Vielfalt Kohle - "Schwarz ist Gold" in Duisburg

Vielfalt Kohle - "Schwarz ist Gold" in Duisburg

Von Thomas Köster

Dem Ende des NRW-Bergbaus widmen 17 Ruhrmuseen das gemeinsame Ausstellungsprojekt "Kunst und Kohle". Einer der spannendsten Beiträge kommt vom Lehmbruck Museum Duisburg. Spielzeugeisenbahn inklusive.

Die Kölner Künstlerin Frauke Dannert im Lehmbruck Museum. Duisburg 2018

"Bei meiner Arbeit könnte man an die Struktur von Bergwerksstollen denken", sagt Frauke Dannert. Vor allem aber soll die Installation der Kölner Künstlerin, die einen ganzen Raum im Duisburger Lehmbruck Museum bespielt, in einer für sie typischen Art und Weise unsere Wahrnehmung und unseren Orientierungssinn irritieren – so wie unter Tage nicht sicher ist, was oben und unten ist. Oder rechts und links.

"Bei meiner Arbeit könnte man an die Struktur von Bergwerksstollen denken", sagt Frauke Dannert. Vor allem aber soll die Installation der Kölner Künstlerin, die einen ganzen Raum im Duisburger Lehmbruck Museum bespielt, in einer für sie typischen Art und Weise unsere Wahrnehmung und unseren Orientierungssinn irritieren – so wie unter Tage nicht sicher ist, was oben und unten ist. Oder rechts und links.

Dannerts theaterhafte Installation arbeitet nicht zuletzt auch mit der Architektur des Museums, nimmt auf Säulen und Flächen Bezug und schließt über eine Projektion von außen den gesamten Raumkomplex mit ein. Sie ist eines der beeindruckendsten der 48 Werke, mit denen sich in Duisburg 21 internationale Gegenwartskünstler der Kohle nähern. Und wohl auch das Werk, das das Thema am freiesten fasst.

Näher dran ist da sicher Jürgen Stollhans, der vorwiegend mit Mitteln der Installation und Zeichnung arbeitet und zur Vorbereitung extra unter Tage war. Wie Dannert hat auch er bis kurz vor Ausstellungseröffnung an seinem monumentalen Wandfresko gearbeitet. Manche Entscheidung der Ausgestaltung entstand dabei recht spontan.

Herausgekommen ist das wandfüllende Porträt eines Güterwaggons zum Kohletransport in Originalgröße, das Stollhans mit Kreidezeichnungen von Motiven aus der Geschichte des Bergbaus zu einer Text-Bildcollage erweitert hat. Inspiriert wurde er dabei vom historischen Foto eines Eisenbahnwaggons, auf dem Bergleute stolz die Förderung der 500.000sten Tonne Kohle verzeichnet hatten.

Sinnigerweise durchfährt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stollhans' Waggon der eingefärbte "Blue Train" (1989) des New Yorker Künstlers David Hammons den Saal. Einen Tunnel aus Kohlebrocken durchfahrend, gemahnt die Spielzeugeisenbahn an den Ursprung des industriellen Fernverkehrs. Akustisch verdichten sich übereinandergelegte Jazzrhythmen zu einem urbanen Sound zwischen Melodik und Dissonanz.

"Schwarz ist Gold" lautet der Untertitel der Schau, mit dem sich das Duisburger Lehmbruck Museum an dem Kooperationsprojekt von 17 Museen des Ruhrgebiets beteiligt. Besonders sinnfällig wird dies an einer Arbeit der Berliner Künstlerin Alicja Kwade, die 2008 Union-Briketts aus der Kölner Bucht mit Blattgold ummantelt hat. In der Ausstellung ist auch ein in Diamantenform geschliffenes Kohlestück Kwades zu sehen.

Tatsächlich weisen viele der Arbeiten der Künstler aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Südafrika, Italien und den USA darauf hin, dass ihre Heimatregionen auch vom Geld geprägt wurden, das durch den Bergbau floss. Nicht zuletzt die reichhaltige Museumslandschaft des Ruhrgebiets verdankt sich – neben dem Stahl – auch der Kohle. Dieses kohlrabenschwarze Museumsmodell der Düsseldorfer Künstlergruppe Zero wurde allerdings nie realisiert.

Kritisch-poetisch setzt sich der südafrikanische Künstler William Kentrigde mit dem Bergbau auseinander. In seinem auf nur 18 Kohle- und Pastellzeichnungen basierenden Animationsfilm "Mine" steht vor allem die harte Arbeit und die Ausbeutung der schwarzen Arbeiter im Zentrum. Im Hintergrund läuft ein Cellokonzert Antonín Dvořáks als ironischer Kontrapunkt.

Betrachtet wird Kentrigdes Film vom melancholischen Bergmann, den Wilhelm Lehmbruck 1905/1906 für das Grabmal des ehemaligen Bergwerksdirektors Friedrich Hohendahl schuf. Er ist irgendwie aus der Zeit – und aus dem Ausstellungskontext – gefallen, aber trotzdem auch am schönsten inszeniert.

Den Blick aus dem Stollen nach oben inszeniert nebenan Kalin Lindena. Ihre Arbeit "Oberwindien 18-22" (2018) besteht aus farbig schimmernden Glasfahnen, die mit Pullovern oder Jacken behängt sind. Sie gemahnen an die Arbeiterkleider der Bergleute, die in den Weiß- oder Schwarzkauen an die Decke gezogen wurden.

Reichtum (und Armut) durch Kohle ist ein Aspekt der Duisburger Schau. Ein anderer ist der Reichtum, den die Kohle als Material nach ihrer Entdeckung durch die Kunst seit den 1960er Jahren bescherte. Ein frühes Beispiel hierfür ist Reiner Ruthenbecks berühmter "Doppelaschehaufen" von 1968, der über die verbindenden Drähte auch das im Flöz wichtige Thema der Schichtung aufgreift.

Den Bezug zwischen "Kunst und Kohle" stellt dann buchstäblich Lucy Skaers "Black Alphabet" von 2008 her. Sie hat 26 identische Nachformungen von Constantin Brancusis wegweisender Skulptur "Vogel im Raum" mit Kohlematerial überzogen – und interpretiert so in Serie nicht nur das Ausstellungsthema, sondern auch das ganze Ausstellungsprojekt der 17 Ruhr-Museen neu.

"Reichtum. Schwarz ist Gold" ist noch bis zum 7. Oktober 2018 im Lehmbruck-Museum in Duisburg zu sehen.

Stand: 03.05.2018, 11:39 Uhr