Großes Theater: Peter Paul Rubens im Diözesanmuseum Paderborn

Großes Theater: Peter Paul Rubens im Diözesanmuseum Paderborn

Von Claudia Friedrich

Künstler aus Antwerpen schufen in den 1650er Jahren den Hochaltar im Paderborner Dom. 1945 trafen ihn Fliegerbomben. 75 Jahre später geben die rekonstruierten Fragmente Anlass zur Ausstellung "Peter Paul Rubens und der Barock im Norden". Die Installationen, Skulpturen, Gemälde, Briefe und Skizzen zeigen, wie aktuell Barock ist.

Überblickt – Im Diözesanmuseum Paderborn
Christoph Stiegemann (li), Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, auf einer der vielen Ebenen des Museums, der Bühne der aktuellen Ausstellung "Peter Paul Rubens und der Barock im Norden".

Posiert – Vor der Kulisse des Parks am Schloss Stehen (Mechelen)
Kuratorin Christiane Ruhmann steht vor der Kulisse des Parks, in den Peter Paul Rubens von seinem Landsitz blicken konnte. Auf Schloss Steen lebte er mit seiner zweiten Frau.

Gott der Maler – Peter Paul Rubens (Selbstbildnis)
In der Parkkulisse hängt das Selbstbildnis, das Peter Paul Rubens zeigt als einen Mann, der mit der Mode geht. Umhang, weißer Kragen, Hut mit breiter Krempe. Christoph Stiegemann lacht: "Er kaschierte damit sein schütteres Haupthaar."

Betrachtet – Aus dem Hochaltar des Paderborner Doms
Rubens war längst tot, als Mitte der 1650er Jahre die Gebrüder Ludovicus und Antonius Willemssens aus Antwerpen nach Paderborn migrierten, um im Auftrag des Fürstbischofs den Dom umzugestalten, das heißt zu "barockisieren".

Gepuzzelt – 80 Fragmente übrig vom fast 19 Meter hohen Altarbild
Das Zeugnis des flämischen Barocks im Norden wurde im Zweiten Weltkrieg zerfetzt. Den beiden Restauratorinnen blieben 80 Fragmente. Sie analysierten Pigmente, Pinselstrich, Firnis, beseitigten Dreck, jüngere Eingriffe und setzten die Teile zusammen.

Lebensnah – "Beweinung Christi" von Peter Paul Rubens
Peter Paul Rubens beeinflusste ganze Malergenerationen. Seine Bildsprache ist dynamisch und konturenreich, dem Publikum zugewandt. Die "Beweinung Christi" ist eines der 20 Originale, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Geschneidert – Handgemachter Samtstore
Für die Sinnlichkeit sorgt nicht zuletzt der weinrote Samtstore, den die drei Textilexpertinnen selbst genäht haben.

Drappiert – 120 Meter Samt
Barocke Falten wollen gut gelegt sein. 120 Meter Samt, rund 200 Kilo, säumen die Wände vom 17. Jahrhundert in die Jetztzeit.

Umfangen – Im Dekor der Ausstellung
Für den Kunsthistoriker ist klar, wenn Foto, dann bitte in weinrotem Samt. Mit dieser Ausstellung verabschiedet sich Christoph Stiegemann nach 30 Jahren aus der Position als Direktor, Ausstellungsmacher und Kurator.

Prima Idea – Ölskizzen auf Holztafeln
Eine Perle der Ausstellung sind kleine Zeichnungen in Öl auf Holz, die Peter Paul Rubens malte, als Blaupausen für die Deckengemälde der Jesuitenkirche in Antwerpen. Christoph Stiegemann: "Was für eine Freiheit, die sich in den Skizzen zeigt."

Verhüllt – Aktueller Barock
Eine Ebene widmet sich zeitgenössischen Arbeiten. Ein Beitrag ist die Holzskulptur des in Wuppertal lebenden Künstlers Tony Cragg. "It is It isn’t" heißt der "barocke Wirbelsturm", wie ihn die Kuratorin Christiane Ruhmann nennt.

Verrückt – Skulptur von Andries de Nole
Er ist ein Schwergewicht. 800 Kilo. Marmor. Gefertigt in Antwerpen, steht er heute in den Königlichen Sammlungen der Niederlande in Den Haag. Ignatius von Lyola gründete den Jesuitenorden, für den Peter Paul Rubens viele Auftragsarbeiten durchführte.

Abgelegt – Handschuhe
Die Arbeiter*innen legen Hand an, schaffen ein üppiges Geflecht aus Skulptur, Installation, Briefen, Gemälden, Skizzen. Im Zentrum steht Peter Paul Rubens, ein Geschäftsmann im modernen Sinne, der die Ideen vorgab, die Ausführenden aber waren Meisterschüler. Wer einen Rubens von Rubens selbst gemalt haben wollte, zahlte das Doppelte.

Stand: 25.07.2020, 09:00 Uhr