"Shoot! Shoot! Shoot!" in Oberhausen

"Shoot! Shoot! Shoot!" in Oberhausen

Ein nackter Yves Saint Laurent, Mick Jagger mit Pelz und ein Paparazzo mit Schutzhelm: In Oberhausen kann man bestaunen, wie der mediale Starkult in den 60ern und 70ern so richtig begann.

Grace Jones and Andy Warhol, Studio 54, New York, 1978

"Menschen sind so faszinierend. Man kann einfach kein schlechtes Foto von ihnen machen." Nach diesem Motto dokumentierte Andy Warhol (hier mit Grace Jones) das Kunst- und Jetset-Leben. Und nicht nur er: In den 60er und 70er Jahren entstand eine Fotokultur, die Party und Politik, Mode und Musik, Kunst und Körperkult eindrücklich verband.

"Menschen sind so faszinierend. Man kann einfach kein schlechtes Foto von ihnen machen." Nach diesem Motto dokumentierte Andy Warhol (hier mit Grace Jones) das Kunst- und Jetset-Leben. Und nicht nur er: In den 60er und 70er Jahren entstand eine Fotokultur, die Party und Politik, Mode und Musik, Kunst und Körperkult eindrücklich verband.

Nach einer ähnlichen Schau im Münchner Stadtmuseum zeigt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen nun rund 200 überwiegend schwarzweiße Werke aus der Schweizer Nicola Erni Collection, die dies belegen. Fotos von Kultfotografen wie Richard Avedon, Irving Penn oder Helmut Newton hängen da neben Paparazzi-Schnappschüssen.

Viele der gezeigten Aufnahmen wurden zu Ikonen der Pop-Kultur - und trugen, teils massenweise in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, wesentlich zum medialen Starkult bei. Mick Jagger ließ sich gern zum nicht wirklich gut aussehenden Faszinosum stilisieren, das Geschmack und Coolness verband - wie auf David Baileys Porträt mit Pelzkapuze rechts im Hintergrund.

Wie dieses von Jeanloup Sieff gefertigte Ganzkörperporträt von Yves Saint Laurent belegt, gingen Körperkult und Selbstvermarktung dabei immer Hand in Hand. 1971 posierte Laurent im Rahmen einer Kampagne für sein Eau de Toilette "Pour Homme" splitterfasernackt. Und illustrierte damit eindrücklich, dass er selbst längst Marke geworden war.

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Ausstellung dem Phänomen des Paparazzo, der dem Star als ungeliebter und doch zwingend notwendiger Schatten folgt. Wie gefährlich dies sein konnte, illustriert dieses Beispiel. Es zeigt Ron Galella, der sich dem cholerischen Marlon Brando im Waldorf Astoria Hotel in New York 1974 nur mit Footballhelm zu nähern wagte.

"Dank der Smartphones ist jedermann heutzutage ein Paparazzo", formulierte Galella im Jahr 2015 treffend. In Oberhausen kann man sehr schön betrachten, wer hierzu den Boden schuf. Und wie das digitale Zeitalter der Stilisierung innerhalb der Film-, Mode- und Musikszene ganz analog begann (Andy Warhol, Studio 54, New York, circa 1977-1979).

"Shoot! Shoot! Shoot!" ist noch bis zum 27. Mai 2018 in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zu sehen. Zur Ausstellung ist auch ein schmales Booklet erschienen, dessen kluger Text sich als Einführung bestens eignet.

Stand: 19.01.2018, 12:05 Uhr