Kölner Kunst-Helden kommen zurück ins Museum Ludwig

Kölner Kunst-Helden kommen zurück ins Museum Ludwig

Der Berliner Sammler Alexander Schröder schenkt dem Museum Ludwig bedeutende Werke, die für die aufstrebende und gut vernetzte Kölner Kunstszene der 1990er und 200er Jahre wichtig waren. Die Ausstellung "Familienbande" zeigt die Schätze.

Kölner Kunst-Helden kommen zurück ins Museum Ludwig

Von Thomas Köster

Der Berliner Sammler Alexander Schröder schenkt dem Museum Ludwig bedeutende Werke, die für die aufstrebende und gut vernetzte Kölner Kunstszene der 1990er und 200er Jahre wichtig waren. Die Ausstellung "Familienbande" zeigt die Schätze.

In Köln formierte sich in den 1990er Jahren eine Szene aus jungen Künstlern, Zeitschriften, Galerien und alternativen Ausstellungsräumen, die eng miteinander – und mit anderen Szenen etwa in New York oder London – verwoben war. Im Bild: Kai Althoff, "Hilfen und Recht der äußeren Wand (an mich)", 1997.

In Köln formierte sich in den 1990er Jahren eine Szene aus jungen Künstlern, Zeitschriften, Galerien und alternativen Ausstellungsräumen, die eng miteinander – und mit anderen Szenen etwa in New York oder London – verwoben war. Im Bild: Kai Althoff, "Hilfen und Recht der äußeren Wand (an mich)", 1997.

Es war eine Bande, die die Kunstgeschichte prägte und für viele zur zweiten Familie wurde: von Zusammenarbeit bis Zank war alles dabei. Die Kölner Schau "Familienbande" spielt in ihrem doppeldeutigen Titel darauf an.

Von Anfang an verfolgte Alexander Schröder diesen Aufbruch aus räumlicher Distanz: zunächst als Kunststudent, später als Galerist in Berlin. Parallel sammelte er Kunst, die aus Köln kam oder zumindest in den Kölner Galerien erstmals zu sehen war. Aus dieser Sammlung stammt die Schenkung von 29 raumgreifenden Werken, die "Familienbande" gemeinsam mit Arbeiten aus dem Bestand des Museums zeigt.

Deutlich macht die Ausstellung so unter anderem, wie sich die Kölner Kunstszene mit ihren Protagonisten seit den 1990er Jahren politisierte, ohne auf ästhetische Ansprüche zu verzichten. Renée Green etwa verknüpft auf "Mise-en-Scene" (1992-1994) pastorale Motive des 18. Jahrhunderts mit Grausamkeiten des französischen Kolonialismus.

Und K.P. Brehmer machte schon 1972 auf die Schere zwischen Reich und Arm in der Bundesrepublik aufmerksam, indem er die Nationalflagge in Relation zur Vermögensverteilung umstrickte. Das Gold der Freiheit bekommt da eine sehr aktuelle, zum Nachdenken anregende Dimension.

Wie wichtig die Rolle Kölns – und die Rolle Schröders und des Museums Ludwig – für die Kunstszene der 1990er und 2000er Jahre war, zeigt, dass viele der Protagonisten von damals, die heute Rang und Namen haben, zur Eröffnung angereist sind. Wie Tom Burr, von dem die Schrödersche Fotoserie "Palm Beach Views" (1999) und die minimalistische Holzskulptur "Video Booths" (1995) zu sehen sind, die dem Museum Ludwig schon länger gehört.

Der Brite Nils Norman war damals im alternativen Projektraum "Friesenwall 120" aktiv, der der jungen Kunstszene der Stadt ein Forum bot. Seinen Computerausdruck "Audience" (1995) kaufte Schröder neben anderen 1996 in der Kölner Galerie von Christian Nagel, die 1990 mit der ersten Einzelausstellung von Cosima von Bonin eröffnet wurde.

Natürlich gehören auch Werke von Bonin zur Schenkung, darunter neben zwei Stoffbahnen der zur Jahrtausendwende bei Nagel erworbene Pilz "Ruth (#6)" von 1999 aus Loden, Schaumstoff, Holz und Plexiglas, ...

... ebenso wie die einflussreiche Videoarbeit "Jetzt kommt ein Künstlerwitz" (2001) von Andrea Fraser, die auch schon früh in der Galerie Christian Nagel zu sehen war und zu jenen Künstlern gehört, die dezidiert starke Kritik am Kunstmarkt üben.

Gegenüber zeigt Hillary Lloyd aus London ihre Männlichkeitsbilder-Diaprojektion "Unititled (Cut-Outs)" von 2006, die Schröder bereits ein Jahr später von der Künstlerin selbst erwarb.

Dass die damals geknüpften Verbindungen bis heute weithin sichtbare (und hörbare) Früchte tragen, zeigt die 37-jährige britische Künstlerin Juliette Blightman, die mit "Collective Nouns" (2015) vertreten ist. Hier bringt ein Subwoofer eine Zimmerpflanze in Schwingung. Öffentlicher und privater Raum sind verbunden, der Bass-Sound aus den Toilettenräumen des Berliner Clubs Berghain wird körperlich spürbar. Auch eine Möglichkeit, "Familienbande" spürbar zu machen.

Andere Sammler bauen sich selbst ein Denkmal. Schröder schenkt einen Teil seiner Werke lieber jener Stadt, mit der sie in enger Beziehung stehen: "Ich finde es toll und wichtig, wenn Sammler Museen bauen", sagt er. "Aber das ist einfach nicht mein Ding." Die hochgehängte Arbeit von Christian Philipp Müller, der dem Museum kürzlich auch ein paar Werke von sich geschenkt hat, ist also Programm.

So kann das Museum Ludwig einen seiner Sammlungsschwerpunkte ausbauen. Und in einer Art Familienzusammenführung Lücken schließen: Von Lukas Duwenhögger, von dem dieser famos ironische "Raum für Studenten mit Sinn für schöne Dinge" stammt, hatte das Museum bisher kein einziges Werk im Bestand. Dass dies ein Glück ist, kann man in der wundervoll luftig inszenierten Ausstellung jetzt sehen.

"Familienbande" setzt auf Sinnlichkeit, auf den ästhetischen Reiz des einzelnen Werks. Für alle, die sich theoretisch mit der Familienbande Kölner Künstler, Galerien und Zeitschriften befassen wollen, stehen am Ende der Schau Vitrinen. Und der Katalog versammelt fast ausschließlich Texte aus der Zeit, etwa aus der damals gegründeten Kölner Zeitschrift "Texte zur Kunst", die bis heute erstaunlich gültig geblieben sind.

"Familienbande. Die Sammlung Schröder" ist noch bis zum 29. September 2019 im Museum Ludwig in Köln zu sehen (Lucy McKenzie, "The Integrity Gap", 2002/2003)

Köln: Museum Ludwig "Familienbande"

WDR 3 Mosaik 13.07.2019 06:01 Min. Verfügbar bis 12.07.2020 WDR 3

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Die Kölner Kunstszene der 1990er Jahre

WDR 5 Scala - Hintergrund Kultur 12.07.2019 11:13 Min. Verfügbar bis 11.07.2020 WDR 5

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Stand: 13.07.2019, 08:30