Natur, erinnert. Richard Long bei Thomas Schütte

Natur, erinnert. Richard Long bei Thomas Schütte

Von Thomas Köster

Der Brite Richard Long ist einer der bedeutendsten Vertreter der Land Art. Jetzt ist er in Thomas Schüttes Skulpturenhalle zu Gast. Und zeigt mit seinen Arbeiten, dass sein Werk nicht nur in der freien Natur, sondern auch drinnen, mit der von Schütte ersonnenen Architektur, bestens harmoniert.

Thomas Schütte arrangiert Richard Long, Skulpturenhalle, Neuss 2018 (Ausstellungsansicht)

"Das war eine Menge Arbeit", resümiert Thomas Schütte. Mehrere Wochen hat es gedauert, bis der Bildhauer mit seinem Team die Skulpturen aus Torf, Basaltstein oder Schwemmholz seines Kollegen Richard Long in der von ihm gedachten Art und Weise zusammengelegt hat. Hier legt Schütte letzte Hand an Longs Arbeit "Untitled (Rescue Pole)" von 2006 an. Sie hing noch nicht richtig.

"Das war eine Menge Arbeit", resümiert Thomas Schütte. Mehrere Wochen hat es gedauert, bis der Bildhauer mit seinem Team die Skulpturen aus Torf, Basaltstein oder Schwemmholz seines Kollegen Richard Long in der von ihm gedachten Art und Weise zusammengelegt hat. Hier legt Schütte letzte Hand an Longs Arbeit "Untitled (Rescue Pole)" von 2006 an. Sie hing noch nicht richtig.

Weit über 20 Werke aus fast 30 Jahren hat Schütte in seiner Skulpturenhalle nahe der Langen Foundation und der Raketenstation der Stiftung Museum Hombroich bei Neuss aufgefahren. Beim Aufbau hat Long Schütte und dem Kurator Dieter Schwarz vertraut. Und das zu Recht. In der ruhigen Atmosphäre der Halle ist eine ganz und gar zauberhafte, magische Ausstellung entstanden ("Basalt Ellipse", 2000).

Schon in der Studentenzeit verweigerte sich Long dem klassischen Skulpturbegriff und wandte sich in ausgedehnten Wanderungen der Landschaft und den Dingen zu, die er dort vorfand. Die Arrangements sind Erinnerungsspuren an die Erlebnisse auf diesem Weg. Poetische und im besten Sinne "arme" Arbeiten, die über das Material und seine geometrische Formung Natur und Kultur verbinden ("Circle of Memory Sticks", 1995).

1972 errichtete Long seinen ersten Steinkreis in der Natur und dokumentierte das Ergebnis fotografisch. Im selben Jahr stellte er die Arbeiten erstmals auf der Dokumenta 5 in Kassel aus. In der Skulpturenhalle liegt das ungemein dynamisch wirkende "Flint Wheel" aus Feuerstein, eine noch ganz junge Schöpfung von 2018.

Besonders angetan sei Long von seinem Vorschlag gewesen, auch die nur selten gezeigten und erst seit 2013 entstandenen Drucke in die Ausstellung aufzunehmen, sagt Schütte. Für ihn gab "Honkey Tonk Woman" (2014), das er vor einigen Jahren erstmals sah und von dem nur zwei Exemplare existieren, zu diesem Plan den Ausschlag.

Benannt sind die wundervollen Carborundum-Großformate, bei denen in Kunstharz gelöstes Siliziumkarbid direkt auf Kupferplatten aufgetragen wird, nach den Songs, die Long begleiten. Diese Grafik etwa heißt nach einem Liedtext des Literatur-Nobelpreisträgers Bob Dylan "Simple Twist the Fate" (2014).

Die Namen der Natur-Skulpturen Longs hingegen verweisen zumeist simpel auf das ohnehin schon sichtbare Material und manchmal auch auf den Fundort ihrer Einzelteile. So ist es auch bei der "Rhine Driftwood Line": Ergebnis einer Wanderung des Künstlers 2001, die in gewisser Weise einen Bogen schlägt zum Ausstellungsort.

In dieses vom Natürlichen ebenso wie von der Spur des Menschen und der Hand des Künstlers geprägte Werk kann und muss man sich versenken, um zu begreifen, was Long will. Und um zu verstehen, wie viel Arbeit schöne Kunst eben auch macht.

Vor allem zeigt die Retrospektive eines: Die Werke von Richard Long brauchen viel Platz zum Atmen. Das ist wohl einer der Gründe, warum eine Arbeit wie "Turf Line" (1990) schon seit weit über 30 Jahren im Stauraum von Longs Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer schlummert. Vielleicht wirkt sie deshalb noch so erstaunlich frisch.

"Ich verwende die Welt so, wie ich sie vorfinde", hat Long den Impuls und das Verfahren seiner Arbeit einmal ebenso prägnant wie bescheiden beschrieben – auch wenn das so nicht immer stimmt. Bis in den Kassenraum hinein hat dieses Werk nun in Schüttes Skulpturenhalle einen würdigen Platz gefunden.

Das man sich diesen Platz auf dem weitläufigen Gelände zwischen dem Museum Insel Hombroich, der Langen Foundation und der Raketenstation in der von Landwirtschaft geprägten Natur des Niederrheins quasi selbst erwandern muss und mancher Besucher vielleicht sogar eher zufällig vorbeikommt, ist dabei ein schöner Nebeneffekt (Mitte: die nun richtig gehängte Arbeit "Untitled (Rescue Pole)").

Am besten kommt man übrigens an einem sonnigen Tag, an dem die Drucke am intensivsten leuchten. Und bleibt eine Weile, um die Ruhe auf sich wirken zu lassen. Und um zu sehen, wie die Sonne über den Boden und die dort arrangierten Werke wandert.

Richard Long ist noch bis zum 16. Dezember 2018 in der Skulpturenhalle der Schütte Stiftung bei Neuss zu sehen. Doch Obacht: Geöffent ist sie nur von Freitag bis Sonntag zwischen 11:00 und 17:00 Uhr.

Stand: 07.09.2018, 09:00 Uhr