Barocke Pracht: Rubens in Paderborn

Barocke Pracht: Rubens in Paderborn

Von Thomas Köster

Peter Paul Rubens war der unumstrittene Malerfürst des Barock. Geschickt kultivierte er seine Bildsprache in ganz Europa - und wirkt so bis heute nach. Das zeigt jetzt eine imposante Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn.

Rubens und der Barock des Nordens, Diözesanmuseum Paderborn 2020 (Ausstellungsansicht)

Rund 120 Exponate aus internationalen Museen sind in Paderborn zu sehen, darunter großformatige Gemälde, eigenhändige Ölskizzen, Zeichnungen und Entwürfe. Sie zeigen die ganze Bandbreite von Rubens' Schaffen und Einfluss. Dabei sind die Werke so arrangiert, dass Bezüge oft selbst ohne kundige Führung ins Auge fallen ("Verkündigung an Maria" und "Anbetung der Hirten", beides um 1620).

Rund 120 Exponate aus internationalen Museen sind in Paderborn zu sehen, darunter großformatige Gemälde, eigenhändige Ölskizzen, Zeichnungen und Entwürfe. Sie zeigen die ganze Bandbreite von Rubens' Schaffen und Einfluss. Dabei sind die Werke so arrangiert, dass Bezüge oft selbst ohne kundige Führung ins Auge fallen ("Verkündigung an Maria" und "Anbetung der Hirten", beides um 1620).

Rubens erweist sich als geschickter Kunstdiplomat und Selbstverwalter, der schon mit seinem Konterfei Eigenwerbung machte. Dieses mehrfach vom Maler selbst in Öl kopierte "Selbstbildnis" (um 1625/30) etwa ließ er über Zeichnungen oder Kupferstiche von fremder Hand in Europa verbreiten. In Paderborn sind einige Beispiele hierfür zu sehen.

Zu den Highlights gehört das großformatige Gemälde "Beweinung Christi", das zu den religiösen Hauptwerken von Rubens gehört. Rubens zeigt Christus in perfekter perspektivischer Verzerrung. Und eine Maria, die nicht passiv trauert, sondern ihrem toten Sohn einen Dorn aus dem Fleisch zieht: eine der vielen Bildfindungen des Meisters.

Auch wenn Rubens keine Skulpturen geschaffen hat, so lässt sich sein Einfluss auch in der Bildhauerei deutlich erkennen. Das gilt namentlich für die Brüder Antonius und Ludovicus Willemsen aus Antwerpen, die Rubens' Bildsprache ins Dreidimensionale übertrugen ("Apostelbüste", nach 1662).

Im Auftrag von Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke schufen sie Mitte des 17. Jahrhunderts die barocke Neugestaltung des Paderborner Doms. Und Ludovics mit Hendrik-Frans Verbrugghen auch die beeindruckenden Skulpturen des Chorgestühls einer Zisterzienserabtei bei Antwerpen, die auch in Paderborn zu sehen sind.

Besonders stolz ist man in Paderborn auf die Rekonstruktion des Willemsen-Gemäldes "Anbetung der Hirten" vom Hauptaltar des Paderborner Doms, dessen barocke Innenausstattung bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört worden ist. Nur noch einige Fetzen und ein Foto des Altars waren vorhanden. Jetzt feiert die Rekonstruktion in der Schau Premiere. Hier ein Detailblick durch das perspektivische Chorgitter.

Exportiert wurden die Bildfindungen von Rubens nicht nur über Kupferstiche, sondern beispielsweise auch durch Tapisserien wie "Sieg der eucharistischen Wahrheit über die Häresie", die von Frans van den Hecke oder seine Werkstatt geschaffen wurde. Alle acht Teppiche der Serie gehen auf Rubens-Motive zurück.

Ein zentrales Kapitel der Schau ist auch der Theatralik des Barock gewidmet und der durch die Epoche stilistisch angestoßenen Veränderungen, die oftmals religiös motiviert waren. Und auch hier hat das Diözesanmuseum die Präsentation dramaturgisch hübsch inszeniert ("Kulisse eines Heiligen Grabes", Süddeutschland, zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts).

Wer die unglaublich bewegten Darstellungen der Kleidung von Märtyrern und anderen Heiligen auf Rubens' Ölskizzen gesehen hat, kann verstehen, warum die Ausstellung mit einem Ausblick auf die Parallelen der zeitgenössischen Kunst zur Haltung des Barock endet ("Das Martyrium der hl. Lucia", um 1616/20).

Denn die himmelstürmende Abstraktion dieser Pinselstriche findet sich überraschenderweise auch in den Gesichterstrudeln des Bildhauers Tony Cragg wieder ("It is, it isn't", 2016).

Und auch die Ähnlichkeiten zum Pinselduktus eines Gerhard Richter sind verblüffend - auch wenn sich "Ausschnitt (Makart)" von 1971 dem Titel nach eher auf den Pomp und Plüsch zur Zeit des Historismus, den "Makartstil", bezieht. Aber dessen Namensgeber Hans Makart verstand sich ja durchaus in der Rubens-Tradition. Und so schließt sich der Kreis.

So schlägt das letzte Kapitel der Schau mit den barocken Spuren von Pathos und Theatralik einen gelungenen Bogen zu den vielfältigen, oftmals vielleicht auch unbewussten Einflüssen, die Rubens' Werk und das seiner Zeitgenossen bis heute hat. Im Bild: Spiegelung eines Werks von Rune Mields nach Bachs Kantate "Komm, du süße Todesstunde" in "Punta di Vista" von Christoph Brech.

"Peter Paul Rubens und der Barock im Norden" ist noch bis zum 25. Oktober 2020 im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen. Zur Ausstellung ist ein opulenter Katalog erschienen. Also unbedingt hingehen ...

... und auch nicht von den coronabedingten Schlangen abschrecken lassen. Es geht relativ schnell. Drinnen ist ohnehin viel Platz.

Und zumindest an Tagen mit Führungen dürfen auch relativ viele Menschen rein.

Stand: 07.08.2020, 09:00 Uhr