Surrealist im Geiste. Robert Wilson in Brühl

Surrealist im Geiste. Robert Wilson in Brühl

Von Thomas Köster

Robert Wilson ist einer der bedeutendsten Theaterregisseure unserer Zeit. Aber er ist auch bildender Künstler. Und obesssiver Sammler. In Brühl hat er jetzt aus allen drei Talenten eine Ausstellung gemacht. Wir durften exklusiv fotografieren.

Robert Wilson im Max Ernst Museum Brühl, 2018

"Ich bin kein Deutscher. Ich bin Texaner", sagt Robert Wilson, der hierzulande vor allem durch seine Opern- und Musicalarbeiten mit Philipp Glass ("Einstein On the Beach", 1970) und Tom Waits ("The Black Rider", 1991) bekannt geworden ist. "Ich komme eher von einer Philosophie, die fragt, was etwas ist, statt es zu erklären. Diese Herangehensweise zieht mich auch zu den Surrealisten hin."

"Ich bin kein Deutscher. Ich bin Texaner", sagt Robert Wilson, der hierzulande vor allem durch seine Opern- und Musicalarbeiten mit Philipp Glass ("Einstein On the Beach", 1970) und Tom Waits ("The Black Rider", 1991) bekannt geworden ist. "Ich komme eher von einer Philosophie, die fragt, was etwas ist, statt es zu erklären. Diese Herangehensweise zieht mich auch zu den Surrealisten hin."

Diese Nähe der phantasievoll ausgestalteten und nahe an der Performance choreografierten Inszenierungen des Theaterregisseurs ist auch den Surrealisten nicht verborgen geblieben. Im Blick auf Wilsons Bühnenwerk "Deafman Glance" (1971) schrieb Louis Arragon (Foto) an André Breton, Wilson gelinge "das, wovon wir anderen, die den Surrealismus geboren haben, träumten".

Die siebenstündige stumme Oper sei das schönste, was er jemals gesehen habe, schrieb Aragon weiter - "in meinem ganzen Leben". Dass auch Max Ernst das Stück in Paris gesehen hat, ist belegt.

So ist mit dem Max Ernst Museum ein optimaler Ort für Wilsons – natürlich auch perfekt ausgeleuchtete und mit einem speziellen Sounddesign versehene – Inszenierung gefunden. Und der Bezug schon über den Ausstellungstitel hergestellt: Immerhin verweist "The Hat Makes the Man" auf die Collage "Der Hut macht den Mann (Der Stil kommt vom Anzug)", die Max Ernst 1920 in Köln schuf – damals noch als Dadaist.

Robert Wilsons umfangreiche Sammlung von ethnologischen Objekten aus unterschiedlichen Kontinenten und Epochen umfasst rund 11.000 Exponate. In Brühl sind rund 400 Werke aus einer Zeitspanne von 200 nach Christus bis zur Gegenwart zu sehen.

Herzstück der Ausstellung ist ein Raum, zu dem sich Wilson durch eine Fotografie von Josef Breitenbach hat inspirieren lassen. Das Foto zeigt Max Ernst in seinem Atelier. "Ich wollte mir anschauen, welche Dinge ihn umgeben", sagt Wilson. "Außerdem ähnelt das alles etwas der Art, wie ich meinem New Yorker Appartement lebe, mit dieser Mischung verschiedener zusammengeführter Kulturen und Gegensätze."

Diese von Wilson auch bei Ernst ausgemachte Mischung findet sich vor allem im Watermill Center, das Wilson 1992 als Phantasielabor für junge und etablierte Künstler in Long Island gegründet hat und an dessen Programmen schon Lou Reed, Marina Abramovic, Isabelle Huppert und Laurie Anderson teilgenommen haben. Hier ist auch Wilsons Sammlung eigentlich beheimatet, deren Einzelstücke schon eine Schau sind.

Motivisch verbindet Wilson mit Ernst vor allem die Faszination für Vögel als Vermittler zwischen den Welten (Erde und Himmel, Ratio und Phantasie). Im "Videoporträt" einer Schneeeule namens Kool, im Federschmuck aus einer Privatsammlung und in einer Deckeninstallation mit einem blauen Gänseschwarm sind Vögel in der Brühler Ausstellung allgegenwärtig.

Vor allem der Hang zu assoziativer Logik und objektivem Zufall ist es, den Wilson vom Surrealismus geerbt hat. Hier sind gewohnte Bezüge aufgehoben, ist selbst das Vertraute in einen Kontext gestellt, der das ihm immer auch innewohnende Fremde, Exotische betont.

Um Besucher nicht in Versuchung zu führen, sich trotzdem orientieren zu wollen, gibt es keine Werkbeschriftungen.

"Der Grund, warum ich als Künstler arbeite, ist, dass ich alles offen halten und Fragen stellen will", sagt Wilson. Und so ist die Wunderkammer, die er in Brühl errichtet hat, vor allem ein Angebot, selbst und in freier Assoziation Bezüge herzustellen. Man darf vermuten, dass Max Ernst dies gefallen hätte.

"Die Ausstellung ermöglicht den Museumsgästen ein sowohl ästhetisches als auch assoziatives Erleben jenseits konventioneller Erklärungen", betont denn auch Museumsdirektor Achim Sommer: "ganz im Sinne des Surrealismus". Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

"Robert Wilson. The Hat Makes the Man" ist noch bis zum 26. August 2018 im Max Ernst Museum in Brühl zu sehen.

Stand: 14.05.2018, 10:04 Uhr