartet.

Und dann gibt es zur Entspannung auch noch richtige Zeichnung zu sehen. Natürlich auch wieder eingebettet in Installation und Performance.

"State of the Arts. Die Verschmelzung der Künste" ist noch bis zum 16. August 2020 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist eine sehr informative und bildgewaltige eigene Website online gegangen (Raphaela Vogel, "Puppenruhe", 2019).

Stand: 17.06.2020, 09:00 Uhr