Welt aus Ringen. Remo Salvadori und Ursula Schulz-Dornburg

Welt aus Ringen. Remo Salvadori und Ursula Schulz-Dornburg

Von Thomas Köster

Selten wurde die Raketenstation der Stiftung Insel Hombroich besser bespielt: Remo Salvadori flicht grandiose Bänder, Fotografin Ursula Schulz-Dornburg nutzt den Ort der Stille.

Remo Salvadori, Raketenstation, Stiftung Insel Hombroich, Neuss 2018 (Ausstellungsansicht)

Gleich drei Ausstellungsorte widmet die Stiftung Insel Hombroich Remo Salvadori ab Sonntag (09.09.2018) auf der Raketenstation. Und der beweist, dass er die kleinen Kabinette des Siza Pavillons ebenso zu bespielen weiß wie die große Stille des Archiv-Baus oder die Monumentalität des Fontana Pavillons. Hier geometrische Metallarbeiten, gefaltet mit papierener Leichtigkeit.

Gleich drei Ausstellungsorte widmet die Stiftung Insel Hombroich Remo Salvadori ab Sonntag (09.09.2018) auf der Raketenstation. Und der beweist, dass er die kleinen Kabinette des Siza Pavillons ebenso zu bespielen weiß wie die große Stille des Archiv-Baus oder die Monumentalität des Fontana Pavillons. Hier geometrische Metallarbeiten, gefaltet mit papierener Leichtigkeit.

Im Siza Pavillon erwarten den Besucher große Installationen, aber auch kleine, verspielte Wandarbeiten, die zeigen, dass Salvadori das Runde eigentlich viel lieber als das Eckige hat.

Diese Ecke hat Salvadori, der ein bekennender Verehrer Rudolf Steiners und seiner Lehre ist, einfach einmal rund gemacht.

Immer wieder kehrt Salvadori auch Oberflächen von simplen Alltagsgegenständen durch Arrangements regelrecht nach Innen und erzeugt in der so entstandenen neuen Mitte Formen. Hier ergibt ein "Kreis" aus Basaltsteinen den Stern, der dem Werk den Namen gibt. Zugleich werden durch die Wahl des Orts Himmel und Erde, Kunst und Natur verbunden.

Überhaupt geht es bei Salvadori immer wieder auch darum, mit der Natur und ihren Elementen, letztlich auch mit dem Menschen, in Kontakt zu treten. Was das bedeutet, kann man selbst erleben, wenn man aus dem Siza Pavillon heraustritt: Hier steht ein Stativ in Menschengröße, mit dem der Besucher die Umgebung "einfangen" kann.

Zentrales, immer wieder neu variiertes Element von Salvadori ist der Metallring, der vom Künstler und seinem Helferteam in der Art eines Hanfseils geflochten wird. Diese Exemplare sind von Ausstellung zu Ausstellung gewachsen wie Jahresringe. In der Gesamtschau entsteht eine Dynamik, die an eine Spirale erinnert.

Unter dem Titel "Continuo Infinito Presente" findet sich der Metallring auch im Hof des Archivs auf der Raketenstation wieder - und wartet darauf, dass jemand in den erlauchten Kreis der Kunst tritt. Eine Schweißnaht wird man dabei übrigens vergeblich suchen; immerhin geht es um Unendlichkeit. Wie Salvadori das geschafft hat, bleibt ein Geheimnis.

Im Siza Pavillon hat Salvadori den Ring, der durch seine Beschaffenheit immer auch etwas vom Grafischen einer Bleistiftzeichnung hat, genutzt, um ein leichtes, blank poliertes Blech in seiner Krümmung zu fixieren. Auch das erzeugt mit scheinbar einfachsten Mitteln eine beeindruckende Dynamik, die zudem noch die Ausstellungsorte verbindet.

Diese buchstäbliche Spannung zwischen Leichtigkeit und Schwere, Öffnung und Schließung, äußerlicher Reflexion und nach innen gekehrter Abschottung verleiht dem Werk einen magischen Charakter, der sich je nach Tageszeit und Lichteinfall verändert und dem man sich kaum entziehen kann.

Kurator und Geschäftsführer Frank Boehm, der den Ring über das Blech stülpen durfte, kennt Salvadori seit Jahren. Dass der zweimalige Documenta-Teilnehmer jetzt nach Neuss gekommen ist, freut ihn besonders. Hier steht Boehm vor dem Siza Pavillion der Raketenstation, in dem auch die "Räume für Fotografie" untergebracht sind.

In den "Räumen für Fotografie" sind parallel zur Salvadori-Schau zwei frühe Bilderserien von Ursula Schulz-Dornburg aus den 1970er Jahren zu sehen, die Vorhänge am Markusplatz und die Architektur des Palace Pier in Brighton zeigen. Analogfotos einer untergegangenen Zeit, die enthüllend sind.

Mit ihren Arbeiten widmet sich die Düsseldorfer Künstlerin, die in diesem Jahr 80 wird, der Architektur von Bauten, die auf Pfählen im Wasser stehen. Und zeigt eindrücklich, wie konzeptionelle Schwarz-Weiß-Fotografie einer vordigitalen Zeit bis heute wirken kann.

Und noch etwas sollte man bei einem Besuch der beiden Ausstellungen auf jeden Fall tun: Man sollte über das Gelände wandern und sich von der einzigartigen Atmosphäre verzaubern lassen. Da stößt man dann auf deutsche Geschichte. Und auf Kunst frisch aus dem Atelier.

An der ein oder anderen Installation auf dem Gelände geht man schnell achtlos vorbei. Das kann einem schon an der Pforte passieren. Deshalb gilt: Augen auf beim Wandern über das Gelände! Und in den Ausstellungen sowieso.

Die Arbeiten von Remo Salvadori und Ursula Schulz-Dornburg sind noch bis zum 9. Dezember 2018 auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss zu sehen.

Parallel dazu zeigt die benachbarte Langen Foundation beeindruckende Werke aus der Burger Collection Hong Kong - hier der "Altar" (2014) von Kris Martin (bis zum 17. März 2019). Und in der Skulpturenhalle von Thomas Schütte gibt es bis zum 16. Dezember 2018 Land Art und Drucke von Richard Long.

Stand: 09.09.2018, 06:00 Uhr