20 Jahre Picasso: Münster feiert mit Miró

20 Jahre Picasso: Münster feiert mit Miró

Von Thomas Köster

20 Jahre alt wird Deutschlands einziges Picasso-Museum in Münster nun schon. Und feiert das Jubiläum mit einer Grafik-Ausstellung zur Künstlerfreundschaft seines Namensgebers mit Joan Miró. Lohnenswert!

Picasso/Miró. Eine Künstlerfreundschaft, Kunstmuseum Picasso Münster 2020 (Ausstellungsansicht)

"Wir kommen aus demselben Viertel", sagte Pablo Picasso einmal zu Joan Miró - in Anspielung auf die gemeinsame Vergangenheit der beiden Familien in Barcelona. Um dann augenzwinkernd hinzuzufügen:  "demselben geistigen Viertel, das ist doch schön". Denn beide Künstler blieben bei allem Sinn für Abstraktion konsequent gegenständlich. (zwei Mal Picassos "Figur mit gestreifter Bluse" von 1949)

"Wir kommen aus demselben Viertel", sagte Pablo Picasso einmal zu Joan Miró - in Anspielung auf die gemeinsame Vergangenheit der beiden Familien in Barcelona. Um dann augenzwinkernd hinzuzufügen:  "demselben geistigen Viertel, das ist doch schön". Denn beide Künstler blieben bei allem Sinn für Abstraktion konsequent gegenständlich. (zwei Mal Picassos "Figur mit gestreifter Bluse" von 1949)

1920 besuchte der zwölf Jahre jüngere Miró den bereits renommierten Picasso zum ersten Mal in Paris. Im Gepäck hat er einen Kuchen der Mutter: Die Eltern kannten sich aus Barcelona schon seit längerem und waren bereits befreundet.

Danach kreuzten sich die Wege der beiden Künstler mit den unterschiedlichen Temperamenten und Stilen immer wieder. Wobei Picasso dem jüngeren Freund die Türen zu Pariser Kunsthändlern öffnete und Ausstellungen initiierte. (Detail von Mirós "Vogelpaar III", 1966)

Über 100 Lithographien, Radierungen, Aquatinten, Holzschnitte, Fotografien und Filme werden in Münster gezeigt – und dabei das Werk der beiden großen Spanier in einen visuellen Dialog gesetzt. Ausgangspunkt war unter anderem eine Dauerleihgabe mit Miró-Grafiken zum 20-jährigen Bestehen des Museums: von den ersten Radierungen aus dem Jahr 1938 bis 1981, zwei Jahre vor seinem Tod.

Exemplarisch ausgewählte Werkgruppen dokumentieren den Einfluss, den die Kunstbewegung des Surrealismus auf Picasso und Miró in den 1920er und frühen 1930er Jahren hatte, oder auch den virtuosen Umgang mit den alten Meistern. (Picassos Serie "Frau im Lehnstuhl", 1948)

Vor allem bei dem Ausstellungskapitel über die Tierdarstellungen zeigen sich bei allen ähnlichen Ansätzen und Anschauungen auch deutliche Unterschiede. Picasso als großer Zerstörer und analytischer Formzertrümmerer auf der einen Seite, …

Miró als Schöpfer einer vermeintlich bunt-verspielten und phantastisch-naiven, dabei aber durchaus auch tiefgründig-doppelbödigen Welt auf der anderen. ("Die Sandratte", 1975)

Und auch bei den Arbeitsweisen beider gab es deutliche Unterschiede. Während Miró seine Grafiken bis ins Detail vorausplante und gradlinig ausführte, ging Picasso intuitiv an seine Blätter heran und entwickelte die Bildidee erst in einem mäandernden Schaffensprozess. Getreu seinem Motto: "Es dauerte vier Jahre, um wie Raphael zu malen, aber ein Leben lang, um wie ein Kind zu malen." Im Ergebnis sieht man das dann allerdings weniger. (links Picassos "Figur" und "Komponierte Figur II" von 1947 und 1949, rechts Mirós "Diana von Ephesus", 1958)

Schön ist das zum Beispiel an den Gedichtillustrationen zu erkennen, die in Münster ausgestellt sind: Miró zu Tristan Tzaras "Parler seul" von 1950 hier ...

... Picasso zu Pierre Reverdys "Le Chat des Morts" von 1948 da.

"Nach Picassos Tod habe ich in Spanien seine Nachfolge angetreten", sagte der höfliche und eher schüchterne Miró 1977 durchaus selbstbewusst in einem Interview. Als Vertreter eines demokratischen, weltoffenen und pazifistischen Spaniens meint das wohl auch freundschaftliche Verbundenheit über den Tod hinaus. (Mirós "Notturno", 1958)

Bei den Tierporträts allerdings kommt Miró an Picasso nicht heran. Unkiger als das Jahrhundertgenie im Jahr 1949 kann man eine Kröte eigentlich nicht machen.

"Picasso/Miró. Eine Künstlerfreundschaft" ist noch bis zum 31. Januar 2021 im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster zu sehen.

Stand: 18.09.2020, 11:00 Uhr