Im privaten Showroom von Candida Höfer

Im privaten Showroom von Candida Höfer

Von Thomas Köster

Eigentlich brauchen Fotografen kein Atelier. Sie brauchen einen Showroom! Im noblen Kölner Stadtteil Rodenkirchen hat sich Candida Höfer einen eingerichtet. Normalerweise schauen hier Museumsdirektoren, Kuratoren und solvente Sammler vorbei. Und jetzt eben wir.

Im privaten Showroom von Candida Höfer in Köln-Rodenkirchen, 2019

Candida Höfer ist schwer zu erwischen. Ständig reist sie in der Welt herum, um ihre berühmten Bilder von menschenleeren Lesesälen, Museumshallen und Theaterrängen aufzunehmen. Ihr eigener Repräsentationsraum ist in einem noblen Backsteinhaus der klassischen Moderne untergebracht, ganz nah am Rhein.

Candida Höfer ist schwer zu erwischen. Ständig reist sie in der Welt herum, um ihre berühmten Bilder von menschenleeren Lesesälen, Museumshallen und Theaterrängen aufzunehmen. Ihr eigener Repräsentationsraum ist in einem noblen Backsteinhaus der klassischen Moderne untergebracht, ganz nah am Rhein.

Viele Aufnahmen der letzten zehn Jahre hat Höfer hier für ausgewählte Besucher ausgestellt: Kühle Bilder, ebenso ausgewogen, unprätentiös, distanziert und irgendwie auch menschenscheu wie die Fotokünstlerin selbst. Und ebenso sachlich, schlicht und aufgeräumt wie jene Räume, in denen sie hier hängen.

Am Anfang ihrer Karriere setzte sie bekanntlich noch Menschen in Szene. Die soziologische Serie "Türken in Deutschland" stammt aus den 1970er Jahren: einer Zeit, als Höfer in der legendären Fotoklasse von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie war. Auch hiervon hängen Zeugnisse im privaten Showroom, links an der Wand. Zeigen sollen wir sie lieber nicht.

Und warum plötzlich keine Menschen mehr? "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich die Leute benutze", sagt Höfer. Vor allem in den Privaträumen der sogenannten Gastarbeiter habe sie sich deshalb nicht wohl gefühlt. Im Gespräch mit Bernd und Hilla Becher sei dann die Idee entstanden, leere öffentliche Räume festzuhalten.

"Wenn ich in eine Stadt reise, mache sie sich vorher einen Plan", sagt Höfer. "Damit ich weiß, wofür ich mir eine Erlaubnis holen muss." Da ist mancher Wunschtraum dabei. Wie die Pariser Nationalbibliothek, die sie seit zehn Jahren verfolgt. Damals musste sie noch heimlich ein Foto machen. Inzwischen stehen ihr alle Türen offen.

"Aber eigentlich finde ich die Motive ja gar nicht", sagt Höfer. "Eigentlich finden die Motive mich." Oder Theaterleiter*innen und Museumsdirektoren*innen, die ihr Haus gern von Höfer abgelichtet sähen. Stunden dauert es dann vor Ort, bis so ein Bild endlich im Kasten ist. Bis daraus ein Buchprojekt entsteht, können nochmals Jahre vergehen.

Heute ist Höfer 75. Und hat unzählige dieser Bücher gemacht. Umberto Eco, José Saramago oder Marcel Beyer haben Texte beigesteuert. Unmengen an teils noch eingeschweißten Exemplaren sind in den Bücherschränken aufgeschichtet. Über drei Stockwerke verteilt. Bis in den Keller.

Die Bücher in Höfers Privatbibliothek sind das persönliche Archiv ihres Schaffens. Wie die Fotos in den Schränken, sind sie nach einer speziellen Systematik angeordnet. Fast wie in einer öffentlichen Bücherei. In den Büchern finden sich auch weniger bekannte Kleinformate von Interieurs aus den letzten Jahren, ...

... von denen natürlich auch wieder Abzüge in Höfers Kölner Privatmuseum hängen. Sie entstanden nicht mit der großen, sondern mit einer kleinen digitalen Kamera: "In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass es mir doch wieder sehr viel Freude macht, spontan zu arbeiten. Die Kamera immer griffbereit." Mit neuem Fokus.

"Neuerdings interessieren mich nicht nur diese dunklen opulenten Räume", sagt Höfer. "Sondern Treppenhäuser. Oder strahlend helle Räume ohne Farbigkeit." Vielleicht hängen also bald ganz andere Motive in Höfers Showroom. Und begeistern Museumskuratoren*innen oder Sammler*innen bei ihrem Besuch im Backsteinhaus.

Momentan arbeitet Höfer jene Aufnahmen auf, die sie vor zwei Jahren im Bolschoi-Theater in Moskau gemacht hat. Eine kleine Auswahl will sie noch in diesem Jahr in ihren Galerien in Madrid, München und London zeigen. Auch in Moskau ist eine Schau geplant. Und natürlich wird Candida Höfer wenn möglich zu jeder Eröffnung reisen.

Jetzt fliegt sie aber erst mal nach Havanna, allerdings privat. Ihre kleine Kamera kommt natürlich trotzdem mit.

Stand: 16.08.2019, 09:00 Uhr