Sigmar Polke im Museum Morsbroich

Sigmar Polke im Museum Morsbroich

Von Annabelle Steffes-Halmer

Das Museum Morsbroich präsentiert über 500 bislang unveröffentlichte Polke Fotografien. Sie zeigen den Künstler als einen wichtigen Akteur der rheinischen Kunstszene und aufmerksamen Chronisten seiner Zeit.

Ohne Titel, Sigmar Polke, 1970-80

Jahrelang lagerten hunderte Fotografien Sigmar Polkes in Kisten, die sein Sohn Georg aufbewahrte. Hunderte von Fotografien: ohne Titel, ohne Datum, in Vergessenheit geraten.

Jahrelang lagerten hunderte Fotografien Sigmar Polkes in Kisten, die sein Sohn Georg aufbewahrte. Hunderte von Fotografien: ohne Titel, ohne Datum, in Vergessenheit geraten.

Dass Georg Polke diese Sammlung an das Museum Morsbroich herangetragen hat, gleicht für Museumsdirektor und Kurator Fritz Emslander einem Schatz. Wenngleich die Schatzsuche damit erst begann.

Wo und wann waren die Fotografien entstanden? Wen hat Polke abgelichtet? Wen traf er auf Vernissagen, in Restaurants und Bars oder auch bei sich zu Hause?

Schnell wurde klar, dass Polke die Kamera zu seinem ständigen Begleiter gemacht hatte. Die Fotos ähneln einem "Who is Who" der rheinischen Kunstszene der 1970er Jahre. Mittendrin, immer wieder Polke selbst.

Dabei ging der Künstler oft bewusst dilettantisch ans Fotografieren: Seine Bilder sind absichtlich unscharf oder überbelichtet.

In der Dunkelkammer entwickelte er sie durch Mehrfachbelichtung, Umkehreffekte, Überblendungen oder Solarisation weiter. In seinen Bearbeitungen verlieren die Motive an Eindeutigkeit oder sind teils verfremdet.

Überraschungen waren dem 1941 geborenen Künstler dabei immer willkommen: Stets suchte er nach dem Besonderen im Alltag, nach dem Geheimnisvollem im Trivialen.

Die Ausstellung im Leverkusener Museum Morsbroich, die vom 27. Mai bis zum 2. Septmber 2018 läuft, wurde in enger Zusammenarbeit mit seinem Sohn, Georg Polke, entwickelt.

Die Präsentation geht von einer Inszenierung aus, wie sie Polke einst (etwa die Fotosequenz Hamburg Lerchenfeld, 1975/76) selbst für seine Fotografien wählte. Zu langen Streifen angeordnet, fühlt sich der Besucher mitunter wie in einem Film.

Stand: 24.05.2018, 12:46 Uhr