Indoor-Spielplatz Kunsthalle. "The Playground Project"

Indoor-Spielplatz Kunsthalle. "The Playground Project"

Von Thomas Köster

Dank "The Playground Project. Outdoor" sind Vorplatz und Dach der Bundeskunsthalle schon seit zwei Monaten Abenteuerspielplatz. Wie es dazu kommen konnte, illustriert jetzt eine Ausstellung drinnen.

The Playground Project. Indoor, Bundeskunsthalle Bonn 2018 (Ausstellungsansicht)

Bisher hat die Forschung den Spielplatz eher stiefmütterlich behandelt. Das ist erstaunlich. Immerhin gibt es kaum einen Raum, in dem Design, Pädagogik und Städteplanung so eng zusammenspielen. Die Wanderausstellung "The Playground Project" macht dies mit Fotos, Modellen, Filmen und Originalen eindringlich deutlich. Letztere darf man sogar (bis auf ein Baumhaus) benutzen.

Bisher hat die Forschung den Spielplatz eher stiefmütterlich behandelt. Das ist erstaunlich. Immerhin gibt es kaum einen Raum, in dem Design, Pädagogik und Städteplanung so eng zusammenspielen. Die Wanderausstellung "The Playground Project" macht dies mit Fotos, Modellen, Filmen und Originalen eindringlich deutlich. Letztere darf man sogar (bis auf ein Baumhaus) benutzen.

Im Zentrum der Schau stehen die 1950er bis 1980er Jahre, in denen Sozialreformer, Gestalter, Landschaftsarchitekten und Künstler den Spielplatz als Experimentierfeld und kreatives Labor für sich entdeckten. Die Ausstellung will den Reichtum der Ideen illustrieren, die sich hier entfalten und austoben konnten (hier ein Werk der Pariser Group Ludic).

Diese Ideen waren immer auch dem Zeitgeist verpflichtet, den sie weiter prägten. Ein besonders gelungenes Beispiel hierfür ist der "Lozziwurm" (1972) des Züricher Künstlers Yvan Pestalozzi, dessen Plastikhaut sich im Zentrum der Ausstellung windet. Hier gelang es, ein bestechend einfaches Design mit hohem Spielwert in Serie zu produzieren und über hundert Mal im öffentlichen Raum aufzustellen.

Verantwortet wird die Schau, die zuvor auch schon in der Kunsthalle Zürich zu sehen war, von der Baseler Kuratorin Gabriela Burckhalter. Vielleicht sind deshalb so viele Schweizer Gestalter am Start. Dazu gehört auch der Berner Maler, Plastiker, Zeichner, Objekt- und Installationskünstler Ueli Berger, der zahlreiche Spielplastiken entwarf.

Auf einer davon kann man sich auch niederlassen, um in den zahlreichen Büchern und Broschüren zum Thema zu blättern. Zum Beispiel in dem Buch über den großartigen Bildhauer und Designer Isamu Noguchi, der nach seiner Auseinandersetzung mit der Garten- und Parkarchitektur seiner beiden Heimaten in Japan und den USA zahlreiche Spiellandschaften baute.

Von Noguchis famosen Spiellandschaften sind in der Bonner Schau viele Fotografien zu sehen, darunter die von Kletterhügel, Pavillons und Planschbecken für das 1959 anlässlich der Hochzeit von Kaiser Akihito geplante und 1965 auf einer Fläche von rund 980.000 Quadratmetern eröffnete "National Children's Land" in Yokohama.

Der Spielplatz ist ein Kind des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich ging es während der Industrialisierung vor allem darum, herumlungernde Kinder buchstäblich von der Straße zu holen und in überwachbaren Spielräumen, getrennt nach Geschlechtern, zu sammeln. Auch von diesen Anfänge etwa in Berlin erzählt die Schau fotografisch in einem Seitenstrang (hier eine eher waldige, bürgerliche Variante).

Im Wesentlichen aber geht es um die Pioniere des "modernen" Spielplatzbaus, der Mitte des 20. Jahrhunderts begann. Herausragend sind dabei die Rutschen-Modelle des österreichischen Plastikers Josef Schagerl, der im kriegszerstörten Wien das Motto des Bürgermeisters Theodor Körner umzusetzen half: "Kein Wiener Kind darf weiter von einem Spielplatz wohnen als fünf Minuten."

Mit Schagerl beginnt im deutschsprachigen Raum die Blütezeit des in Beton gegossenen Spielplatzbaus der Nachkriegszeit, von dem in Bonn zahlreiche Modelle zu sehen sind. Danach verläuft die Linie über Plastik hin zum heutigen Holz.

Aus Metall und Stoff sind die Spielplatzutopien des Japaners Mitsuru Senda, der mit Entwürfen wie "Cosmos" (1975) wie sein japanisch-amerikanische Kollege Isamu Noguchi die ebenfalls überaus phantasievolle asiatische Fraktion vertritt. Rechts Sendas "Running Circuit" von 1979.

"The Playground Project" ist noch bis zum 28. Oktober 2018 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen. Ihrem Gegenstand entsprechend ist sie bunt und architektonisch reizvoll als Spielplatz für alle Sinne angelegt. Lustiger ist's aber trotz allem draußen, bei "The Playground Project. Outdoor".

Wer museal wieder zum Spielkind werden will, der sollte unbedingt jetzt, in den Schulferien, kommen, um die Rutsche-, Springbrunnen-, Tischtennis- oder Basketball-Skulpturen von Künstlern wie Carsten Höller, Ina Weber oder Jeppe Hein auszuprobieren! Ansonsten kann man manchmal vor lauter Schulklassen die Kunst nicht mehr sehen.

Und bei schlechtem Wetter kann man ja immer noch drinnen spielen, kleben, basteln. Hierfür gibt es zwei eigens eingerichtete Räume mit Spielen wie "Vier gewinnt", einer Mitmach-Drahtskulptur und einem Collageangebot. Vielleicht nutzt man diesen Freiraum ja, um seinen eigenen Spielplatz zu kreieren.

Stand: 13.07.2018, 10:42 Uhr