"Der Schrank des Ramon Haze" in Mönchengladbach

"Der Schrank des Ramon Haze" in Mönchengladbach

Ramon Haze ist eine fiktive Figur. Ein Kunst-Detektiv der Zukunft, der einen Blick auf die Gegenwart wirft und zeigt, was von den Artefakten unserer Tage übrig blieb. Diese Fiktion bildet die Grundlage einer Schau im Museum Abteiberg. Faszinierend doppelbödig.

Von Thomas Köster

Ramon Haze ist eine fiktive Figur. Ein Kunst-Detektiv der Zukunft, der einen Blick auf die Gegenwart wirft und zeigt, was von den Artefakten unserer Tage übrig blieb. Diese Fiktion bildet die Grundlage einer Schau im Museum Abteiberg. Faszinierend doppelbödig.

Der SChrank des Ramon Haze. Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2018 (Ausstellungsansicht)

Erfunden wurde die Kunstfigur Ramon Haze von Holmer Feldmann (links) und Andreas Grahl. Im Museum Abteiberg in Mönchengladbach haben sie 160 Objekte aus "seiner Sammlung" ausgebreitet. Objekte, deren Funktion manchmal schon heute nicht mehr erkennbar ist.

Erfunden wurde die Kunstfigur Ramon Haze von Holmer Feldmann (links) und Andreas Grahl. Im Museum Abteiberg in Mönchengladbach haben sie 160 Objekte aus "seiner Sammlung" ausgebreitet. Objekte, deren Funktion manchmal schon heute nicht mehr erkennbar ist.

Basisstation der Schau ist das Wohnzimmer von Haze, das Feldmann und Grahl auf einem Podest aufgebaut haben. Von hier aus soll der Kunstdetektiv und Archäologe seine Streifzüge durch die Welt geplant haben - auf der Suche nach dem, was vom 20. und 21. Jahrhundert erhalten geblieben ist.

Was hat in dieser Fiktion der Zukunft die Gegenwart überlebt? Zum Beispiel ein "Salpeter" genanntes Werk - angeblich vom RAF-Terroristen Andreas Baader - das aus zehn durch Stromkabel miteinander verbundenen Zinkeimern samt elektrischer Kaffeemühlen besteht. Installation oder Bombe? Das bleibt offen.

Zu sehen sind auch die Werke von heute angeblich lebenden Künstlern, die erst in der Zukunft entdeckt werden sollen. Zu diesen Werken gehören die Kachelarbeiten der 2022 in den USA verstorbenen Ruth Tauer aus Leipzig, die dem Betrachter nach Angaben der beiden Ausstellungsmacher "erlauben, in ihrem Seherlebnis zu verharren".

Als "totale Installation" wollen Holmer Feldmann und Andreas Grahl ihr Ausstellungs-Kunstwerk verstanden wissen - ein Begriff des Künstlers Ilya Kabakov, mit dem sie auch schon zusammengearbeitet haben. Er bezeichnet so ein intensives Zusammenspiel von Bildern, Texten, Skulpturen und Exponaten.

Von Kabakov soll in Zukunft dieser Laufstall geblieben sein, der mit einer erstaunlich ähnlichen Arbeit eines Unbekannten in Dialog tritt.

Die archäologische Wunderkammer von Artefakten des 20. und 21. Jahrhunderts vermittelt den Charme einer unfertigen Ausstellung. Dieser hübsche Gabelstapler mit seinen Europaletten ist inzwischen immerhin verschwunden ...

... im Unterschied zu einer wild aufgetürmten Installation mit bemalten Kisten, in der sich - so wird suggeriert - noch das ein oder andere Kunstwerk verbergen könnte.

So lässt sich "Der Schrank des Ramon Haze" als gewaltiger Reflexionsraum begreifen, der nicht zuletzt die Frage stellt, was zu welchen Zeiten Kunst sein soll - und was getrost auf die Müllhalde der Geschichte kann.

Gerade dieses Gedankenspiel macht die Ausstellung reizvoll. Sie ist ein Angebot, eigene Geschichten zu ersinnen. Oder aber jenen imaginären Künstler-Biografien zu folgen, die auf Lebenslauftafeln ausgebreitet werden.

Nach dem Rundgang kann man sich im Wohnzimmer von Ramon Haze auf einem der Sessel niederlassen - und, wenn man will, sogar eine Schallplatte auflegen. Von beruhigend-meditativ bis hin zu krachend ist alles möglich.

Erst vier Mal war "Der Schrank des Ramon Haze" in den letzten 20 Jahren in der Öffentlichkeit zu sehen - darunter 1997 als Forschungsstation auf der documenta X. Schön ist, dass er sich weiter füllt. Die Fernsehtürme zum Beispiel wurden erstmals im Museum Abteiberg aufgestellt.

Wie die Kunst der Zukunft aussehen könnte, kann man im Museum Abteiberg auch ein Stockwerk tiefer bewundern - in einer zweiten Ausstellung. Hier ist neben digital inspirierten Zeichnungen auch frühe Computergrafik von Klaus Basset, Herbert W. Franke oder Zdenĕk Sýkora zu sehen.

Daneben wirkt der Mensch dann bisweilen schon ein wenig klein.

"Der Schrank des Ramon Haze" ist noch bis zum 24. Februar 2019 im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen. Die zweite Ausstellung, "Die Zukunft der Zeichnung: Algorithmus", läuft noch bis zum 13. Januar.

Der fiktive Kunstdetektiv "Haze" wird übrigens "Hase" ausgesprochen. Was den in Mönchengladbach gezeigten Karnickelstall zumindest assoziativ erklärt.

Ausstellung "Der Schrank des Ramon Haze"

WDR 3 Mosaik | 12.11.2018 | 05:20 Min.

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Stand: 12.11.2018, 12:45