Abenteuerspielplatz Museum. "Playground Project" in Bonn

Abenteuerspielplatz Museum. "Playground Project" in Bonn

Von Thomas Köster

Ein begehbarer Springbrunnen, eine Riesenrutsche und ein Schaukelparcours auf dem Museumsdach: Das "Playground"-Projekt" der Bonner Bundeskunsthalle verbindet Kunst und Spiel. Die richtige Ausstellung für den Sommer: Springbrunnenerfrischung inklusive.

Playground Project. Outdoor, Bundeskunsthalle, Bonn 2018 (Ausstellungsansicht)

Nicht erst seit Friedrich Schillers Wort vom "Spieltrieb" des Homo ludens ist die Vorstellung vom Spiel als anthropologischer Konstante Kulturgut. Dass Spiel und Kunst viel miteinander zu tun haben, will "The Playground"-Projekt" auf Dach und Vorplatz der Bundeskunsthalle demonstrieren (Thomas Schütte, Gartenzwerge", 2015/2016).

Nicht erst seit Friedrich Schillers Wort vom "Spieltrieb" des Homo ludens ist die Vorstellung vom Spiel als anthropologischer Konstante Kulturgut. Dass Spiel und Kunst viel miteinander zu tun haben, will "The Playground"-Projekt" auf Dach und Vorplatz der Bundeskunsthalle demonstrieren (Thomas Schütte, Gartenzwerge", 2015/2016).

"Kunst kann wie Spiel als Möglichkeitsraum begriffen werden, als Fantasma oder Utopie, als Gegenentwurf zum Leben nach Gesetzen", sagt dem entsprechend Kunsthallenintendant Rein Wolfs. Bei den Installationen der Ausstellung selbst kann man diesen theoretischen Überbau dann allerdings getrost vergessen. Zum Beispiel in Carsten Höllers "Bonner Rutschbahn" (2018).

14 zeitgenössische Künstler hat die Bundeskunsthalle eingeladen, um mit ihren Installationen eine Brücke zwischen Spiel und Kunst zu schlagen: zwei Felder, die die größtmögliche Freiheit im Rahmen eigener Regeln ausleben wollen. Natürlich mit Hintersinn. So sind Ina Webers Tischkicker von 2018 eben nicht nur Tischkicker, ...

... sondern auch ein Spiel mit Wahrnehmungsgewohnheiten und Geschlechterbildern. Passend zur WM in Russland ruft die Arbeit mit ihren weiblichen Figuren auch die Rolle der Frau im Fußball in Erinnerung – zwischen 1955 und 1970 war Frauenfußball offiziell verboten. Und ist eine Hommage an jene Frauenteams, mit denen Weber "Spaß hatte und hat".

Hintersinn ist auch das Schlagwort bei "NRW vs. Spain — Refugee arrival centres" (2018) des spanischen Künstlerkollektivs Llobet & Pons: die fünf Körbe markieren die fünf Ankunftszentren für Flüchtlinge in NRW. Auf der anderen Seite hängt ein viel zu kleiner Korb: Spanien, das keine Flüchtlinge aufnimmt, hat in diesem Match keine Chance.

Gleichberechtigt können sich die Gegner bei Rirkrit Tiravanijas "Tomorrow is the Question" (2016) gegenübertreten. Und dank der Spiegelungen spielt bei dieser Installation auch der Himmel mit. Gleichzeitig verweist die Arbeit auf den intellektuellen Zirkel um den slowakischen Künstler Július Koller, der sich zum Tischtennis traf, weil dort keine Bespitzelung drohte.

Auf das Spiel als sozialen Akt verweist auch die dänische Künstlergruppe Superflex: Ihr "One Two Three Swing!" (2017/2018) besteht aus Dreisitzern, die in harmonischer Vollbesetzung leichter in Schwung zu bringen sind. Wer alleine schwingt, hat's schwerer.

Eher für Einzelkämpfer gedacht ist die gewaltige Skateboard-Rampe von Michel Majerus auf dem Vorplatz der Bundeskunsthalle. "If we are dead, so it is" lautet ihr lapidarer Titel. Majerus starb 2002 bei einem Flugzeugabsturz.

Dass zum Spiel auch Rückzugsorte gehören, demonstriert der Spanier Alvaro Urbano mit seinen fünf Betonabgüssen echter Steine, die wie Kometen auf das Museumsdach gefallen zu sein scheinen. Manche sind als Sitze oder Tische gedacht, einer ist eine mit Decke ausgestattete Höhle. So führt "Tomorrow is so far" (2018) als Utopie zurück zum Ursprung.

Zum Ausruhen und – teils etwas ungemütlichen –Verweilen laden auch die formal ungewöhnlichen Sitzbänke des Dänen Jeppe Hein ein. Vor allem aber sind sie "Modified Social Benches", die spielerisch Kommunikationsformen ausloten. Wenn zwei sich setzen, kommen sie automatisch ins Gespräch.

Ein Stück weit ist "The Playground Project" auch Hein-Festspiel. Denn von dem dänischen Künstler sind gleich drei Arbeiten in Bonn zu sehen – und, vor allem, zu erleben. Darunter die "Circular Appearing Rooms" (2018), die mit Wasser Räume schaffen.

Neben Höllers Rutsche dürfte auch Heins Springbrunneninstallation ein Publikumshit werden. Denn die von der Arbeit erzeugten Wasserräume sind begehbar – die perfekte Erfrischung für einen heißen Sommer.

Drinnen zeigen Jeppe Heins farbenfrohe – und irgendwie an Jeff Koons erinnernde – "Chakra Mirror Balloons" aus glasfaserverstärktem Kunststoff, dass es mit dem "Playground Project" indoor weitergeht: Am 13 Juli startet eine Ausstellung, die sich mit dem Kreativlabor Spielplatz der 50er bis 80er Jahre befasst. Dann wird es wieder ein bisschen ernster.

"The Playground Project. Outdoor" verwandelt die Bonner Bundeskunsthalle noch bis zum 28. Oktober 2018 in einen Abenteuerspielplatz. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog mit Essays und erläuternden Texte zu den Installationen erschienen.

Stand: 30.05.2018, 12:09 Uhr